Mehr Netto, mehr Freiheit, mehr Solidarität
Unter diesem Motto findet vom 11.11.2010 bis zum 11.11.2011 das Jahr des Kirchenaustritts statt. Die Regionalgruppe Österreich der Giordano-Bruno-Stiftung bringt die Kampagne nach deutschem Vorbild nach Österreich.
Auf dieser Seite können Sie sich über das Anliegen der Kampagne informieren. Darüber hinaus erfahren Sie, warum sich ein Austritt für Sie finanziell lohnt und dass Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen müssen („Aber die tun ja so viel Gutes!“).
Die Kirchen geben in Wahrheit nur einen Bruchteil für soziale Zwecke aus. Warum also das Geld nicht gleich direkt für soziale Zwecke zur Verfügung stellen?
Das Finanzgebaren der Kirche bietet jedoch längst nicht den einzigen Grund dafür, einen Austritt in Erwägung zu ziehen. In der Rubrik „Warum austreten?“ können Sie sich zum Nachdenken anregen lassen.
Die Kampagne
Aus der Kirche austreten!? Aber die tun doch so viel Gutes…
Sie kennen die Warnungen: Wenn die Kirchen nicht wären, würde der Sozialstaat zusammenbrechen. Ohne die Kirchenbeiträge könnte das Netz an Krankenhäusern, Kindergärten und Sozialstationen nicht aufrecht erhalten werden. Und wer aus der Kirche austritt, verhält sich als unsozialer „Trittbrettfahrer“.
Doch der Heiligenschein trügt: Im Hinblick auf die Finanzierung ist in sozialen Einrichtungen, auch wenn „Kirche“ draufsteht, nur selten „Kirche“ drin. Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten, Caritas etc werden nur zu rund 10% aus den Kirchenbeiträgen finanziert, zwei Drittel oder mehr kommen aus öffentlichen Geldern und Subventionen. Das meiste Geld gibt die Kirche für eigenes Personal aus, nämlich rund zwei Drittel der Einnahmen. Im Jahr 2009 betrugen die Einnahmen aus Kirchenbeiträgen der Erzdiözese Wien rund € 93 Millionen, der Personalaufwand belief sich auf rund € 62 Millionen (siehe Gebarung auf www.kirchenbeitrag.at). Der Jahresbericht der Caritas 2009 (www.caritas.at) weist aus, dass nur 8,26% der Gesamtfinanzierung aus „Sonstigen Erträgen inkl. kirchlichen Beiträgen“ stammten, über zwei Drittel hingegen aus öffentlichen Geldern und Subventionen. „Die tun so viel Gutes?“ Jedenfalls nicht mit Ihrem Geld!
Wenn Sie keine religiöse Bindung an die Kirche haben und nur aus sozialem Verantwortungsbewusstsein Mitglied geblieben sind, müssen Sie sich also kein schlechtes Gewissen machen lassen, wenn Sie aus der Kirche austreten. Im Gegenteil. Mit einem Kirchenaustritt bleibt Ihnen Netto mehr in der Tasche, Sie haben die Freiheit zu entscheiden, welches Projekt Ihre Spende am dringendsten braucht, und können so viel Gutes tun.
Helfen Sie beim Aufbau einer gerechteren Gesellschaft. Treten Sie jetzt aus der Kirche aus (wie, das erfahren Sie z.B. auf www.kirchenaustritt.at) und unterstützen Sie soziale Einrichtungen direkt!
Warum austreten?
Viele Menschen bleiben in der Kirche, obwohl sie sich längst von ihr entfremdet haben und mit dem Christentum nur noch wenig am Hut haben. Dennoch schaffen es viele nicht, die Kirche zu verlassen. Dabei gibt es sehr viele gute Argumente (abgesehen vom bereits erwähnten finanziellen Vorteil) über den eigenen Schatten zu springen.
Die Schatten der Vergangenheit
Der Historiker Karlheinz Deschner hat mit seiner auf 10 Bände angelegten Kriminalgeschichte des Christentums sehr eindrucksvoll dargelegt, dass die Geschichte des Christentums eine überaus blutige Angelegenheit ist. Auch wenn die bewusst einseitige Darstellung Deschners nicht unumstritten ist, so kann dennoch nicht bezweifelt werden, dass die Kirchen für unendlich viel Leid verantwortlich sind. Nachdem man in spätrömischer Zeit an die Macht gekommen war, sorgte man für die Vernichtung heidnischer Kultur und missionierte mit Waffengewalt.
Die Blutspur der Römisch-katholischen Kirche zog sich durch das gesamte Mittelalter und gipfelte in den Kreuzzügen und der Inquisition. Die Neuzeit brachte mit Luthers Reformation zwar zunächst die Trennung der Kirche, die Verbrechen gingen jedoch weiter. Hexenverbrennungen, die Vernichtungsfeldzüge bei der Eroberung der neuen Welt und der Dreißigjährige Krieg prägten diese Epoche. Zudem bekämpften die Kirchen die Aufklärung und den aufkommenden Humanismus mit allen Mitteln. Unsere heutigen „westlichen Werte“ wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind keine christlichen Erfindungen, sondern sie wurden in blutigen Kämpfen gegen diese errungen!
Auch an den Verbrechen des 20. Jahrhunderts waren die Kirchen keinesfalls unbeteiligt. Es war der Vatikan, der die Hitlerregierung als Erstes anerkannte. Die deutschen und österreichischen Pfarrer und Bischöfe beider Kirchen unterstützen oder tolerierten bis auf wenige Ausnahmen die Nationalsozialisten. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass der Judenhass seine Wurzeln im Christentum hat.
Die Rolle der Frau
Bis heute werden Frauen in der Katholischen Kirche nicht als gleichberechtigt anerkannt. Sie dürfen keine Priester werden und sind somit von Entscheidungsprozessen weitgehend ausgeschlossen. Die der Frau primär zugedachten Aufgaben sind mit Kinder, Kirche, Küche immer noch passend umschrieben.
Demokratie und Kirche
Die Katholische Kirche ist undemokratisch organisiert und streng hierarchisch gegliedert. Weder können Gemeinden ihre Pfarrer oder Bischöfe wählen noch gibt es echte Mitbestimmungsmöglichkeiten. Die Schäfchen haben ihrem Bischof und dem Papst ohne Widerspruch zu folgen.
Sexualmoral
Die Sexualfeindlichkeit innerhalb der Katholischen Kirche ist nach wie vor aktuell. Selbst Masturbation wird immer noch als Sünde verdammt. Beim Sex vor oder außerhalb der Ehe spricht man offiziell von „Unzucht“. Sex innerhalb der Ehe darf ebenfalls nicht freizügig ausgeübt werden, sondern hat sich am Keuschheitsgebot auszurichten. So steht im Katechismus auf der Website des Vatikans: „Unkeuschheit ist ein ungeregelter Genuss der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr.“ Es gilt also immer noch: Sex bitte nur zur Fortpflanzung und bitte keinen Spaß dabei empfinden! Folgerichtig sind auch immer noch künstliche Methoden der Schwangerschaftsverhütung verboten. Bemerkenswert ist auch, dass wiederverheirateten Paaren die Kommunion verweigert wird. Mitunter hat die Kirche auch keine Skrupel Wiederverheiratete, die in kirchlichen Institutionen beschäftigt sind, zu entlassen.
Sexueller Missbrauch
Die Katholische Kirche hat während des Missbrauchsskandals 2010 ihr wahres Gesicht offenbart. Der Umgang mit den zahlreichen bekannt gewordenen Fällen, bei denen Kinder von Geistlichen missbraucht worden sind, ist zu Recht von verschiedenen Seiten kritisiert worden. Zumal es auch Versuche führender katholischer Vertreter gab, die Fälle herunterzuspielen. Es galt das Motto verschleiern, versetzen, vergessen. Ob die Kirche aus den Vorfällen wirklich etwas gelernt hat, wird die Zukunft zeigen.
Diskriminierung Homosexueller
Homosexuelle Lebensweisen werden von der Katholischen Kirche nicht akzeptiert. Der Katechismus spricht hier eine deutliche Sprache. Homosexuellen soll man „mit Achtung, Mitleid und Takt begegnen“. Homosexuelle sind zudem zur Keuschheit aufgerufen. Wer als Homosexueller noch Mitglieder der Katholischen Kirche ist, sollte wissen, dass man sie oder ihn für abartig hält.
Kirchen und Kondome
Tagtäglich sterben tausende Menschen an AIDS. Dennoch fällt der Katholischen Kirche nichts Besseres ein, als weiterhin Enthaltsamkeit zu predigen. Joseph Ratzinger, dessen Kirche weltweit einen enormen Einfluss hat, könnte dazu beitragen, das Sterben zu beenden. Dennoch hält man an der menschenverachtenden Politik fest. Daran ändert auch die jüngst vom Papst verkündete Erlaubnis für Einzelfälle nichts Wesentliches.
Diskriminierung von Anders- und Nichtgläubigen
Konfessionelle Schulen erfreuen sich vor allem deshalb so großer Beliebtheit, weil sich dort nur wenige Kinder mit Migrationshintergrund finden. Mitunter werden sogar Schulen extra gegründet, um privilegierten Sprösslingen ein Aufwachsen ohne allzu viele Ausländer zu ermöglichen.
Als Arbeitgeber diskriminiert die Kirche ebenfalls Andersgläubige. Mitarbeiter der Kirchen und deren Sozialeinrichtungen müssen Mitglied christlicher Kirchen sein. Das Antidiskriminierungsgesetz greift für die Kirchen nicht.
Die Kirchen unterhalten auch immer noch Inquisitoren, die inzwischen meist Weltanschauungsbeauftragte oder Sektenbeauftragte genannt werden. Ihre Aufgabe ist es Andersdenkende zu überwachen und darauf hinzuwirken, dass nicht zu viele Schäfchen abtrünnig werden.
Sehr üblich ist vor allem in der Katholischen Kirche, das Beschimpfen und Verunglimpfen von Ungläubigen. Erst kürzlich hat Joseph Ratzinger die säkulare Bewegung – unter Missachtung der historischen Fakten – mit dem Nationalsozialismus verglichen.
Adaptierter Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von www.kirchenaustrittsjahr.de










