Evolutionären Humanismus verstehen und implementieren

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Was ist Evolutionärer Humanismus? Wo liegen seine historischen Wurzeln und wissenschaftlichen Quellen? Welche Ziele verfolgt er, welche Bedeutung ist ihm als „Leitkultur für Humanismus und Aufklärung“ mit seinen Eckpfeilern „Wissenschaft – Philosophie – Kunst“ beizumessen? Dies und noch mehr wurde am 21. September 2011 in Graz referiert und anschließend intensiv diskutiert.

Die Regionalgruppe Österreich im Förderkreis der Giordano Bruno Stiftung lud am 21. September 2011 zum Thema „Evolutionärer Humanismus“ nach Graz, Fördermitglied DI Dr. Gerfried Pongratz erläuterte in einem Grundsatzreferat das Wesen und die Ziele dieser humanistischen Leitkultur, die daran anschließende philosophische Diskussion fand erst in früher Morgenstunde des nächsten Tages ein konsensbestimmtes Ende.

In seinem Grundsatzreferat war es Gerfried Pongratz ein wichtiges Anliegen, das Ideensystem des Humanismus in seiner Bedeutung zu erläutern und die im Evolutionären Humanismus (der Begriff wurde vom ehemaligen Gründer und ersten Generaldirektor der UNESCO Julian Huxley [1887 – 1975] erstmalig definiert) vorliegende Verbindung/Verschränkung von Humanismus mit Erkenntnissen der Natur- und Geisteswissenschaften in all ihren Aspekten zu beleuchten und als säkulare, kritisch-rationale Weltschau zu verstehen.

Grundfragen der Philosophie und Menschheit (woher/wohin/wozu, Ethik/Moral, Gut/Böse, Willensfreiheit/Handlungsfreiheit usw.) spielen dabei eine genauso wichtige Rolle wie die Bedeutung von Religionen in all ihren – z.T. sehr negativen – Aspekten, wie die Beschreibung von Wissenschaft/Wissen/Weisheit versus Glaube, wie Aufklärung als notwendiger permanenter Prozess und unabdingbare Forderung für die Weiterentwicklung von Wissen, Kultur, Ethik, Menschlichkeit. Wissenschaftliche Methodik und Erkenntnisse, wie z.B. Forschungsergebnisse der evolutionären Erkenntnistheorie, bilden die Grundlagen der Zusammenschau von Humanismus und Wissenschaft im evolutionären Humanismus.

In einem offenen System – ohne absolute Wahrheit, absolute Moral, absolute Autorität – definiert sich ein evolutionärer Humanist als „Humanist“, der sich neben vielem anderen für die Implementierung universeller Menschenrechte einsetzt, weiters als ein Mensch, der sich als unbeabsichtigtes, zufälliges Produkt der Evolution versteht und als Individuum, dessen Menschen- und Weltbild unter Einbeziehung aller heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse ein auf dem Prinzip Eigennutz basierendes, humanistisches, sinnvolles, ausgefülltes Leben ermöglicht.

Evolutionärer Humanismus versteht den Menschen als ein unbeabsichtigtes, kosmologisch unbedeutendes, vorübergehendes Randphänomen eines nicht sinnerkennbaren Universums; der Sinn des Lebens muss von jedem Mensch im Leben selbst gefunden, d.h., „sinnlich erfahren“ werden: in individueller Sinnerfüllung und Selbsttranszendenz. Leben ist, wie Gerfried Pongratz darlegte, ein auf dem Prinzip Eigennutz basierender Prozess der Selbstorganisation: “Tit for tat“ (behandle andere, wie du selbst behandelt werden willst – kooperativ, empathisch) bildet dabei die Grundlage allen Handelns.

Als grundlegende Ziele des Evolutionären Humanismus nannte Pongratz u.a. die Verbesserung menschlicher Lebensverhältnisse, die Ermöglichung, informiert Entscheidungen – frei von Schuldgefühlen und „außernatürlichen“ Ängsten – über das eigene Leben zu treffen, die Vermittlung von Orientierung im Dasein, was besonders in Zeiten gravierender Umbrüche, wie wir sie derzeit erleben, große Bedeutung besitzt.

In der anschließend auf hohem Niveau geführten Diskussion wurden vor allem Fragen der Religionsbedeutung, der Ethik, Soziobiologie und Wissenschaftlichkeit allgemein sowie die Möglichkeiten, wesentliche Ziele des evolutionären Humanismus möglichst bald zu implementieren, aufgezeigt, bzw. bewertet.

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