Gottes Werk und unser Beitrag: Kirchenfinanzierung in Österreich

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Gottes Werk und unser BeitragWIEN. (hpd) Wie viel zahlt die Republik Österreich den Religionsgemeinschaften? Dieser Frage sind hpd-Chefredakteur Carsten Frerk und hpd-Korrespondent Christoph Baumgarten in einem neuen Buch nachgegangen. Heinz Oberhummer hat es gelesen.

Dieses Buch war überfällig. Seit Jahre quälen sich nicht nur Religionskritiker mit der Frage herum: Wie viel Steuergeld steckt in der Kirche? Das tun auch immer mehr Religiöse, die ihren Religionsgemeinschaften kritisch gegenüberstehen. Und manche Fundamentalisten, die in einer finanziellen Verstrickung die Unabhängigkeit ihrer Religionsgemeinschaft gefährdet sehen.

„Gottes Werk und unser Beitrag“ beantwortet diese Frage. Und zeigt einiges mehr an Verstrickungen auf, als selbst Skeptiker vermutet haben. Das ist die unbestreitbare Stärke dieses Werks. Was bisher über hunderte Bilanzen und ebenso viele Gesetze und Verordnungen verstreut war, wird auf knapp 270 Seiten gebündelt. Dass das einigermaßen übersichtlich passiert ist, überrascht fast angesichts der Informationsflut, die einem hier unweigerlich entgegenkommen muss. Zur Bettlektüre ist dieses Buch ganz sicher nicht geeignet.

Selbst ein Religionskritiker wird überrascht sein, auf wie vielfältige Weise Staat und Religionen bei uns verstrickt sind. Ob es um den Bildungssektor geht oder um Ordensverleihungen, um Spitäler und Sozialwesen oder Steuererleichterungen – es gibt wenige Bereiche, in die Religionsgemeinschaften nicht involviert sind. Und, auch das wird deutlich: Über die Bereiche, in denen sie drin sind, reden sie nicht sonderlich gerne. Es gilt das Elfte Gebot: Du sollst keine Transparenz walten lassen. Die Autoren quälen sich wacker durch ein Dickicht an Desinteresse bei öffentlichen Stellen, kirchlicher Desinformation und Mythenbildung. Da wird die Legende entlarvt, die armen konfessionellen Privatschulen würden „nur“ die Lehrerkosten bezahlt bekommen. Oder die kirchliche Behauptung, ihr Denkmalschutz koste jährlich 180 Millionen, erweist sich als Schutzbehauptung. Immer wieder ertappt man kirchliche Funktionäre dabei, wie sie tun, als gäbe es manche staatliche Subventionen gar nicht. Sie rechnen sich systematisch arm.

Und gleichzeitig wird deutlich, dass es auch in Österreich die Caritas-Legende gibt. Den Wenigsten wird bewusst sein, dass die katholische Kirche nur zwei Prozent zum Budget beiträgt. Das wird hier eingehend untersucht und dokumentiert.

In einigen Bereichen wie bei der Bildung sind die Autoren leider darauf angewiesen, die Gesamtkosten zu schätzen. Es scheint niemanden zu interessieren, wie viel Geld die Republik Österreich wirklich für konfessionelle Privatschulen oder den konfessionellen Privatunterricht ausgibt. Allerdings erlauben die offiziell bekannten Teilsummen plausible Hochrechnungen. Die Autoren dokumentieren akribisch, wie sie auf die genannten Summen kommen. Das ist eine Stärke des Buchs. Leider macht das die entsprechenden Kapitel zu einem Zahlenfriedhof. Das ist eine Schwäche – für die allerdings die Autoren nicht verantwortlich zu machen sind.

3,8 Milliarden Euro fließen jährlich in den Apparat der Religionsgemeinschaften – großteils in den der römisch-katholischen Kirche. Das ist nicht nur angesichts der angespannten Staatsfinanzen eine hohe Summe. Es ist auch weit mehr, als die Religionsgemeinschaften aus eigener Kraft aufbringen können. Soll heißen: Die religiösen Apparate sind in der Dimension ohne Steuergeld nicht finanzierbar. Die angeblichen Leistungen der Religionsgemeinschaften für die Allgemeinheit werden auf Kosten der Allgemeinheit erbracht. Da frage man sich: Warum nicht gleich in öffentliche Hand? Damit erspart man sich unnötige Überweisungen und hat eine öffentliche Kontrolle zum Beispiel über das Schul- und Spitalwesen. Ganz nebenbei nimmt man damit auch Religionsgemeinschaften Propagandainstrumente weg, mit denen sie sich in der Öffentlichkeit bisher legitimiert haben – und was weitgehend kritiklos zur Kenntnis genommen wurde. Selbstbeweihräucherung ist schön und gut – aber bitte nicht auf Steuerkosten.

„Gottes Werk und unser Beitrag“ ist eine Pflichtlektüre für alle, die das Verhältnis zwischen Staat und Kirche kritisch hinterfragen. Und noch mehr für alle, die das bisher nicht getan haben.

Heinz Oberhummer

Carsten Frerk und Christoph Baumgarten, Gottes Werk und unser Beitrag – Kirchenfinanzierung in Österreich, Wien, Czernin, 2012, ISBN 978-3707604306284 Seiten, EUR 24,90. (Auch als e-book erhältlich.)

Auch im Denkladen erhältlich

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