
foto: apa/pfarrhofer
Österreichs Bischöfe haben beschlossen, dass Ihnen die Elternschaft Homosexueller nicht zusagt.
Am heutigen Donnerstag fand in Wien die Sommervollversammlung der österreichischen Bischöfe statt. Man möchte meinen, sie würden die Aufklärung der Missbrauchsfälle vorantreiben wollen oder sich überlegen, wie sie ihre Kirche zukünftig gestalten. Aber natürlich hatten sie dringenderes zu besprechen: Künstliche Befruchtungsmethoden und die potenzielle Elternschaft von homosexuellen Menschen. Von Markus Arch
Wie die Zeitung “Der Standard” heute auf seinem Online- Portal berichtet, gaben die katholischen Würdenträger folgendes Statement hierzu ab:
“Österreichs Bischöfe haben sich geschlossen gegen die Elternschaft und künstliche Befruchtung von Homosexuellen ausgesprochen. In einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstag nach der Sommervollversammlung erhoben sie ‘schwerwiegende Einwände’ in Fällen, in denen das ‘Recht der Kinder auf Vater und Mutter’ von vornherein missachtet werde. Die Bischöfe lehnen zudem ausdrücklich In-Vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik ab.”
Des Weiteren sind sie sich darüber im Klaren, dass das traditionelle Familienbild von Vater, Mutter und Kind in Zeiten, da die Ehe nicht mehr als Voraussetzung für eine “anständige” Elternschaft gilt, überholt ist. Nichtsdestotrotz aber wird behauptet, dass viele alleinerziehende oder sonst irgendwie nicht diesem Bild entsprechende Erziehungsberechtigte dies selbst nicht als ideale Situation ansehen.
Dies mag sein, auch wenn es sich nicht überprüfen lässt. Dass sich Paare aber trotz eines gemeinsamen Kindes trennen, lässt wohl auch darauf schließen, dass das klassische Modell in ihrem Fall auch nicht ideal ist. Patchwork- Familien werden jedenfalls immer häufiger, was aber kaum den Werteverfall bedeuten dürfte. Höchstens den Verfall des traditionellen Familienbildes.
Hierzu kann man selbstverständlich stehen wie man will, was mich aber stärker verwundert ist die Tatsache, dass sich ausgerechnet die Kirchenvertreter genötigt sehen, in der individuellen Familienplanung, und somit direkt in den Schlafzimmern der ÖsterreicherInnen, ein Wörtchen mitreden zu müssen.
Um es etwas polemisch auszudrücken: Ältere Herren, die freiwillig im Zölibat leben, wollen über die Sexualität anderer Menschen bestimmen. An sich schon skurril genug, aber deren Wortwahl selbst grenzt schon fast an Satire:
“Die Bischöfe weisen in ihrer Erklärung auf angebliche ‘besorgniserregende Anzeichen für eine generell gestiegene Unfruchtbarkeit’ hin, die vielen Paaren leider den sehnlichen Kinderwunsch versagen würde. Allerdings sei nicht jedes Mittel zu rechtfertigen, um Eltern zu werden: ‘Gerade wenn es um das Leben von Menschen geht, sind die höchsten rechtlichen und ethischen Maßstäbe gefordert, die sich aus der Einzigartigkeit der Person und der Würde des Menschen ergeben.’”
Menschenwürde ist ein hohes und bewahrenswertes Gut. Eine Institution aber, deren Grundsatz lautet, dass wir alle Sünder sind und einem persönlcien Gott huldigen müssen, damit er uns vergibt, das irgendwann eine Frau einen Apfel stibitzt hat, sollte diesen Begriff nicht unbedingt so lautstark herausposaunen.
Ob sich steigende Unfruchtbarkeit in der Bevölkerung beobachten lässt, ist mir nicht bekannt. Doch selbst wenn es stimmen sollte, sehe ich in künstlichen Befruchtungsmethoden kein großes Problem. Wenn Menschen Kinder haben, und sich vor allem auch um diese kümmern wollen, was spricht dagegen? Oder ist dies dann nicht Gottes Plan, dass sie Kinder bekommen? Die Argumentation der Bischöfe jedenfalls ist rhetorisch vorbildlich, aber inhaltlich nichtssagend.
Die höchsten rechtlichen und ethischen Mäßstäbe beispielsweise sind ein toller Begriff, was damit aber genau gemeint ist, bleibt offen. Ich vermute mal, diese Maßstäbe werden aus christlich- katholischer Sicht gesehen, da es ja de facto keine höheren geben kann im Weltbild überzeugter Katholiken. Die Kirche als Bewahrerin der Moral und der Familie? Dazu will ich eigentlich nichts mehr sagen, selbst in meinen zynischsten Stunden würde ich nicht auf so etwas kommen.
Es bleibt jedenfalls die Frage offen, inwieweit Präimplantationsdiagnostik, In-Vitro-Fertilisation usw. gegen die Würde des Menschen verstossen. Genauere Details hierzu wären im Statement der Würdenträger hilfreich gewesen.
Und nun zum Thema Homosexualität: Da diese ja ohnehin Sünde ist, wie Kardinal Schönborn unlängst wieder verlautbaren ließ, wundert es nicht, dass diese keine Kinder haben sollten. Dazu bleibt mir nur zu sagen, dass Homosexualität etwas Natürliches ist, und nichts mit Sünde zu tun hat. Menschen aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung irgendwelche Rechte abzusprechen oder ihnen moralisch- ethische Defizite anzuhaften, dafür gibt es nur einen Ausdruck: Diskriminierung. Sehr seltsam für eine Institution, welche sich im Lichte ihrer eigenen, anscheinend so fortschrittlichen Moral sonnt und proklamiert, für alle Menschen da zu sein.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass künstliche Befruchtung und Homosexualtät an sich Themen sind, die, wie auch die Bischöfe meinen, öffentlich diskutiert werden sollen. (Wobei es bei Homosexualität kaum noch etwas zu diskutieren gibt, zumindest für Leute, die weltanschaulich nicht vor Jahrhunderten stehen geblieben sind)
Aber bitte von (und mit) Leuten, die etwas davon verstehen, und nicht mit älteren Herren, die ihre Werte und Dogmen aus einem alten Buch oder anderen fadenscheinigen, “heiligen” Quellen entnehmen und immer wieder beweisen, dass ihre Werte, Ideale und Ansichten den Respekt nicht verdienen, den sie seltsamerweise immer noch bekommen.








