Rezension „Die Grenzen der Toleranz“

Thema: Moral / Ethik, Religion, Rezension, Wissenschaft |

Michael Schmidt-Salomon:
DIE GREN
ZEN DER TOLERANZ: Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen.
Piper Taschenbuch 2016,
224 Seiten, € 10.-,
ISBN-10: 3492310311.

„Verhindere, was nicht zu tolerieren ist; schwäche, was nur zu tolerieren ist und stärke, was zu akzeptieren ist!“ Michael Schmidt-Salomon beschreibt – wie immer tiefgründig, knapp und klar -, worauf es im Zeitalter des „Empörialismus“, des „Sich-Verschließens“, des Neokonservativismus und Neonationalismus ankommt: Auf das Verstehen des Begriffes Toleranz in seinen verschiedenen Aspekten und auf den daraus abzuleitenden Umgang mit Konflikten in sozialen Systemen sowie auch auf die Verteidigung einer – nicht zuletzt auf Toleranz und Akzeptanz beruhenden – offenen Gesellschaft durch Rationalität hin zu Freiheit, Gleichheit, Individualität und Säkularität! [Mehr]

Samuel Schirmbeck: „Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen – Warum wir eine selbstbewusste Islamkritik brauchen“

Thema: Religion, Rezension |

„Europa ist ratlos, weil selbst die politischen Spitzen sich weigern, einen Blick auf die Probleme zu werfen, die der Islam mit sich selbst und dem Rest der Welt hat“. Diese Aussage kennzeichnet den Grundtenor des Buches, dessen Autor sich der Aufgabe stellt, einerseits die vom gegenwärtigen Islam ausgehenden Gefahren deutlich aufzuzeigen und andererseits die seiner Meinung nach diesbezüglich vorhandene Blauäugigkeit und Ignoranz mancher Institutionen und zahlreicher „linker“ Politiker in den westlichen Demokratien anzuprangern. „Islamkritik bedeutet mitnichten, Muslime anzugreifen, sondern Schutz vor seinen menschenverachtenden Auswüchsen, die sich gegen Frauen, Homosexuelle, gegen eigenständig Denkende und sogenannte Ungläubige richten – also auch gegen Millionen von Musliminnen und Muslimen“.

Samuel Schirmbeck, ein studierter Soziologe und Philosoph, der sich selbst als liberaler Linker bezeichnet, ist ein ausgewiesener Islam-Kenner; er baute 1991 das ARD-Fernsehstudio in Algerien auf und berichtete viele Jahre über den algerischen Bürgerkrieg und die Entwicklungen in Marokko und Tunesien. Im vorliegenden Buch beschreibt er – scharfzüngig, pointiert – seine Erfahrungen mit dem Islam und Islamismus, mit intoleranten, fundamentalistischen, aber auch mit liberalen und aufgeklärten Muslimen, wobei von letzteren viele zu seinen guten Freunden zählen. [Mehr]

„Im Lichte der Evolution – Darwin in Wissenschaft und Philosophie“

Thema: Rezension, Wissenschaft |

Ein Opus Magnum des renommierten Wissenschaftlers – und GBS-Beirates – Prof. Gerhard Vollmer; 613 Seiten geballtes Wissen mit tiefgreifenden Erkenntnissen und einer Vielzahl weiterführender Gedanken zu einer der wichtigsten Entdeckungen des Homo sapiens, der Evolutionstheorie!

„Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Lichte der Evolution“ konstatiert 1973 der Biologe Theodosius Dobzhansky. Mittlerweile ahnen wir, dass diese Feststellung nicht nur für die Biologie gilt, sondern für nahezu alle Bereiche der Natur- und Geistesgeschichte, der materiellen und der immateriellen Welt, ja sogar für den gesamten Kosmos. [Mehr]

Warum wir glauben!

Thema: Esoterik, Religion, Wissenschaft |

Über die evolutionären Wurzeln religiöser (und esoterischer) Gläubigkeit

Ob Religion oder Esoterik, die meisten Menschen hängen einem Glauben an, selbst Atheisten sind nicht selten von der Kraft der Homöopathie, der Macht der Astrologie oder von alternativen Heilmethoden in Form diverser „Wunderkuren“ überzeugt. Kann es sein, dass wir Menschen, wie manche Evolutionsbiologen und Erkenntnistheoretiker meinen, zum Glauben programmiert (verdammt) sind?
Woher rührt das Bedürfnis nach einem religiösen Weltbild, warum ist es so tief in der menschlichen Psyche verankert? Nach den Kriterien der evolutionären Selektion haben sich nur Eigenschaften durchgesetzt, die von Nutzen sind – was nützt Homo sapiens der Glaube an das Unbeweisbare, das oftmals völlig Absurde und warum hat die Evolution ein so kostspieliges Phänomen wie Religion überhaupt hervorgebracht und am Leben erhalten? Rätsel, die die Wissenschaft im Zusammenhang mit Glauben seit langem beschäftigen; dazu auch die Frage, ob Religiosität und bestimmte Formen von Esoterik genetisch bedingt sind, oder auf religiösen Memen (Ideen), die sich erfolgreich vermehrt haben, beruhen. [Mehr]

Antisemitismus in der Jesuitenzeitschrift “La Civiltà Cattolica”

Thema: Religion |

 Von Dr. Anneliese Pongratz

Seit 165 Jahren erscheint alle zwei Wochen – weltweit verbreitet und in viele Sprachen übersetzt – die 1850 von Jesuiten in Neapel gegründete Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ (CC), deren Hauptaufgabe darin besteht, die Ansichten der katholischen Kirche zu zeitgenössischen Themen zu verbreiten.
Das Autorenkollegium steht dabei in enger Verbindung zum Papst, bzw. dem Apostolischen Stuhl, bis Mitte des 20. Jahrhunderts musste der Inhalt der Zeitschrift vom jeweiligen Direktor dem Papst und dem Kardinalstaatssekretär persönlich vorgelegt werden.
Seit ihrer Gründung beschäftigte sich die CC immer wieder auch mit dem Thema Judentum, in der Zeitschrift meist als „Judenfrage“ bezeichnet, wobei sich der Ton antijüdischer Kampagnen und Artikel ab 1880 bis zum 2. Weltkrieg laufend verschärfte; erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 kam es diesbezüglich zu einem Kurswechsel (11, S.13). [Mehr]

Der Religions-Reflex

Thema: Religion |

religulousBundespräsident Heinz Fischer traf sich mit diversen Religionsvertretern, um vor dem Hintergrund der Anschläge auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo über gemeinsame Werte zu diskutieren. Laut einem Posting auf der Homepage Fischers gibt es „kein Anliegen der Welt, schon gar kein religiöses Anliegen, dem man mit Mord und Totschlag dienen oder nützen kann!“1 In einem Statement, welches mitunter auch sehr durchdacht gestaltet ist, findet sich zudem der Satz: „Bibel, Tora und Koran sind Bücher der Liebe, nicht des Hasses.“ [Mehr]

Das Recht auf einen selbstbestimmten, würdevollen Tod

Thema: Medizin, Moral / Ethik, Rezension |

letzte_hilfe_cover_arnoldDas Thema “Sterben in Selbstbestimmung und Würde” beschäftigt sehr viele Menschen. In Deutschland soll bislang erlaubte Suizidbegleitung auf Wunsch des Gesundheitsministers und einiger Abgeordneter verboten werden, in Österreich wollen diverse Parlamentarier das derzeit noch bestehende Verbot sogar in Verfassungsrang heben. In beiden Ländern regt sich entschiedener Widerspruch, in Österreich auch verbunden mit dem Wunsch nach Liberalisierung ähnlich der derzeit in Deutschland bestehenden Regelung (Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten unter http://letzte-hilfe.de/ für Deutschland und unter http://www.letztehilfe.at/ für Österreich).

Der Berliner Arzt Uwe-Christian Arnold, bekannt unter der meist abwertend gebrauchten Bezeichnung “Dr. Tod”, hat – unterstützt von Michael Schmidt-Salomon – zur Thematik Sterbehilfe/Suizidbegleitung ein sehr informatives, auch sehr persönliches und berührendes Buch vorgelegt, das ich hiermit wärmstens empfehle:

Uwe-Christian Arnold: „LETZTE HILFE – ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben“ – Rowohlt Verlag, 10/2014.

[Mehr]

Religiöse und philosophische Aufrüstung für die beiden Weltkriege

Thema: Philosophie, Religion, Rezension |

grabner_haider_hitlerRezension /Anton Grabner-Haider: „Hitlers Theologie des Todes“

„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ heißt es in Paul Celans „Todesfuge“, der renommierte Philosoph, Kulturwissenschaftler, Theologe, Autor und Universitätsprofessor Anton Grabner-Haider widmet das vorliegende Buch der Frage, wie es dazu kommen konnte:

Wie wurde das Entsetzliche möglich? Wo liegen die mythischen Wurzeln und Denklinien christlicher Theologie, wo die Aussagen irrationaler Philosophie, die das bis dahin Unvorstellbare begünstigten und in weiterer Folge Realität werden ließen? Wie konnte die überwiegende Mehrheit der NS-Gefolgsleute dazu gebracht werden, einer unendlich grausamen und menschenverachtenden Ideologie und deren Führern bedingungslos – bis zur eigenen Aufopferung – zu folgen?

[Mehr]

Atheismus oder Kulturchristentum?

Thema: Uncategorized |

ath_kulturchristenAnton Grabner-Haider/Franz M. Wuketits: Atheismus oder Kulturchristentum?

Ein hochinteressantes Projekt: Ein Biologe/Wissenschaftstheoretiker und ein Religions-/Kulturwissenschaftler, beide als Universitätslehrer und Buchautoren sehr renommiert, beschreiben atheistisches und kulturchristliches Denken; sich daraus ergebende Grundfragen (ist der Gegensatz zwischen beiden Weltanschauungen überbrückbar, sind Formen des Dialogs und einer ideellen Zusammenarbeit denkbar?) bilden – neben umfassender Wissensvermittlung – die zentralen Bestandteile des Buches.

Atheisten/Agnostiker/Skeptiker besitzen ein naturalistisches, säkulares, humanistisches Weltbild, theologische (und teleologische) Welterklärungen sind für sie obsolet, alle Vorgänge im Universum, das Leben selbst in seiner Fülle, gehorcht Naturgesetzen.

[Mehr]

Rezension: Schatten über Europa

Thema: Rezension |

Von Anton Grabner-Haider

SCHATTEN ÜBER EUROPA: Der Untergang der antiken Kultur. Rolf Bergmeier, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2010. 

Der Autor ist Historiker und Spezialist für die spätantike Kultur Europas. Er geht der Frage nach, warum der Untergang der antiken Kultur so schnell voranschritt und welche Rolle dabei die Durchsetzung der christlichen Reichsreligion gespielt hat. Dabei kommt er zur Überzeugung, dass die zerstörenden Kräfte der christlichen Kleriker, Theologen und Mönche von den meisten Historikern weitgehend unterschätzt werden. Er sieht im Jahr 380 n.Chr. (annus horribilis) mit dem Edikt des Kaisers Theodosius I. (“Cunctos populos”) den eigentlichen Kulturbruch, bzw. den Anfang dieses Abbruchs. Denn ab diesem Zeitpunkt durften nur mehr Christen und Taufanwärter staatliche Ämter übernehmen, nun wurden systematisch mit militärischer Gewalt römische und griechische Tempel zerstört. Die Güter der Tempel gingen an die christlichen Gemeinden, manche Tempel wurden zu Kirchen umgebaut (Santa Maria sopra Minerva in Rom). Die Olympischen Spiele wurden 393 beendet, weil sie unter dem Schutz des Gottes Zeus standen, jetzt durfte nur mehr der Christengott im ganzen Reich öffentlich verehrt werden. Die Schulen der Philosophen und der Rhetoren kamen zum Erliegen oder wurden auf Druck der christlichen Theologen geschlossen, in den Städten nahm die Literalität der Bevölkerung rapide ab. [Mehr]