Katholische Frauenbewegung – Ein Widerspruch in sich

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Die Katholische Frauenbewegung (kfb) ist mit 170.000 Mitgliedern die größte Frauenorganisation Österreichs. Als solche tritt sie, nach eigenen Angaben, für Gleichberechtigung, die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben und – nicht zuletzt – die Rechte der Frauen ein. Der Namenszusatz „Katholisch“ irritiert jedoch, denn Katholizismus hat mit diesen Themen nichts zu tun.

Wer ist die kfb?

Die kfb ist Teil der Katholischen Aktion – der Laienorganisation der Katholischen Kirche in Österreich. Auf der Homepage der kfb steht zu lesen:

„Die kfb ist eine Gemeinschaft in der Kirche. Sie nimmt teil an der Sendung der Kirche und an deren Heilsauftrag. Sie ist Kirche. […] In der kfb geschieht, was der gesamten Kirche aufgetragen ist: Verkündigung, Liturgie, Diakonie und Communio.“

Außerdem sieht sich die Bewegung dem Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe Österreichs, insbesondere dessen interner Nr. 123, verpflichtet:

„ […] die Kirche muß die Würde und die Rechte der Menschen verteidigen; sie muß Situationen aufzeigen, in denen die Menschenwürde verletzt wird; sie muß selbst dazu beitragen, daß die Würde und Rechte des Menschen in Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft verwirklicht werden.“

Die kfb organisiert sich dabei so wie die Katholische Kirche selbst. Es gibt Gremien auf mehreren Ebenen, zum Beispiel auf Pfarr- oder Diözesanebene. In diesen Gremien sitzen hauptsächlich ehrenamtlich Mitwirkende. Derzeit wird die Organisation von einem ebenfalls ehrenamtlichen Leitungsteam geführt, bestehend aus einer Vorsitzenden, zwei stellv. Vorsitzenden, einem geistlichen Assistenten und einer spirituellen Beraterin.

Was macht die kfb?

Bekannte Tätigkeiten der kfb sind die zweijährige Vergabe des Herta Pammer Preises für feministisch-entwicklungspolitische Arbeiten, die Herausgabe des Magazins Welt der Frauen sowie unterschiedliche, soziale Hilfsprojekte. Zusätzlich engagiert sich die Organisation natürlich bei religiösen Themen. Zum Beispiel veranstaltet sie, zusammen mit anderen Bewegungen aus christlichen Kirchen und Gemeinschaften, alljährlich den Weltgebetstag der Frauen

Wie passen Frauenbewegung und Katholizismus zusammen?

Ihren Gründungsidee nach steht bei der Katholischen Frauenbewegung die Verbreitung des Katholizismus stark im Vordergrund. Der emanzipatorische Gedanke des Feminismus hingegen weniger. Das zeigt sich in vielen Bereichen, wie im Folgenden anhand von zwei Beispielen gezeigt wird.

Im August 2016 hat Papst Franziskus eine Theologen-Kommission beauftragt, zum Thema Frauen-Diakonat zu recherchieren. Der abschließende Bericht der Kommission liegt dem Papst bereits vor. Was damit passiert ist noch unklar. In einem Statement ist allerdings zu lesen: Es sei nicht Aufgabe der Kommission gewesen zu prüfen, „ob die Öffnung des Diakonats für Frauen heute positiv oder negativ“ wäre. Man habe vielmehr „diese Realität in den ersten Jahrhunderten der Kirche“ studieren wollen.

Die Tatsache, dass eine Experten-Kommission zu solch einem Thema jahrelang recherchieren muss, um danach im einem Statement sofort mögliche Auswirkungen auf das Heute zu relativeren, ist an sich schon bezeichnend für die vatikanische Denkweise. Kern der Untersuchung war jedenfalls das diakonische Amt; in der katholischen Hierarchie eine Art Vorstufe zur Priesterschaft, die auch verheiratete Personen ausüben dürfen. Zur Frage der Priesterschaft für Frauen gibt es derzeit in der Katholischen Kirche entweder ein klares “Nein” oder Statements, die alles andere als konkret sind. Kurz: es gibt im heutigen, katholischen Denken keine Gleichberechtigung von Frau und Mann und wird es in absehbarer Zeit vermutlich auch nicht geben.

Da mutet es seltsam an, dass sich eine Organisation innerhalb der Katholischen Kirche als Frauenbewegung bezeichnet. Frauenbewegungen sind unter anderem dafür bekannt gegen das zu kämpfen, wofür die Katholische Kirche steht – Patriarchale Strukturen.

Neben der Gleichberechtigung ist die Selbstbestimmung ein feministisches Anliegen. Dazu gehört auch das Recht, das Leben so zu führen, wie es einem selbst angemessen scheint und wie es einen selbst glücklich macht.

Papst Franziskus‘ vielbeachtetes Schreiben „Amoris Laetitia“ von 2016 negierte das Konzept der Selbstbestimmung auf medial viel beachtete Weise. Demnach gilt immer noch die „katholische Naturrechtslehre“: Die Ehe zwischen Mann und Frau ist in der Natur des Menschen verwurzelt. Zudem sei die „Weitergabe des Lebens“ ein entscheidender Aspekt der Ehe – sagt Kardinal Christoph Schönborn, Österreichs ranghöchster Kleriker.

An der Realität geht das alles freilich vorbei. Im europäischen Durchschnitt wurden 2015 etwa 42% aller Kinder ohne vorangegangene Eheschließung ihrer Eltern geboren. Einer Umfrage nach sind circa sechs Prozent der österreichischen Bevölkerung homosexuell, bisexuell oder transsexuell. Sind all die nicht-verheirateten Eltern und sexuellen Minderheiten „naturrechtlich“ zu belangen, oder was will uns der Klerus sagen?

Erwähnenswert ist an dieser Stelle außerdem der Widerstand gegen das Recht auf Abtreibung, so verglich der Papst Abtreibung mit der Bestellung eines Auftragsmörders.

Wie sind diese Aussagen nun mit dem feministischen Kernthema der Selbstbestimmung vereinbar? Im Grunde gar nicht. Das wiederum führt zu der Frage, wie eine Frauenbewegung, die es mit der Selbstbestimmung ernst meint, katholisch sein kann. Wiederum: Im Grunde gar nicht. Es sei denn, sie schränkt das Thema Selbstbestimmung auf den katholischen Blickwinkel ein. Nur: Dann kann von Selbstbestimmung redlicherweise nicht mehr dir Rede sein.

Die patriarchalen und unzeitgemäßen Strukturen der Katholischen Kirche werden sich durch Mitwirkung in Organisationen eben jener Kirche jedenfalls nicht beseitigen lassen. Der Widerspruch zwischen Feminismus einerseits und Katholizismus andererseits ist zu groß. In konservativeren Zeiten, in denen Frauen nicht wählen und kein Leben abseits der Ehe führen konnten, mögen Katholische und andere, religiöse Frauenbewegungen emanzipatorisch wichtig gewesen sein. Sozusagen als Vorstufe tatsächlich emanzipatorischer Bewegungen. Historisch ist der Zusammenschluss zwischen Religion und Frauenbewegungen also bestimmt erklärbar. Aus heutiger, rationaler Sicht wirkt er kurios.

Wie Olivera Stajic in einem Pro/Kontra-Artikel zum Thema „Katholisch und feministisch – geht das?“ vor einigen Jahren schrieb:

„Ihre konstruktive Kritik, mit der sie die Kirche von innen verändern wollen, stößt immer wieder an Grenzen und erschöpft sich schlussendlich im Pochen auf ‚Mitgestaltung‘. Auch in der Welt außerhalb der Kirchenstruktur hat der katholische Feminismus für (junge) Frauen von heute wenig zu bieten: Das emanzipatorische Potential der christlichen Lehre ist längst erschöpft.“

Soziale Leistungen schmälert das nicht

Am Ende dieses Artikels ist festzuhalten, dass die Leistungen und Tätigkeiten des kfb im sozialen Bereich nicht marginalisiert werden sollen. Ob aus katholischer oder aus anderer Richtung, soziales Engagement ist wichtig.

Eine Antwort zu Katholische Frauenbewegung – Ein Widerspruch in sich

  1. Dr. Emmerich Lakatha says:

    Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist die Seelsorge. Dazu gehören insbesondere die Verbreitung der katholische Lehre und Moral sowie das Eintreten für das christliche Menschenbild. Daraus leitet sich auch das christliche Frauenbild ab. Wenn auch Raunzen toleriert wird und vielleicht auch punktuelle Teilerfolge bringt, bleibt es immer noch Glaubensverkündigung. Zugegeben, es hat sich viel geändert. Zugegeben, die Kirchendisziplin wurde vielfach gelockert. Vielleicht gibt es sogar einmal Priesterinnen. Das Weltbild bleibt immer noch christlich. Das wird sich wohl nie ändern.

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