Ethisch unvereinbar

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In meinem Buch „Sehnsucht, Hoffnung und Liebe, Wien 2015, schrieb ich auf Seite 177:

„Als Theologe war ich weltfremd erzogen worden. In gewisser Hinsicht gehört die Abkehr vom Irdischen zum Wesen eines Geistlichen. Doch als Seelsorger sollte ich in der Welt wirken. Dass ich ein feiner Kerl und bestrebt war, ein heiligmäßiger Priester zu sein, war schön. Es verhalf mir aber keineswegs dazu, auch als Kaplan und Katechet erfolgreich zu sein. Es ist müßig, darüber nachzudenken, warum mir das nicht so richtig gelang. Vielleicht war es meine Veranlagung, meine Lebensgeschichte, die einseitige Seminarerziehung oder alles miteinander? Das größte Handicap war jedoch, dass ich in Wahrheit kein Gläubiger im Sinne der Kirche war, sondern ein Suchender und Zweifler. Den Glauben habe ich mir nur selbst vorgetäuscht, weil ich Christ und Priester sein wollte. So fehlte mir die innere Ausstrahlung bei der Verkündigung der kirchlichen Lehre und der Betreuung der Gläubigen.“ (Fett und unterstrichen hier.) 

Wer meine Lebensgeschichte kennt, wird wissen, in welchen Zwiespälten ich mich befand, bis es bei mir Klick machte und ich erkannte, dass es keine zwei getrennte Welten geben kann. Damit wurde ich automatisch zum Atheisten. Als solcher zog ich mich von allen kirchlichen Ämtern zurück. Ich kann es einfach nicht glauben, dass es Menschen gibt, die an Gott glauben, einen Kurs absolvieren und dadurch geeignet werden, Kindern, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben, ein wissenschaftlich fundiertes Weltbild zu vermitteln. In welche Konflikte muss sich doch ein Mohammedaner oder ein überzeugter Christ befinden, wenn er bereit sein muss, mit den Kindern über Alla bzw. Gott, die Schöpfung und die Formen einer religionsfreien Ethik zu sprechen! Jeder Mensch mit einer Überzeugung kann nur von dieser ausgehen.

Wenn ich an die pseudowissenschaftlichen Ausführungen katholischer Gelehrten denke, frage ich mich, welche ethischen Inhalte ein katholischer Theologe vermitteln kann, ohne, zumindest versteckt, auf sein wahres Weltbild zurückzugreifen. Wer kein naturwissenschaftlich  fundiertes Weltbild sein Eigen nennt, kann auch kein Solches vermitteln. Haben jetzt österreichische Schulkinder das Recht, ihre Weltanschauung zu wählen und auch in dieser unterrichtet zu werden? Niemand darf katholischen Religionsunterricht erteilen, der nicht von der Kirche die sogenannte Missio Canonica erhalten hat. Und wenn er „vom Glauben abfällt“ kann die Kirche sie ihm sofort entziehen. Wer aber Kindern, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben, Ethik unterrichtet, braucht nur einen Kurs besucht zu haben. Seine wahrhafte Gesinnung spielt dann keine Rolle mehr?

Das bisher Gesagte reicht nicht. Man braucht sich nur die vielen wissenschaftlich fundierte Medien anzusehen, um den Kontrast zu erkennen, der zwischen dem religiösen und dem wissenschaftlichen Weltbild besteht. Freilich gibt es auch viele religiös orientierte Medienberichte. Sind sie jedoch ebenso glaubwürdig? Die Autoren beider Arten von Medien sind aber immer verschieden. Sie bringen nur ihre Überzeugung. Soll der Ethikunterricht nicht ebenso ausgerichtet sein? Es kann doch nicht in einer Schule ein  religiös orientierte Lehrkraft und in der anderen eine naturwissenschaftlich oder agnostisch Ausgerichtete tätig sein! Und was ist mit dem Ethikunterricht in von Religionsgesellschaften betriebenen Schulen?

Das Volksbegehren „Ethik für Alle“ geht über das Gesagte hinaus. Eine nur religiös ausgerichtete Ethik geht an der Realität des wissenschaftlichen Zeitalters vorbei. Darum müssen  auch religiös aufgewachsene Kinder von den Prinzipien einer modernen Ethik Kenntnis haben. „Religiös motivierte Moral (Ethik) wurzelt in einem nicht beweisbaren Glauben. Deshalb kommt sie notgedrungen zu anderen Wertungen als eine Moral (Ethik), deren Basis ausschließlich die menschliche Vernunft ist. Dennoch initiieren sie beide menschliche Haltungen (Verhaltensweisen), die jedenfalls teilweise mit einander verglichen werden können.“

Kath Erich in Wikipedia Philosophie für Durchschnittsmenschen/ Beurteilung der Moral von religiösen Menschen, wo auch ein Beispiel für die moderne Ethik gebracht wird. Siehe:

Die Entwicklung des moralischen Verhaltens nach Lawrence Kohlberg

 

 

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