Menschenrechte und evolutionärer Humanismus

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Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie auf die freie Ausübung seiner Religion. Des Weiteren hat jeder Mensch natürlich das Recht auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben. Das ist – zusammengefasst – der Inhalt der Menschenrechtserklärung.

Die freie Ausübung der Religion setzt natürlich eine gewisse Achtung vor den religiösen Überzeugungen einer Person voraus. Aus diesem Grund halte ich den Ansatz allzu eifriger Atheisten, dass ohne Religion alles besser wäre, für bedenklich. Schon alleine deswegen, weil die Begriffe “Kirche”, “Religion” und “Glauben” nicht diffenziert betrachtet werden. Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung viel zu einem besseren gesellschaftlichen Zusammenleben beitragen. Dies ist zu respektieren, auch wenn man deren Glaubensinhalte ganz gewiss nicht teilt. Des Weiteren setzt diese Denkweise voraus, dass man als Atheist automatisch ein besserer, intelligenterer oder humanerer Mensch ist – was so gesehen ein Irrtum ist.

Atheismus sagt aus, dass man nicht an bestimmte menschliche Vorstellungen von Gott, einer jenseitigen Welt oder einer transzendentalen Macht glaubt. Nicht mehr und nicht weniger. Wofür man einsteht und was man meint, denkt und sagt, darüber gibt dieser Begriff keinen Aufschluss.

Evolutionärer (naturalistischer) Humanismus

Mit dem Begriff des Atheismus taucht oft auch der Begriff des (naturalistischen) Humanismus auf. Dieser gibt schon bessere Einsichten in die Denkweise eines Individuums. Aber für Humanisten sollte gelten, dass sie prinzipiell Achtung vor jedem Menschen haben – auch vor den Religiösen. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass der Mensch nicht aufgrund seines Glaubens klassifiziert werden sollte – sehr wohl aber wegen seiner Aktionen.

Wenn jemand sich aufgrund seines individuellen Glaubenskonstrukts sozial engagiert und des Weiteren nicht versucht, andere zu missionieren, so habe ich persönlich absolut nichts dagegen. So frei wie ich meine Meinungen äußern kann, steht es selbstverständlich dieser Person ja auch zu (soviel zur Idee der Meinungsfreiheit).

Allmachtsansprüche …

Wenn nun eine Person aber behauptet, dass ihre Religion die einzig Wahre ist und somit die Welt in Schwarz und Weiss bzw. gläubig und ungläubig aufteilt, so wird es bedenklich. Sollte dies noch mit Allmachtsansprüchen, abgeleitet von einer Heiligen Schrift, einhergehen, so muss man im Namen der Menschenrechte strikt dagegen stehen. Auch mit Berufung auf die eigene Religions- und Meinungsfreiheit ist es nicht zulässig, andere in ihrer zu beschneiden. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Karikaturenstreit sowie die wiederholten Falschaussagen von Ratzinger, wonach Atheismus unweigerlich zu Kriminalität und Unmenschlichkeit führe. Dies mag in seiner Sichtweise richtig sein – diese ist jedoch nicht universell bindend, auch wenn er und seine Anhänger dies gerne so hätten.

Somit lässt sich sagen, dass Religion nicht prinzipiell abzuschaffen sei – dies ist in der Realität erstens nicht möglich und zweitens auch nicht nötig. Das Christentum in Europa hat nur mehr sehr wenig mit den urchristlichen Vorstellungen zu tun, was nicht zuletzt einer konstanten Abwehrhaltung von Vertretern der Aufklärung zu verdanken ist.

… und falsche Toleranz

Das Einzige was abzuschaffen ist, sind die Allmachtsansprüche, die aus einem Glaubenssystem abgeleitet werden können. Ein auserwähltes Volk, bestehend aus Individuen mit der gleichen religiösen Idee, ist heutzutage eine lächerliche Vorstellung. Leider finder sie immer noch begeisterte Anhänger auf der ganzen Welt.

Das Problem mit den monotheistischen “Wahrheiten” ist, dass diese – zu Ende gedacht -gar nicht anders können als Machtansprüche zu deklarieren. Wenngleich diese gesellschaftlich immer weniger ernst genommen werden, stellen sie kombiniert mit falscher Toleranz nichtsdestotrotz eine Herausforderung für uns alle dar.

Mit falscher Toleranz meine ich die Gültigkeit alter, praktisch rechtswidriger Regelungen zwischen Staat und Kirche, die auch im deutschsprachigen Raum noch vorherrschen. Des Weiteren meine ich die Demutshaltung politischer Vertreter vor jedem, der sich als offizielles Sprachrohr einer Religion inszeniert. Solange Religion nicht Privatsache wird, wird der Konflikt zwischen Menschenrechten, Religionen sowie Vertretern jedweder Meinung zwischen Religion und Atheismus weiter toben.

Berechtigte Kritik ist ein Geschenk

Das Recht auf freie Meinungsäußerung schließt nun auch das Recht auf Kritik mit ein. Diese ist – insofern sie nicht als plumpe Beleidiung inklusive Degradierung daherkommt – ein Geschenk, wie ich meine. Hätte ich nicht Kritik an meinen Sichtweisen erfahren, hätte ich sie kaum je weiterentwickelt.

Kritik an den Glaubensüberzeugungen ist somit kein Grund, beleidigt sein zu können. Klarerweise können auch atheistische, naturalistische Sichtweisen kritisiert werden – und sollen es auch. Die Sache hierbei ist nur, dass es kaum haltbare Kritikpunkte gibt, die nicht schon lange widerlegt sind – oder einfach nur auf Unwissen, Halbwissen oder Ignoranz beruhen. Hier sei nochmal an die Aussagen Ratzingers erinnert. Der Autor dieser Zeilen freut sich jedenfalls auf Denkanstösse – ohne sie hätte er sich all das hier ja überhaupt nie von selbst überlegt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass wir das Ziel einer freien, pluralistischen Gesellschaft nur dann erreichen können, wenn Glaubenswahrheiten von fundierten Wahrheiten getrennt werden – und im besten Fall in den Privatbereich verlagert werden. So ist niemand in seinen Überzeugungen eingeschränkt und die staatliche Neutralität, die nicht zuletzt durch Globalisierungsprozesse immer wichtiger wird, gegeben.

Markus Arch

17 Antworten zu Menschenrechte und evolutionärer Humanismus

  1. Hallo Markus!

    Hmmm, hier sind ein paar – nunja: eher Handlungsanstösse… :-)

    1) Du schreibst: “Ein auserwähltes Volk, bestehend aus Individuen mit der gleichen religiösen Idee, ist heutzutage eine lächerliche Vorstellung.” Bei dieser Vorstellung eines auserwählten Volkes handelt es sich interessanterweise auch um eine Glaubenslehre gleich mehrerer in Österreich gesetzlich anerkannter Kirchen bzw. Religionsgesellschaften (z.B. wird im “Katechismus der Katholischen Kirche” in Nr. 781-782 die Kirche als auserwähltes “Volk Gottes” dargestellt), die (was ich persönlich für sehr problematisch und nicht wünschenswert halte) vermutlich durch § 188 StGB geschützt wird: “Wer öffentlich eine Person oder eine Sache, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft bildet, oder eine Glaubenslehre, einen gesetzlich zulässigen Brauch oder eine gesetzlich zulässige Einrichtung einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.” Ich persönlich hielte es für gut, diesen § 188 StBG (der zur Sonderstellung von Religionsgemeinschaften beiträgt) abzuschaffen.

    2) Könntest du bei dem Hinweis auf Aussagen, “wonach Atheismus unweigerlich zu Kriminalität und Unmenschlichkeit führe”, auch gleich im Text eine Quelle dazu angeben? Das fände ich nämlich sehr spannend! ;-)

  2. M.J. Arch says:

    Hallo Wilfried,

    hier wäre eine Quelle hierzu:

    http://hpd.de/node/12206

    Danke für den Tipp, ich werde in Zukunft sicherlich mehr Verlinkungen in meine Texte einfügen. Zum Thema Abschaffung des Blasphemieparagrafen stimme ich mit dir absolut überein.

    mfg
    Markus

  3. Ich habe jetzt den Wortlaut der “Ansprache von Papst Benedikt XVI.” vom 27. Oktober 2011 in Assisi auf http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2011/october/documents/hf_ben-xvi_spe_20111027_assisi_ge.html
    nachgelesen. Es ist schon so, wie ich vermutet habe. Der Papst spricht zwar von einer “Folge der Abwesenheit Gottes, seiner Leugnung und des Verlusts an Menschlichkeit, der damit Hand in Hand geht”; er spricht dabei aber auch ganz ausdrücklich von einem “staatlich verordneten Atheismus”. Der Papst behauptet danach zwar auch sehr apodiktisch und allgemein: “Die Abwesenheit Gottes führt zum Verfall des Menschen und der Menschlichkeit.” Aber das ist doch ein wenig etwas Anderes als ganz allgemein zu sagen, dass “Atheismus unweigerlich zu Kriminalität und Unmenschlichkeit führe”. Im päpstlichen Ansprachentext fehlt m.E. einfach das (berichtete/behauptete) Moment der Unweigerlichkeit, mit der Atheismus “zu Kriminalität und Unmenschlichkeit führe.” ;-)

  4. M.J. Arch says:

    Mag sein, allerdings erinnere ich in diesem Kontext auch an die Behauptungen, Nationalsozialismus und Kommunismus russicher Prägung wären Systeme gewesen, welche sich aus dem Atheismus entwickelt hätten. Der Papst sagt zwar nirgends “unweigerlich” (meines Wissens nach), allerdings kann man es kurz zusammengefasst sicherlich dennoch so sehen. Als Oberhaupt der kath. Kirche muss er ja schließlich die Einstellung “ohne Gott ist alles erlaubt” vertreten – was er ja auch tut.

  5. Hallo Markus,

    sorry, falls das jetzt ein wenig haftlmacherisch rübergekommen ist, aber ich bin halt total hellhörig und neugierig geworden, als ich das mit der “unweigerlichen” Konsequenz gelesen habe. Ich nehme halt Aussagen gerade zum Thema Atheismus sehr genau. Du bist ja selber ebenfalls für differenzierte und kritische Zugänge zur Welt (auch der des Papstes)… ;-)

    vlg
    Wilfried

  6. M.J. Arch says:

    Nichts zu entschuldigen, konstruktive Kritik und Anregungen sind immer hoch erwünscht. Ich versuche allerdings meinen Schreibstil bewusst unspezifischer und daher weniger komplex zu halten (ja, man könnte auch “schwammig” sagen ), da man von niemandem erwarten kann dass sie oder er sich bereits intensiver mit dem gesamten Themenkomplex beschäftigt haben – so wei es augenscheinlich bei dir der Fall ist.
    Die viel beschworene “Reduktion von Komplexität” ist mir da ein Hauptanliegen, was leider auf Kosten der Differenzierung gehen mag.

    mfg
    Markus

  7. Ein interessanter und sehr verbreitungswürdiger – ich werde mich darum bemühen! – Artikel mit einer ebenfalls interessanten Folgediskussion!

    Zum Satz “Somit lässt sich sagen, dass Religion nicht prinzipiell abzuschaffen sei – dies ist in der Realität erstens nicht möglich….” noch eine kleine Ergänzung:
    Die Ergebnisse empirischer Untersuchungen verschiedenster Art belegen immer deutlicher, dass “Religiosität” evolutionär erworben und genetisch verankert ist. Die Idee des Zufalls oder der Wahllosigkeit ist evolutionär sehr jung und bei Naturvölkern auch heute noch nicht zu finden – alle Ereignisse, bzw. Erscheinungen, besitzen Bedeutung, allen werden (göttliche) Verursacher mit Intentionen zugeschrieben. Rupert Riedl beschrieb es – ohne Bezug auf Religiosität – allgemein so: “Die Erwartung kausaler Zusammenhänge ist selektionsbewährt und durch die Evolution als ökonomische Verarbeitung von Daten im Zentralnervensystem aller höheren Tiere eingebaut” und Gerhard Schurz meint (aus Sekundärliteratur zitiert): “Die Hartnäckigkeit, mit der sich religiöse Überzeugungen in allen Kulturen der Welt halten, deuten auf eine genetische Grundlage hin. Wäre religiöser Glaube nur ein Mem im Sinn von Dawkins, hätte er in gewissen Kulturen auch aussterben müssen und dort nicht spontan wieder entstehen dürfen”.

    Ich möchte es persönlich wie folgt auf den Punkt bringen: Religiöse Überzeugungen (sowie zahlreiche esoterische Praktiken) nähren sich aus den gleichen evolutionären Wurzeln. Sie sind, wie jedes andere menschliche oder nichtmenschliche Phänomen, den Naturgesetzen unterworfen und damit wissenschaftlich erforschbar. Ihre genetische Verankerung bietet einen Selektionsvorteil, der in einen “Placeboeffekt des Glaubens” mündet.

    MfG
    Gerfried Pongratz

    • valtental says:

      @ G. Pongratz;´: “Die Ergebnisse empirischer Untersuchungen verschiedenster Art belegen immer deutlicher, dass “Religiosität” evolutionär erworben und genetisch verankert ist.” / “Ich möchte es persönlich wie folgt auf den Punkt bringen: Religiöse Überzeugungen … sind, wie jedes andere menschliche oder nichtmenschliche Phänomen, den Naturgesetzen unterworfen und damit wissenschaftlich erforschbar. Ihre genetische Verankerung bietet…” (Hervorh. von mir)
      Nach vier Jahren möchte ich an diese interessante Fragestellung anknüpfen und infolge neuerer Literatur von A.Kilian (Logik der Nicht-Logik/Pfauenschwanz der Gläubigen) der Auffassung genetisch verankerter Religiosität widersprechen. Nicht weil eine solche Herleitung Wunschtraum aller Kleriker wäre, sondern weil Kilian eine zur Untersuchung der Problematik höchst wichtige Unterscheidung in individuelle kindliche Imaginalität und spätere kollektive Religiosität vornimmt. Erstere scheint der von Ihnen bei Rupert Riedl zitierten genetischen Disposition zu entspringen: “Die Erwartung kausaler Zusammenhänge ist selektionsbewährt und durch die Evolution als ökonomische Verarbeitung von Daten im Zentralnervensystem aller höheren Tiere eingebaut”. Im Gegensatz dazu scheint die von Imgaginalität abzugrenzende Religiosität aber auschließlich kulturell bedingt zu sein, bei der die imaginale Praxis des Kindes, mit welcher es versucht, das genetisch angelegte kausale Denkvermögen auch auf noch nicht mit eigenem Wissen erklärbare Vorgänge anzuwenden, kulturell (durch religiöse Erziehung) in Religiosität überführt/transformiert wird. Interessant ist hierbei Ihre Anmerkung, dass Riedl seine Aussage ohne Bezug zu Religion getätigt hat. Dieser beschreibt demnach die Imaginalität des Kindes, was eben noch lange keine Religiosität ist. Diesen bisher nicht beachteten Unterschied macht Kilian mit seiner Begriffstrennung sichtbar. Erst dadurch kann genetischer von kulturellem Einfluss abgegrenzt werden. Bisher wurde immer schon Kindern Religiosität zugesprochen. Religiosität ist aber etwas anderes als Imaginalität, nämlich synchronisierte, kollektive Vorstellungen, welche nicht vererbt, sondern tradiert werden. Das Zitat von Gerhard Schurz: “Die Hartnäckigkeit, mit der sich religiöse Überzeugungen in allen Kulturen der Welt halten, deuten auf eine genetische Grundlage hin.” kann sich nach Kilian nur auf die genetische Disposition des kausalen Denkens beziehen, was bei noch fehlendem Wissen in die Imaginalität des Kindes mündet. Eine kollektive Synchronisation fehlenden Wissen in Form von Religiosität dürfte dagegen mit einem kulturellen Mem besser beschreibbar sein. Auf jeden Fall wird Religiosität nicht vererbt, was wohl eindrücklich das gottlose Ostdeutschland beweisen sollte. Es dürfte schwierig sein, mit einem Unterschied in den Erbanlagen die extrem abweichende Verbreitung von Religion unter “West”- und “Ost”deutschen erklären zu wollen. Religiosität ist im Gegensatz zur Imaginalität also keinesfalls “den Naturgesetzen unterworfen”, aber im Bereich der Sozialwissenschaften und Psychologie selbstverständlich wissenschaftlich erforschbar.

  8. Da berühren wir wirklich spannende Fragen aktueller Religionswissenschaft/en!

    Vielleicht handelt es sich bei “Religiosität” (falls das quasi etwas Einheitliches ist) ja auch (eher? nur?) um ein evolutionäres Neben-Produkt, das an Phänomene/Funktionen/Fähigkeiten (oder wasweißich) gekoppelt ist, die selbst wiederum so vorteilhaft oder unverzichtbar bzw. sonstwie (im Sinne von Rupert Riedl’s Systemtheorie der Evolution) funktionell bebürdet sind, dass halt auch eine an sie gekoppelte “Religiosität” (auch ohne großen “eigenen” Selektionsvorteil) mitgetragen/mitgeschleppt wird… ;-)

    • Gerfried Pongratz says:

      1. Ich denke, dass “Religiosität” im nachstehenden Sinne (es gibt auch andere, philosophische Definitionen) tatsächlich etwas Einheitliches ist: “Religionen (persönl. Anm.: “als Ausdruck von Religiosität”) sind soziale Systeme, deren Mitglieder sich zum Glauben an einen oder mehrere übernatürliche Akteure bekennen, um deren Anerkennung und Wohlwollen man sich bemühen muss” (frei zitiert nach Dennett).

      2. Ich frage mich umgekehrt, ob “Religiosität” im Sinne von Akteurschaftsannahme, Intentionalität, Hypothesenbildung usw. usw. (Du hast es in meinem Vortrag gehört) nicht eher ein aus vielerlei Faktoren zusammengesetztes “evolutionäres Hauptprodukt” ist, das quasi als “Nebenprodukt” erst die damit zusammenhängenden Phänomene/Funktionen/Fähigkeiten hervorbringt. Ist eine solche Frage aber überhaupt (sinnvoll) zu beantworten?

      LG
      Gerfried

      • Ich frage mich gerade, ob Du den in Österreich seit 1983 in Form der Buddhistischen Religionsgesellschaft als Religion staatlich anerkannten “Buddhismus” für eine Religion halten könntest… ;-)

        • M.J. Arch says:

          An das Thema “Religion” gibt es ja unterschiedliche Herangehensweisen, der Begriff “Religiösität” ist ja in sich schon unglaublich heterogen. Religion als kulturelles sowie als naturwissenschaftlich erklärbares Phänomen (wobei ich dafür bin, traditionelle Grenzen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen aufzubrechen), sind wohl die zwei größten und nachvollziehbarsten Erklärungsansätze. Wobei sie ineinander übergreifen, das ist zumindest meine These.

          Bevor über Religion gesprochen wird ist es sinnvoll, erst einmal zu klären, was damit überhaupt gemeint ist bzw. auf welche Definition man sich da beruft. WIrd dies nicht getan, entstehen ja zwangsläufig Missverständnisse, gerade in Gesprächen zwischen säkularen und weniger säkular denkenden Menschen.

          • Keine Frage, der Religionsbegriff ist äußerst unpräzise, es verbirgt sich darin meist eine bestimmte Zuschreibung, die aus der jeweiligen Innenperspektive jeweils ganz anders wahrgenommen wird. Der Religionsforscher W.C.Smith hat deshalb bereits 1963 vorgeschlagen, den Begriff Religion in der Wissenschaft ganz aufzugeben und stattdessen von “Glaube” (als persönliches Erleben) und “gesammelter religiöser Tradition” (als die äußerlich sichtbaren Aspekte) zu sprechen.
            MfG
            Gerfried

        • Der “reine” B. – Hinayana (kleines Fahrzeug) – würde m.E. den philos. Religionsbegriffen (für Intellektuelle) zuzuordnen sein, der Mahayana (Großes Fahrzeug – für die breite Masse) erhöht Buddha selbst zu einer Art Gott und wäre den Religionen im oben zitierten Sinne Dennetts zuzuordnen.
          MfG
          Gerfried

  9. M.J. Arch says:

    Die These, dass Religiösität quasi ein Nebenprodukt der Evolution ist, wird meines Wissens nach auch von Dawkins vertreten.

    Gerfried, woher hast du diese Idee? Es kommt mir sehr bekannt vor, möglicherweise haben wir ja sogar das selbe Buch drüber gelesen ;-)

    mfg
    Markus

    • Gerfried Pongratz says:

      Meine Statements sind Resultat vieler zu diesem Thema “beackerter” Bücher, ich nenne als Hauptautoren D. Dennett, B. Voland, R.Dawkins, M. Gell-Mann, G. Schurz, MSS, u.a…..
      Wenn Ihr Interesse daran habt, komme ich gerne einmal nach Klagenfurt und halte ein kurzes Referat zu diesem Thema, es ergeben sich anschließend meist sehr spannende Diskussionen (wie z.B. letzten Freitag in Wien, als ich vor den “Skeptikern” darüber referierte).

      LG
      Gerfried

      • M.J. Arch says:

        Hallo,

        danke für das Angebot, Interesse wäre sicher vorhanden. Allerdings werd’ ich da erst einmal zusehen dass ich auch ein interessiertes Publikum hier zusammen bekomme, dass du vor 3-4 Leuten reden musst will ich dir nicht antun. Mal sehen, was sich da machen lässt, solche Themen haben hier in Kärnten (größtenteils ländlicher Raum) eher Randgruppencharakter, aber vielleicht ließe sich da was Interessantes aufziehen.

        mfg
        Markus

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