Unwissenheit aus Unglauben

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Bei der Diskussion um den Sinn des Lebens kommt man für gewöhnlich nicht um die Frage nach dem Ursprung des Lebens herum. Wie entstand das Universum, wie entstanden die ersten Lebewesen, und vor allem: Warum ist es so auf der Welt, wie es nunmal ist? Und nicht anders?

Die Wissenschaften versuchen, Antworten darauf zu finden. Bis jetzt gibt es Theorien, wobei die Urknalltheorie wohl die bekannteste und nach weitläufiger Meinung die wahrscheinlichste Variante ist. Stephen Hawking beschrieb in seinem letzten Buch die M- Theorie und die Wahrscheinlichkeit der Existenz unterschiedlicher Universen. Laut dieser ominösen M- Theorie braucht es keinen Schöpfer, um die Entstehung von Allem zu erklären.

Jedenfalls gibt es nur wenig so geniale Köpfe wie Hawking, die einem das physikalische Konstrukt dahinter vollkommen nachvollziehbar erklären könnten. Ich komme trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zu dem Schluss: Wir wissen nicht, wie das Universum entstanden ist. Genau so wenig, wie das Leben an sich auf unserem Planenten begann.

Wir wissen von der Evolutionstheorie, die ab den ersten Einzellern zu wirken begann. Woher kommen diese Einzeller? Darauf gibt es Antworten, aber es ist wie bei der M- Theorie: Man kann es nachlesen, aber hundertprozentig verstehen wird man es als Laie wohl nie so wirklich.

Dies führt in Diskussionen religiösen Charakters zu einem interessanten Schluss: Durch die (momentane) Unmöglichkeit der vollständigen Erklärung dieser Phänomene wird für religiöse Menschen die eigene These eines wie auch immer gearteten metaphysischen Wesens gestärkt. Wieso muss man eigentlich anscheinend Experte auf den Gebieten der Physik, Chemie, Biologie, Soziologie usw. sein, um Argumente gegen den Glauben aufbieten zu können, fragt man sich da manchmal.

In Wirklichkeit verhält es sich überhaupt nicht so. Das Fehlen einer einzig wahren These über einen spezifischen Gegenstand stärkt keinesfalls abstruse und unlogische Thesen, die jener gegenüberstehen. Mit anderen Worten: Wir wissen es nicht, und daher muss es irgendeine Form von Gott gewesen sein! Scheint auf den ersten Blick sogar einleuchtend, aber ist grundlegend falsch.

Das scheinbar ziellose Walten von Zufall und Notwendigkeit, unterbrochen durch vereinzelte sprunghafte Mutationen, wird gemeinhin als Evolution bezeichnet. Diese ist, wie gesagt, nicht zielgerichtet und verfolgt keinen bestimmten Zweck. Sie ist halt einfach da (und wir mit ihr). Das widerstrebt unserem Denken: Ohne Ziel, erkennbaren Sinn und ohne für uns erkennbare Ursache.

Unser Gehirn ist ebenfalls ein Produkt der Evolution, und somit so angepasst, dass es uns und unserem Überleben dient. Und nicht darauf ausgerichtet, komplexe Sachverhalte wie die Entstehungsgeschichte von Allem herauszufinden. Unser Denken verläuft dem Ursache-Wirkungs-Prinzip entlang, welches aber gut erkennbar beispielsweise bei der Quantenphysik schon außer Kraft gesetzt ist. Ein Teilchen kann an zwei Stellen gleichzeitig sein? Das können wir zwar beobachten, aber nicht verstehen, weil es eigentlich für uns (und unser Gehirn) auch nicht von Belangen ist. Ganz einfach ausgedrückt: Unser Denkapparat ist für das Verständnis solcher Phänomene nicht gemacht. Diese Denkweise nennt sich übrigens evolutionäre Erkenntnistheorie.

Jedenfalls verneinen “Atheisten” einen Schöpfergott als Begründung. Sie haben aber gleichzeitig keinen Ersatz für diesen, zumindest keinen, der so einfach zu verstehen wäre. Man könnte sagen: Sie sind aus Unglauben heraus unwissend über die essentiellen Fragestellungen. ABER: Gläubige Menschen sind es auch, diese wollen es sich nur nicht eingestehen.

Gott in seiner personifizierten oder auch metaphysisch- nebulösen Form ist eine unelegante Hypothese, die letztlich keine Fragen beantwortet, sondern nur noch mehr aufwirft: Wer erschuf Gott? Was ist Gott? Wo kommt Gott her?

Die Gotteshypothese widerspricht dem Prinzip der wissenschaftlichen Sparsamkeit. Dieses besagt, man solle nicht mehr Faktoren einführen als notwendig. Schon gar nicht, wenn diese Faktoren selbst neuer Faktoren bedürfen, um erklärt werden zu können. Gott dient nicht als Erklärung, sondern bestenfalls zur weiteren Verwirrung.

Abgesehen davon wäre es aufgrund der uns bisher bekannten Komplexität des Universums als auch des Lebens auf unserem Planeten doch wirklich sehr dreist und naiv, alles auf ein metaphysisches Alphamännchen oder -weibchen zurückführen zu wollen. Dass wir es trotzdem tun, stammt vermutlich aus dem evolutionären Entstehungsprozess unseres Gehirns. Zur Erinnerung: Ursache und Wirkung, welche zwar für uns in unserer Lebenswelt gelten mögen, aber deswegen de facto nicht universell sein müssen. Daher muss es auch keinen Schöpfer geben.

Wie so häufig, lange Rede und kurzer Sinn: Gott erklärt nichts, da er als potenzielle Erklärung unbrauchbar ist. Unwissen ist vorhanden, aber das ist schließlich auch der Antrieb jeglicher Wissenschaft. Und wir nehmen uns zu Ernst, denn nur weil Sachverhalte in unserer beschränkten Weltsicht für uns gelten mögen, sind sie noch lange nicht das A und O aller Dinge. Wir sehen nicht die Realität, sondern nur ein virtuelles Abbild derjenigen. Mag für den Alltag völlig ausreichen, aber sollte bei grundsätzlichen Fragestellungen nach Sinn und Entstehung doch berücksichtigt werden.

Markus Arch

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