Sinn und Unsinn

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Der Sinn des Lebens ist und wird wohl immer eine Frage bleiben, die jeder Mensch letztendlich für sich selbst entscheiden muß. ( Obwohl manche jetzt mit “42” antworten würden…)

Religionen und/ oder Esoterik, welche sich ja schon lange nicht mehr gegenseitig ausschließen, können einem Individuum zweifelsohne  Halt und eine Antwort auf diese Frage geben. Zumindest auf den ersten Blick. Weitergedacht sieht die Sache etwas anders aus, wie ich meine.

In Gott und dem Bemühen, diesem zu gefallen, kann man sich selbstverständlich eine “Grundlage der eigenen Existenz” einrichten. Bei der Frage nach dem Sinn, die mit Gott sowei seinen Offenbarungen und Gesetzen beantwortet wird, werden aber wiederum Fragen aufgeworfen:

  • Wer erschuf Gott?
  • Wenn Gott schon immer da war, wieso sendete er uns seinen Sohn erst vor 2.000 Jahren, beziehungsweise erschuf uns als seine “Ebenbilder” erst vor etwa 200.000 Jahren?
  • Warum wählte er einen so unglaublich verwinkelten Weg zu unserer Erschaffung?
  • Was tat er eigentlich die 198.000 Jahre dazwischen, wenn er uns doch so sehr liebt?
  • Wieso spricht er eigentlich durch einen Propheten am Rande der damaligen zivilisierten Welt (den manchen als seinen Sohn bezeichnen), wenn seine Botschaft doch für alle Menschen gelten solle? Es hätte da sicher bessere Möglichkeiten der Nachrichtenübertragung gegeben.
  • Last but not least: Was hat er eigentlich gegen Homosexuelle, die er ja – so wie uns alle – selbst erschaffen hat. Sie wurden dann ja praktisch von ihm nur dazu gemacht, um in der Hölle zu schmorren? Das widerspräche doch der allgemeinen Auffassung, dass er ein “lieber Gott” ist? Und wieso schafft er Andersgläubige?

Diese Liste ließe sich sicher noch sehr lange fortführen. Wenn also jemand meint, in Gott den Sinn gefunden zu haben, dann ist das vergleichbar mit der vorzeitigen Beendigung einer Schnitzeljagd. Und dort hört man auch erst auf, nachdem man alle Rätsel gelöst hat und setzt sich nicht nach der Hälfte hin und sagt “So, hier gefällt es mir, hier bleib’ ich jetzt”.

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Natürlich muss nicht Gott selbst der Sinn sein, zumindest nicht in seiner alten, christlich- traditionellen Form. Viele Menschen sind heutzutage eher spirituell als streng religiös unterwegs und meinen beispielsweise, Gott ist eine Art metaphysische Macht, die nicht sehbar noch überhaupt vorstellbar ist.

Wenn diese Macht also nicht sehbar ist, greift sie nicht in unser Leben ein. Denn wenn sie es tun würde, wäre sie doch zweifelsohne sehbar, oder etwa nicht? Dies führt zu dem Schluss, dass wir tun und lassen können was wir wollen, diese Macht (Gott/ Karma/ etc.) mischt sich ohnehin nicht ein. Ergo kann auf ihr kein Sinn aufgebaut werden, da sie in unserem Leben nicht vorhanden ist.

Ein weiterer Glaube, der nicht unbedingt nur christlicher Natur sein muss, ist jener an ein Leben nach dem Tod. Dessen Existenz läuft aber allen seh- und messbaren Erkenntnissen zuwider. Ohnehin ist es doch etwas trostlos, sein Leben auf den Tod auszurichten und die einzige Zeit, von der wir wissen können dass wir sie auch tatsächlich haben (nämlich VOR dem Tod) damit zu verschwenden. Ist es nicht sinnvoller unsere Zeit im Diesseits so zu gestalten, als ob es kein Leben nach dem Tod gäbe? EInfach nur deshalb, weil dies extrem unwahrscheinlich ist.

Dies führt zum moralistischen Fehlschluss, den schon viele andere vor mir beschrieben haben. Im Grunde genommen ist es ganz einfach:

  • Ich habe etwas dagegen, dass Schwerverbrecher oder Leute die “Böses” tun nicht dafür bestraft werden.
  • Ich habe etwas dagegen, dass ich noch so ein guter Kerl sein kann, es mir nach Ablauf meiner Zeit aber nicht persönlich nützt, da ich dann ganz einfach tot bin.
  • Daher wünsche ich mir, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, in dem ich selbstverständlich ins Paradies komme, wo es mir ewig gut gehen wird.
  • Ergo glaube ich an ein Leben nach dem Tod.

Im Grunde ist es Wunschdenken. Da liegt auch das Problem: Eigenes Wunschdenken kann nicht als Richtlinie für andere herangezogen werden, ganz einfach weil es unfair ist. Das Gefühl für Fairness stammt übrigens aus unserem Evolutionsprozess, aber dies nur am Rande erwähnt.

Jedenfalls ist Wunschdenken oder die eigene Glaubensüberzeugung, welche im europäischem Raum immer stärker als Patchwork-Religion zu bezeichnen ist, absolut problemlos solgange sie Privatsache bleibt. Kirchen udgl. als offizielle Vertreter einer Gruppe von Menschen mit gleichem oder ähnlichem Wunschdenken sind nun, wie alle anderen Organisationen auch, auf die ein oder andere Art an Macht interessiert.

Dies führte und führt immer noch zu Absolutansprüchen auf die einzig wahre Wahrheit, das Recht auf Missionierung und – aus welchen Grunden auch immer – das Recht auf Einmischung in das Privatleben der Menschen sowie der Gesellschaft an sich. (Wieso sitzt in jeder Talk- Runde über ethische Themen immer jemand von der Kirche mit dabei? Man sehe sich einfach mal die Kirchengeschichte an…)

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer Sinn sucht, wird diesen kaum in der Religion oder in esoterischen Pseudoreligionen und Überzeugungen finden. Zumindest nicht, wenn er sich nicht mit uneleganten, faustgroben und unbefriedigenden Antworten auf komplexe und feinsinnige Fragestellungen zufrieden gibt.

Markus Arch

Eine Antwort zu Sinn und Unsinn

  1. Fantastischer Beitrag! Werde diesen soweit ich kann weiterverbreiten. :-) Atheistische Grüße aus Pitten (NÖ)

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