Bemerkungen zum Islam

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Das Gespräch

Ich fuhr in einem Taxi. Es war eine lange Strecke, der Fahrer ein engagierter Moslem. Bald brach er ein Gespräch vom Zaun. Anfänglich versuchte ich, mit ihm zu diskutieren. Das war sinnlos.  Ich ließ ihn einfach reden. Beim Zuhören bekam ich den Eindruck, dass er keine Ahnung vom Wesen der Evolution hatte, obwohl er ständig über sie und Darwin herzog. Unter Evolution verstand er offenkundig die Entwicklung von fertigen Lebewesen. Selbstverständlich können sich die Gene existierender Lebewesen nicht durch Anpassung an die Umwelt verändern. Diese sind ja bereits im Augenblick der Verschmelzung der elterlichen Zellen unwiderruflich bestimmt. Für ihn galt aber offenbar auch die Art, die aus einzelnen unveränderlichen Individuen bestand, für unveränderlich. In diesem Moment meinte ich, die Logik der Kreationisten zu verstehen. Ein Affe wird immer ein Affe bleiben, weil er von Gott als Affe geschaffen wurde. Darum können sich die Menschen nicht vom Affen entwickelt haben. So, wie Gott den Affen erschuf, musste er auch den Menschen konstruiert und erschaffen haben. Daheim angekommen, surfte ich im Internet und fand den Artikel

BIOLOGICHE EVOLUTION – EINE ISLAMISCHE PERSPEKTIVE https://www.islamreligion.com/de/articles/657/biologische-evolution-eine-islamische-perspektive/

Was der Artikel nicht sein will

Der Artikel will keine Diskussion über die wissenschaftliche Bedeutung der „Evolutionstheorie“ und ihrer Richtigkeit sein. Er will lediglich das Thema der Evolution aus der Sicht der islamischen Lehren behandeln. Die zugrundeliegende Fragestellung ist also: „Was sagen die islamischen Lehren zu den Vorstellungen der Evolution?“ [1]

Fundamentale Glaubensinhalte des Islams

Ausgehend von den Quellen des Islams [2] ist festzuhalten, dass der erste Mann und die erste Frau direkt von Gott erschaffen wurden und keine Vorfahren hatten. Alle anderen Menschen stammen von diesen ersten Menschen ab. Desgleichen ist er Schöpfer und Erhalter aller Dinge. [3]

Ein einzigartiges und einziges historisches Ereignis

Die direkte Erschaffung Adams war ein „einzigartiges und einziges historisches Ereignis.“ Es gehört zu den verborgenen Dingen und unterliegt nicht der Beurteilung der Wissenschaften. Gleiches gilt auch für andere im Koran erwähnten Wunder. [4]

Wertneutrale Themen

Wir können Gott nicht vorschreiben, wie er vorzugehen hat. Er macht das, was und wie er es will. [5] Darum sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse, soweit sie nicht bindende Lehren betreffen, für den Islam wertneutral. Sie können von ihm weder belegt noch widerlegt werden. [6]

„Die Rolle der Wissenschaft ist, die Muster, die Gott in Seiner Schöpfung eingesetzt hat, nur zu beobachten und zu beschreiben.  Wenn die wissenschaftliche Beobachtung das Muster der Evolution einer Spezies über einen Zeitraum zeigt, was als natürliche Auslese bezeichnet werden kann, so ist dies selbst nicht Unglaube.  Es ist nur Unglaube, wenn jemand denkt, dass Evolution von alleine stattgefunden habe und nicht im Rahmen der Schöpfung Gottes.  Ein Muslim, der Evolution oder natürliche Auslese als gültige wissenschaftliche Theorie akzeptiert, muss wissen, dass diese Theorie lediglich eine Erklärung für eines der vielen Muster in der Schöpfung Gottes ist.“  [7]

Anmerkung zum Thema Evolution

In der Einleitung des Artikels wird dem Leser eine Kurzbeschreibung der Evolution vermittelt. Sie „ist die Vorstellung, dass die Individuuen (sic) innerhalb von Populationen als lebende Organismen Unterschiede in ihren individuellen Zügen besitzen –sie sind nicht genau gleich – und dass die Organismen, die die erfolgreichsten dabei sind, Nachkommen zu hinterlassen, ihre  einzigartigen Züge der nächsten Generation auf Kosten der Züge nicht so erfolgreicher Organismen der Population weitervererben, wobei sie auf Dauer eine Veränderung der Züge, die in der Population zu finden sind, herbeiführen.“

Trotz aller Mühe konnte ich diese Darstellung nicht verstehen. Sie wirkt auf mich verworren. Es geht ja nicht darum, dass unterschiedliche Organismen ihre einzigartigen Züge den Nachkommen hinterlassen (also vererben?). Es geht darum, dass bei der Vermehrung Mutationen entstehen, die für das Fortbestehen besser geeignet sind, als die anderen bei der eigenen Vermehrung und bei der Vermehrung  anderer entstandenen Kopien. Evolution besteht ja in Mutation und Selektion.

Vielleicht liegt des Rätsels Lösung darin, dass als Evolution nur die Konkurrenz zwischen den auf göttlichen Ursprung zurückgehenden Individuen verstanden wird. Das würde vielleicht dem entsprechen, was mir der Taxifahrer geschildert hat.

Ich gestehe, dass ich aus den hier genannten  Darstellungen nicht klug geworden bin. Der hier als Evolution bezeichnete und der von der Wissenschaft als Evolution bezeichnete  Vorgang sind jedenfalls inhaltlich verschieden.

[1] Einleitende Worte des Artikels

[2] Qur´an und die Sunna

[3]O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget.  Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist.” (Quran 49:13);

“Die Menschen sind die Kinder Adams und Adam wurde aus Erde erschaffen.  Gott sagt: „O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget.  Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist.” (Al-Tirmidhî);

Wahrlich, Jesus ist vor Allah gleich Adam; Er erschuf ihn aus Erde, als dann sprach Er zu ihm: “Sei!” und da war er.” (Quran 3:59];

 “O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch erschaffen hat aus einem einzigen Wesen; und aus ihm erschuf Er seine Gattin, und aus den beiden ließ Er viele Männer und Frauen entstehen.  Und fürchtet Gott, in Dessen Namen ihr einander bittet, sowie (im Namen eurer) Blutsverwandtschaft.  Wahrlich, Gott wacht über euch.“  (Quran 4:1);

„Gott ist der Schöpfer aller Dinge, und Er ist dr Erhalter aller Dinge.” (Quran 39:62);

“Und Wir machten aus dem Wasser alles Lebendige.” (Quran 21:30).

[4] „Die direkte Erschaffung Adams (Friede sei mit ihm) kann von der Wissenschaft in keiner Weise bestätigt oder geleugnet werden.  Und zwar weil die Erschaffung Adams (Friede sei mit ihm) ein einzigartiges und einziges historisches Ereignis war.  Es gehört zu den Dingen des Verborgenen und es ist etwas, dessen Bestätigung oder Verleugnung nicht in der Macht der Wissenschaft liegt.  Als Angelegenheit des Verborgenen glauben wir daran, weil Gott uns darüber aufgeklärt hat.  Dasselbe sagen wir über andere Wunder, die im Qur´an erwähnt werden.  Wunderbare Ereignisse gehorchen aus ihrer Natur heraus keinen wissenschaftlichen Gesetzen und ihr Auftreten kann von der Wissenschaft weder bestätigt noch geleugnet werden.“ 

[5] „Gott ist der Schöpfer aller Dinge, und Er ist dr Erhalter aller Dinge.” (Quran 39:62);

“Und Wir machten aus dem Wasser alles Lebendige.” (Quran 21:30).

[6] „Wir wissen, dass “Gott macht, was Er will”.  Er kann Seine Geschöpfe so gestalten, wie es Ihm gefällt.“

[7] Vorletzter Absatz des Artikels

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