Parasiten und Religionen / Religiosität und Glaube

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Das MEM, der Glaube und die Religiosität
Das MEM ist Thema der Memtheorie. Es bezeichnet den einzelnen Bewusstseinsinhalt, zum Beispiel einen Gedanken. „Es wird durch Kommunikation weitergegeben und vervielfältigt.“ [1] So wird es zwar nicht biologisch, wie die Gene, aber auf eine ähnliche Weise, und zwar „soziokulturell“, [2] weitergegeben und vererbt. [3] Damit unterliegen sie, wie ich anhand des Volksliedes dargelegt habe, der Evolution. [4]Die Religion
Religion ist ein facettenreiches Phänomen, welches sich in seiner Gesamtheit auf alle Lebensbereiche menschlichen Denkens und Handelns erstrecken kann.“ [5] Sie ist ein loser Verbund von einer Vielzahl von sehr unterschiedlichen Phänomenen und hat unterschiedliche Entstehungsbedingungen und Folgerungen. Wenn man nach Gemeinsamkeiten aller Religionen sucht, wird man erkennen, dass es Religionen gibt, denen einige typische Merkmale fehlen. Weil sie der Verbund einer Vielzahl von Phänomenen sind, kann man sie nicht so exakt beschreiben wie chemische Elemente oder den Stammbaum von Lebewesen. Will man beschreiben, was Religionen sind, muss man sich mit den Elementen befassen, aus denen die Religionen bestehen. Das sind etwa die Spiritualität, das Engagement für weltliche Organisationen, die fanatische Hingabe an ethnische Gruppen (oder Sportvereine), der Aberglaube usw. [6]

Vorläufige Definition von Religion
Als Ausgangspunkt für die weiteren Überlegungen kann man mit folgender Definition von Religionen beginnen: „Religionen sind als soziale Systeme zu definieren, deren Mitglieder sich zum Glauben an einen oder mehrere übernatürlichen Akteure bekennen, um deren Anerkennung man sich bemühen muss.“ [7] Diese Definition ist nur eine Vorläufige, die durch weitere Vertiefungen verändert werden kann. Aus ihr ist jedoch ersichtlich, dass ein übernatürlicher Akteur Wesensbestandteil jeder Religion ist. Ohne Vergöttlichung gibt es keine Religion. Ein Held ist ein menschliches Wesen, das verehrt und geachtet wird. Wird er aber vergöttlicht, wird er Akteur einer Religion. [8]

Der übernatürliche Akteur
Ein übernatürlicher Akteur kann, muss aber nicht menschenähnlich sein. Jahwe des Alten Testaments ist eine Art göttlicher Mann, der mit den Menschen spricht. Moderne Gläubige meinen, dass Gott Sinnesorgane nicht nötig hat. Er ist ewig und allwissend, deswegen kennt er keine Echtzeit. Trotzdem erhört er unsere Gebete. Das passt nicht richtig zusammen. Man glaubt aber, dass es vermessen wäre, Gott mit menschlichen Verstand verstehen zu wollen.[9]

Das Gebet
Manche meinen, dass das Gebet eine symbolische Handlung sei, durch die wir mit uns selbst in “bildlicher Weise” über Dinge sprechen, die einem zutiefst bewegen.  Es ähnelt einem Tagebucheintrag. Der sogenannte Gott ist dann kein übernatürlicher Akteur. Andere beten zu Gott, der das nicht hört, was sie sagen. Ihr Gott ist somit ein übernatürlicher Akteur. Der Glaube an Gott hat eben viele Varianten, bei denen nur das ein Glaube an Gott ist, was Gott als übernatürlichen Akteur anerkennt. Übertragene Bedeutungen, die an keinen übernatürlichen Akteur glauben, sollten nicht als Gott bezeichnet werden. [10]

Hinweis:
Diese Klarstellungen sind deswegen wichtig, weil Dennett über das parasitäre Verhalten von Religionen spricht. Es ist ein Unterschied, ob eine Religion sich auf einen außernatürlichen Akteur beruft oder ob sich jemand den Inhalt seiner Religion selbst erarbeitet hat. Nur, weil die philosophische Wissenschaft klare Definitionen braucht, kann man aber nicht die vielen Formen der von Menschen tatsächlich gelebten Religionen aus dem Sprachgebrauch verbannen. Man kann ja keinem das Recht absprechen, sich aufgrund seiner persönlichen Religion als religiös zu bezeichnen.

Auch Dawkins nennt Gott, Götter usw. nur, wenn sie übernatürliche Akteure sind. [11] Er knüpft dabei an die einsteinsche Religiosität an. Einstein nennt sich einen tiefreligiösen Menschen, glaubt aber nicht an einen übernatürlichen Gott. [12]. Das schaffte Verwirrung, weil die Theologen ihn deswegen als gläubig im Sinne ihrer Lehren vereinnahmen wollten. [3] Das liegt wohl nicht daran, dass man Einstein das Recht absprechen kann, sich als religiös zu bezeichnen. Es liegt m. E. daran, dass Theologen gerne mit Wortspielen, aber weniger mit Inhalten agieren. Der Ausdruck religiös kann doch nicht für die Denkweise der Theologen monopolisiert sein.

Religiös und gläubig
Gerade der Hinweis Dawkins auf Einstein macht klar, dass religiös und gläubig keine synonymen Begriffe sind. Es kann jemand religiös sein, ohne an einen übernatürlichen Akteur zu glauben. Ein Mitglied einer anerkannten Religionsgemeinschaft, kann an ihren Ritualen teilnehmen, ohne an ihrem Zauber zu glauben.

Anmerkungen
[1] Dieser Beitrag behandelt den Begriff MEM als Gedankeneinheit Wikipedia, Mem, https://de.wikipedia.org/wiki/Mem
[2] „Die Gesellschaft und ihre Kultur betreffend; gesellschaftlich-kulturell.“ (Duden, soziokulturell)
[3] Das Mem (Neutrum; Plural: Meme) ist Gegenstand der Memtheorie und bezeichnet einen einzelnen Bewusstseinsinhalt, zum Beispiel einen Gedanken. Es kann durch Kommunikation weitergegeben und damit vervielfältigt werden und wird so soziokulturell auf ähnliche Weise vererbbar, wie Gene auf biologischem Wege vererbbar sind. Dadurch unterliegen Meme einer soziokulturellen Evolution, die weitgehend mit denselben Theorien beschrieben werden kann. (Wikipedia, Mem, https://de.wikipedia.org/wiki/Mem )
[4] https://laizisteninderseestadt.blogspot.com/search/label/Reihe%201
[5] Killan Andreas, Die Logik der Nicht-Logik, Alibi 2010, S 22
[6] Vgl. dazu Daniel C. Denett, den Bann brechen, Religion als natürliches Phänomen, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2189, 1. Aufl. 2016 aus dem Amerikanischen übersetzt von Frank Born, im Folgenden kurz Dennett genannt, S 22.
[7] Dennett, S 24
[8] Dennett S 24f
[9] Dennett S 25
[10] ebenda
[11] Dawkins, Richard; der Gotteswahn, aus dem Englischen übersetzt Sebastian Vogel; Ullstein 13. Auflage 2014, S 34
[12] Ebenda, S 24-34

Erstveröffentlicht in Laizisten in der Seestadthttps://laizisteninderseestadt.blogspot.com/2019/10/parasiten-und-religionen-religiositat.html

 

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