FAQ

Was will die Giordano-Bruno-Stiftung?

Die Stiftung ist vom deutschen Industriellen Herbert Steffen und dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon gegründet worden. Sie hat sich dem Humanismus und der Aufklärung verschrieben und will ein Gegengewicht bilden zu religiösen und kreationistischen Organisationen und Bewegungen. Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Philosophie und Kunst sind Mitglied. Ihnen gemeinsam ist der Glaube an die menschliche Vernunft und nicht an eine himmlische Macht.

Eine atheistische Vereinigung also?

Das Etikett „atheistisch“ ist aufgrund seines medial zugkräftigen „Schwefelgeruchs“ bei Journalisten zwar äußerst beliebt, jedoch kaum geeignet, die Stiftungsphilosophie korrekt zu beschreiben. Denn die gbs vertritt keine „atheistische“, sondern – wie die meisten führenden Wissenschaftler heute – eine „naturalistische“ Position. Das heißt: Wir gehen davon aus, dass es im Universum „mit rechten Dingen zugeht“, dass weder Götter noch Geister noch Kobolde oder Dämonen in die Naturgesetze eingreifen. Das wiederum bedeutet: Wenn der Begriff „Gott“ so definiert wird, dass er nicht im Widerspruch zu den Naturgesetzen steht (dies verlangt u.a. einen Verzicht auf Wunder- und Schöpfungsglauben), so kann eine solche Gottesvorstellung durchaus mit dem Naturalismus in Einklang gebracht werden – auch wenn die meisten Naturalisten auf die „unelegante Hypothese Gott“ gut und gerne verzichten können. Übrigens: Dass die gbs schwerlich auf einen eindimensionalen oder gar dogmatischen Atheismus reduziert werden kann, lässt sich bereits aus ihrem Namen ableiten, denn Giordano Bruno war bekanntlich kein Atheist, sondern Pantheist… (Mehr dazu auch auf der Stiftungs-Website unter “10 Fragen und Antworten“)

Ist die GBS nicht auch wieder eine Form von Sekte?

Nein. Die GBS vertritt ein naturalistisches Weltbild der Aufklärung und entwickelt eine säkulare Ethik «Jenseits von Gut und Böse». Sie bietet Ideen an, wie die Welt und die Menschheit ohne Religion verstanden werden können.

Genügen die Freidenker nicht?

Die GBS verfolgt sehr ähnliche Ziele wie die Freidenker, betont aber mehr den philosophisch-gesellschaftlichen Hintergrund einer säkularen Gesellschaft. Wir arbeiten eng mit den Freidenkern zusammen. Die GBS vermag durch ihre mehr akademische Ausrichtung andere Kreise anzusprechen und damit das Gewicht der säkularen Meinungen zu verstärken.

Was sind GBS, Förderkreis und Regionalgruppen?

Neben den ordentlichen Organen der Giordano Bruno Stiftung gibt es einen Förderkreis der Giordano Bruno Stiftung. Diesem Förderkreis kann sich jede natürliche Person oder Organisation anschließen, die mit dem Gedankengut und den Zielsetzungen der Stiftung übereinstimmt. Ein finanzieller Beitrag ist freiwillig. Für den Förderkreis kann man sich auf der Stiftungs-Website anmelden.

Um einen lokalen Bezug zu schaffen, wurden an verschiedenen Orten Regionalgruppen gegründet, mehrere in Deutschland und jeweils eine in Österreich und der Schweiz.

Wozu eine Regionalgruppe Österreich?

Der persönliche und lokale Bezug kann nicht allein über ein Internet-Forum hergestellt werden. Wir wollen einander persönlich kennen lernen und auch zu lokalen Themen Stellung nehmen.

Die Regionalgruppe Österreich bringt die österreichischen Mitglieder des Förderkreises zusammen. Die Regionalgruppe ist kein Verein, sondern wie der Förderkreis selbst ein freier Zusammenschluss von Personen, die der GBS nahestehen.

Was sind die Pläne der Regionalgruppe?

Wir wollen andere säkulare Organisationen unterstützen und mit ihnen zusammenarbeiten, Einfluss auf das Bildungswesen nehmen und bei ethischen Fragen wie beispielsweise der Sterbehilfe Beiträge abseits der Kirchen leisten.

Warum sich wehren? Die Religionsfreiheit ist ja in der Verfassung verankert.

Religionsfreiheit heißt doch, dass der Mensch auch frei von jeglicher Religion sein kann. Die Errungenschaften der Aufklärung aus dem 18./19.Jahrhundert sind jedoch bedroht durch fundamentalistische Religiosität. Dabei spielt es keine Rolle, aus welcher Ecke diese kommt: Evangelische Freikirchen rühren die Trommel, die katholische Kirche macht regelmäßig Schlagzeilen aller Art, und der Islam seinerseits bringt ganz neue Dimensionen in unsere Gegend.

Das alles finden wir, muss nicht sein – der Mensch kann auch ohne einen Gott gut leben. Wo doch all diese göttlichen Formeln, Vorschriften und Regeln sowieso von ihm frei erfunden sind.

Braucht es denn eine neue Aufklärung?

Nicht eine neue. Wir möchten nur, dass die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung vermehrt beachtet werden. Sie sind für den Menschen und sein Leben zentral. Und mindestens so wichtig wie alles Religiöse. Die Freiheit, diesen Text schreiben zu können, hat die Gesellschaft den Kirchen abgerungen.

Warum sind Humanismus und Aufklärung für den Menschen so wichtig?

Der Humanismus ist eine Weltanschauung, dessen Wurzeln bis in die Antike zurückreichen. Im Mittelpunkt ist die Erkenntnis: Der Mensch kann Dinge und Zusammenhänge erkennen, er kann denken und kann handeln.

Wir hatten in der westlichen Welt die Aufklärung. Sie hat dem Menschen aufgezeigt, dass jeder selber für sich denken und Verantwortung übernehmen kann. Die modernen Demokratien sind auf dieser Grundlage entstanden. Und dann hat die Aufklärung die modernen Wissenschaften begründet, ohne die unsere heutige Zivilisation nicht möglich wäre.

Die westliche Zivilisation hat nicht nur positive Seiten.

Das Anrufen einer göttlichen Macht nimmt dem Menschen viel an Freiheit, Zeit und Energie, mit seinen eigenen Kräften im Hier und Heute fürs Positive zu wirken. Die Welt wird durchs bloße Anrufen einer göttlichen Macht nicht besser; menschlicher Wissensdurst und Erfindergeist hingegen haben bedeutend mehr Potenzial, unmittelbare Veränderungen und damit auch Verbesserungen zu bewirken.

Giordano Bruno hat im 16. Jahrhundert gewagt, das herrschende Weltbild zu hinterfragen und hat neue Konzepte formuliert. Die Kirche hatte keine Freude daran. In Brunos Tradition funktioniert die Wissenschaft auch heute, durch stetes Hinterfragen gelangt sie zu neuen Erkenntnissen.

Der allwissende Mensch also?

Der Mensch kann nie alles wissen, aber von Tag zu Tag mehr. Ein Blick durch das Fernrohr einer Sternwarte oder durchs Mikroskop im Labor kann zu neuem Staunen und zu neuem Wissen führen. Wissen, das sich stets erweitert, auf welchem Gebiet auch immer, dank fragen, beobachten und Schlüsse ziehen. Der Glaube hingegen meint, ohne Beweise alles schon von vornherein begründen zu können. Mit Verlaub — das ist überheblich und menschenfeindlich.

Soll ich glauben, was in diesen Fragen und Antworten steht?

Nein. Prüfen Sie, was mit Ihrer Erfahrung, Ihrem Weltbild übereinstimmt und was nicht. Stehlen Sie ungeniert Ideen und Ansichten und verwerfen Sie sie ebenso leicht. Einzige Bedingung: Machen Sie es selber. Sie sind die einzige Person, die das Recht hat, über Ihr Denken zu bestimmen.

Adaptiert nach der Vorlage der Regionalgruppe Schweiz.