Wenn Populisten zusammentreffen

This entry was posted in GBS (at), Politik, Religion and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Vor kurzer Zeit ging die Meldung durch die Medien, dass der Kärntner Landeshauptmann, Gerhard Dörfler, den Papst ins südlichste Bundesland einladen will. Dabei wurde auch mit Verallgemeinerungen und billigen Phrasen nicht gespart, wie man zum Beispiel hier sehen kann.

Ich frage mich ernsthaft, von welchem Kärnten nun die Rede ist. Mir ist nicht bekant, ob die Kärntner Bevölkerung hierzu befragt worden ist, doch ich bezweifle es stark. Solange Dörfler seinen Nachnamen nicht ändert und fortan Gerhard Kärnten heisst, kann diese Meldung schonmal nicht stimmen.

Genaueres über die wundersame Welt Dörflers lässt sich in einer Presseaussendung finden, welche nach seinem Zusammentreffen mit Ratzinger am vorigen Samstag in Italien verfasst wurde:

“Der Landeshauptmann lud den Papst herzlich zu einem Besuch seiner Heimat, dem Gurktal, ein. Diese Einladung werde er auch noch schriftlich wiederholen. […] Er verwies auf die enge Verbindung des Landes Kärnten mit der katholischen Kirche. Schon Landeshauptmann Jörg Haider habe gute Kontakte mit dem Vatikan gehabt […]”

Von Mitgliedern einer Partei wie der FPK, welche sehr viel stärker durch Populismus denn durch Rationalität auffällt, ähnlich wie ihre “Schwestern”-Partei mit dem “Ö” im Namen, hätte mich ein differenzierter Umgang mit dem katholischen Oberhaupt ohnehin sehr stark verwundert. Da Kärntens politische Elite es anscheinend versäumt hat, sich mit Fakten zu beschäftigen und stattdessen lieber Autobahnen blockiert, möchte ich dies hier kurz nachholen:

  • die Menschenrechte werden vom Vatikan immer noch nicht anerkannt
  • Homosexuelle werden nach wie vor diskriminiert
  • das Kondomverbot trägt nach wie vor zur Ausbreitung von Aids bei
  • Kindesmissbrauch wird vertuscht, verdeckt und am liebsten totgeschwiegen, an Aufklärung scheint kein Interesse vorhanden zu sein
  • die Piusbruderschaft mit ihren Holocaust- Leugnern jedoch wurde wieder in die Kirche aufgenommen

Das Verhalten Ratzingers entspricht in keinster Weise den Prinzipien von Demokratie und Offenheit. In diesem Kontext wäre noch zu erwähnen, dass sein “direkter Vorgesetzter”, Jesus Cristus, nun doch nicht für die Sünden aller gestorben sein soll. Die Einladung eines reaktionären, dogmatischen Religionsoberhauptes im Namen des offiziellen Kärntens (wie es die Kronen-Zeitung nahezulegen scheint), ist eine politische Farce und lässt einen stark an den populistischen Charakter der Kärntner Freiheitlichen denken.

Es lässt sich an solchen Beispielen jedenfalls erkennen, dass die Trennung von Kirche und Politik in Österreich ein schlechter Scherz ist. Dies ist kein Geheimnis, auch wenn es eine Blamage für eine demokratische, pluralistische Republik darstellt.

Fazit: Kärnten, dessen Ruf durch populistische Parteien sowie insbesondere von einzelnen Landeshauptmännen ohnehin beschädigt ist, braucht keine religiösen Märchenerzähler. Schon gar nicht, nachdem sich allerorts über den Besuch des Dalai Lama gefreut wird, der auch eine sehr zwielichtige Gestalt ist.

Markus Arch

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>