Geworden, und nicht geschaffen

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Author: Dr. Emmerich Lakatha

Der nachfolgende Beitrag versteht sich nicht als eine umfassende Behandlung des Themas. Er will nur in einer für Laien verständlichen Weise darlegen, dass die Vielfalt des Lebens keines Planers und Schöpfers bedarf. i

Will jemand ein Malermeister werden, hat er einen langen Weg vor sich. In Österreich muss er nach Abschluss der Grundschule eine Lehre absolvieren. In ihr muss er sich in der Berufsschule das theoretische Fachwissen und in einem Malerbetrieb die praktischen Fähigkeiten aneignen. Schließlich muss er sein Wissen und Können durch eine Befähigungsprüfung nachweisen. Damit wird er Geselle. Anschließend muss er die Meisterprüfung ablegen. Auch für sie gelten einschlägige Bestimmungen. Genauso fällt ihm das Selbstständigwerden nicht in den Schoß. So steht das Werden an erster Stelle aller Formen des irdischen Lebens.

Es gibt keinen Winkel der Erde ohne Lebewesen. Ihre Vielfalt ist schier unendlich, ihr jeweiliger Aufbau kompliziert. Lange herrschte die Überzeugung vor, dass Gott all diese Lebewesen geplant und erschaffen hat. Heute wissen wir, dass alles Leben auf Erden von einer einzigen Urzelle abstammt. ii

Zwischen der Entstehung des Lebens und heute liegen etwa 3,77 Milliarden Jahre. iii Zwischen meiner Geburt und Heute 86. Wie hat sich während meiner Lebenszeit die Welt verändert! Doch was sind 86 Jahre Entwicklung im Vergleich zu 3,77 Milliarden? Dass nach einer so langen Bauzeit die Fülle des heutigen Lebens entstehen konnte, ist nicht verwunderlich. Man muss nur wissen, wie Evolution funktioniert.

Seit Urgedenken züchtet die Menschheit Tiere und Pflanzen. Was ist denn der Unterschied zwischen einem Stier und einem Ochsen? Von einer Rinderherde werden nur die Stiere zur Fortpflanzung zugelassen, deren Eigenschaften dem angestrebten Zuchtergebnis entsprechen. Alle übrigen Jungstiere und alle anderen, die für die Zucht nicht gebraucht werden, werden kastriert. Ihr Stamm endet. In der Sprache der Evolution würde man sagen: Sie wurden durch Menschenhand selektiert.

Vergleichbares geschieht in der Natur. „Zuchtziel“ ist das Garantieren und Verbessern der Überlebensfähigkeit. Tiere, die nichts zu fressen haben, gehen zugrunde. Wenn in einem Lebensbereich nicht genügend Nahrung für alle vorhanden ist, behaupten sich nur die Besten, die anderen werden verjagt oder sterben. Dadurch können in diesem Umfeld nur die besten Nachkommen haben. Weil auch diese sich vermehren, beginnt das Spiel von Neuem: Nur die Besten von ihnen können sich behaupten, die anderen werden verjagt oder sterben.

Die Verjagten müssen einen neuen Lebensraum finden, sonst gehen auch sie zugrunde. Auf der Suche nach einem Solchen, müssen sie Revierkämpfe bestehen oder einen noch freien Lebensraum finden. Gelingt ihnen das nicht, scheiden sie und ihre Nachkommen aus der Kette des Lebens aus. Anders gesagt: Sie werden selektiert.

Gleiches gilt für ihre Nachkommen, aber nicht für alle. Es gibt Mutationen, welche die Erbmasse verändern. iv

Anhand der Geschichte des Eisbären können wir das Phänomen der Anpassung verstehen lernen. Sein Urahn war der Braunbär. Er lebte vor 600.000 Jahren. v Vielen seiner Nachkommen erschloss sich durch Mutationen ein neuer Lebensraum. So entstand in der „Familie Bären“ die neue Art „Eisbären“. vi

Im Laufe der Zeit änderte sich der Lebensraum der Eisbären. Bald gab es Eiszeiten, bald Hitzeperioden. Es gab Zeiten, zu denen sich Eisbär und Braunbär den Lebensraum teilten und sich auch untereinander kreuzten. vii Dadurch vermischten sich bei deren Nachkommen die Gene von Eisbär und Braunbär. Die jeweiligen Nachkommen dieses gemischten Bestbestands mussten sich schließlich ständig an neue Lebensbedingungen anpassen. Und wie geschah das? Unter den Nachkommen der jeweils lebenden Eisbären befanden sich Mutationen, die mit den veränderten Lebensbedingungen umgehen konnten. Die anderen starben aus.

Wenn wir versuchen, diese Entwicklung gedanklich nachzuvollziehen, werden wir nicht nur verstehen, wie Evolution funktioniert. Wir werden auch erkennen, dass die Vielfalt der heutigen Lebewesen keiner Planung und Schöpfung eines denkenden Wesens bedarf. Sie ist ja nur das Ergebnis des 3,77 Milliarden Jahren Zusammenspiels von Mutation und Selektion.

i Auf weiterführende Beiträge wie z. B. den Wikipedia Artikel Evolution, https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution wird hingewiesen.

ii Wikipedia, Urvorfahr, https://de.wikipedia.org/wiki/Urvorfahr (Abgefragt 5,2,2019)

iii Vgl. Wikipedia, Philosophie für Durchschnittsmenschen, Abschnitt „Seit wann gibt es Leben?“

iv Vergl. Wikipedia Artikel Mutation https://de.wikipedia.org/wiki/Mutation (Abgefragt 5.2.2019)

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