Das Recht auf einen selbstbestimmten, würdevollen Tod

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letzte_hilfe_cover_arnoldDas Thema “Sterben in Selbstbestimmung und Würde” beschäftigt sehr viele Menschen. In Deutschland soll bislang erlaubte Suizidbegleitung auf Wunsch des Gesundheitsministers und einiger Abgeordneter verboten werden, in Österreich wollen diverse Parlamentarier das derzeit noch bestehende Verbot sogar in Verfassungsrang heben. In beiden Ländern regt sich entschiedener Widerspruch, in Österreich auch verbunden mit dem Wunsch nach Liberalisierung ähnlich der derzeit in Deutschland bestehenden Regelung (Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten unter http://letzte-hilfe.de/ für Deutschland und unter http://www.letztehilfe.at/ für Österreich).

Der Berliner Arzt Uwe-Christian Arnold, bekannt unter der meist abwertend gebrauchten Bezeichnung “Dr. Tod”, hat – unterstützt von Michael Schmidt-Salomon – zur Thematik Sterbehilfe/Suizidbegleitung ein sehr informatives, auch sehr persönliches und berührendes Buch vorgelegt, das ich hiermit wärmstens empfehle:

Uwe-Christian Arnold: „LETZTE HILFE – ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben“ – Rowohlt Verlag, 10/2014.

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Religiöse und philosophische Aufrüstung für die beiden Weltkriege

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grabner_haider_hitlerRezension /Anton Grabner-Haider: „Hitlers Theologie des Todes“

„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ heißt es in Paul Celans „Todesfuge“, der renommierte Philosoph, Kulturwissenschaftler, Theologe, Autor und Universitätsprofessor Anton Grabner-Haider widmet das vorliegende Buch der Frage, wie es dazu kommen konnte:

Wie wurde das Entsetzliche möglich? Wo liegen die mythischen Wurzeln und Denklinien christlicher Theologie, wo die Aussagen irrationaler Philosophie, die das bis dahin Unvorstellbare begünstigten und in weiterer Folge Realität werden ließen? Wie konnte die überwiegende Mehrheit der NS-Gefolgsleute dazu gebracht werden, einer unendlich grausamen und menschenverachtenden Ideologie und deren Führern bedingungslos – bis zur eigenen Aufopferung – zu folgen?

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Atheismus oder Kulturchristentum?

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ath_kulturchristenAnton Grabner-Haider/Franz M. Wuketits: Atheismus oder Kulturchristentum?

Ein hochinteressantes Projekt: Ein Biologe/Wissenschaftstheoretiker und ein Religions-/Kulturwissenschaftler, beide als Universitätslehrer und Buchautoren sehr renommiert, beschreiben atheistisches und kulturchristliches Denken; sich daraus ergebende Grundfragen (ist der Gegensatz zwischen beiden Weltanschauungen überbrückbar, sind Formen des Dialogs und einer ideellen Zusammenarbeit denkbar?) bilden – neben umfassender Wissensvermittlung – die zentralen Bestandteile des Buches.

Atheisten/Agnostiker/Skeptiker besitzen ein naturalistisches, säkulares, humanistisches Weltbild, theologische (und teleologische) Welterklärungen sind für sie obsolet, alle Vorgänge im Universum, das Leben selbst in seiner Fülle, gehorcht Naturgesetzen.

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Rezension: Schatten über Europa

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Von Anton Grabner-Haider

SCHATTEN ÜBER EUROPA: Der Untergang der antiken Kultur. Rolf Bergmeier, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2010. 

Der Autor ist Historiker und Spezialist für die spätantike Kultur Europas. Er geht der Frage nach, warum der Untergang der antiken Kultur so schnell voranschritt und welche Rolle dabei die Durchsetzung der christlichen Reichsreligion gespielt hat. Dabei kommt er zur Überzeugung, dass die zerstörenden Kräfte der christlichen Kleriker, Theologen und Mönche von den meisten Historikern weitgehend unterschätzt werden. Er sieht im Jahr 380 n.Chr. (annus horribilis) mit dem Edikt des Kaisers Theodosius I. (“Cunctos populos”) den eigentlichen Kulturbruch, bzw. den Anfang dieses Abbruchs. Denn ab diesem Zeitpunkt durften nur mehr Christen und Taufanwärter staatliche Ämter übernehmen, nun wurden systematisch mit militärischer Gewalt römische und griechische Tempel zerstört. Die Güter der Tempel gingen an die christlichen Gemeinden, manche Tempel wurden zu Kirchen umgebaut (Santa Maria sopra Minerva in Rom). Die Olympischen Spiele wurden 393 beendet, weil sie unter dem Schutz des Gottes Zeus standen, jetzt durfte nur mehr der Christengott im ganzen Reich öffentlich verehrt werden. Die Schulen der Philosophen und der Rhetoren kamen zum Erliegen oder wurden auf Druck der christlichen Theologen geschlossen, in den Städten nahm die Literalität der Bevölkerung rapide ab. [Mehr]

Rezension: Hoffnung Mensch

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Von Anton Grabner-Haider

Michael Schmidt-Salomon: HOFFNUNG MENSCH. Eine bessere Welt ist möglich. Piper Verlag, München 2014.

Der Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung legt hier ein sehr optimistisches Buch vor, das in der besten Tradition der rationalen Aufklärung steht. Er hat als promovierter Pädagoge erstaunlich viel von der kritischen Philosophie gelernt und will diese Einsichten einem breiten Publikum zugänglich machen. Denn er ist davon überzeugt, dass die Absurditäten des Lebens (A. Camus) auch ganz ohne zynischen Pessimismus und auf kreative Weise zu bestehen sind. Daher skizziert er die Geschichte des europäischen Humanismus seit Cicero (er hätte mit den frühen Sophisten beginnen müssen), über die rationale Aufklärung zum sozialistischen, zum bürgerlichen und zum Evolutionären Humanismus (Julian Huxley). Er nimmt dabei deutlich Bezug auf das starke “Prinzip Hoffnung” (E. Bloch) und Kooperation (P. Kropotkin).

In der Frage der naturalistischen Weltdeutung pendelt der Autor zwischen einem starken und einem schwachen Naturalismus (J. Habermas), er lässt aber deutliche Präferenzen für die zweite Position erkennen (Bewusstsein und Kultur als Emergenz und Eigendynamik des menschlichen Geistes). Kurz blickt er auch auf Ansätze des chinesischen Humanismus (Mo ti), er hätte dabei aber auch die starke konfuzianische Schule um Meng zi erwähnen müssen. Im politischen Ringen um die europäische Aufklärung streicht er vor allem das Engagement von Th. Paine heraus. Danach skizziert er das lange Ringen um die Durchsetzung der gleichen Frauenrechte in Europa. [Mehr]

Volksbegehren Kirchenprivilegien gescheitert

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volksbegehren-facebookWIEN. (hpdDas Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien ist gescheitert. Laut vorläufigem Endergebnis erreichte es 56.660 Unterschriften, wie das Innenministerium in der Nacht mitteilte. Um erfolgreich zu sein, hätte es 100.000 gebraucht. An dieser Hürde scheiterte auch das parallel laufende Volksbegehren „Demokratie jetzt“.

„Wir waren am Anfang eine Gruppe von vielleicht zehn Leuten und so gut wie keinem Budget. Am Ende haben wir 56.660 Menschen in diesem Land angesprochen. Das ist doch etwas. Und unsere Anliegen, nämlich dass Staat und Kirche getrennt gehören, werden jetzt breit diskutiert.“. Andreas Rathmanner vom Organisationsbüro bringt die Stimmung in seiner Ansprache bei der „Wahlparty“ des Volksbegehrens Montagnacht vermutlich am besten auf den Punkt. Viele Unterstützer haben sich mehr erhofft. Mehr erwartet hat fast niemand

„Ich habe damit gerechnet, dass es sich nur schwer ausgehen wird“, sagt Minitiator Niko Alm an diesem Abend in seinen zahlreichen Medieninterviews. „56.600 Menschen haben dieses direktdemokratische Element genutzt. Das ist eine ganze Menge.“ Das Volksbegehren trat für ein Verfassungsgesetz für eine klare Trennung von Staat und Kirche und für eine staatliche Aufklärung des kirchlichen Missbrauchsskandals ein.

Wirkliche Enttäuschung klingt anders

Wirkliche Enttäuschung klingt anders. Das könnte man als Zweckoptimismus oder Trotz abtun. Allein, auch bei fast allen Unterstützern bleibt auf der Wahlparty die große Traurigkeit aus. So viele Menschen habe man in Österreich noch nie gegen die Privilegien von Religionsgemeinschaften mobilisiert, heißt es von vielen. Und dass man die nötigen 100.000 Unterschriften klar verfehlt hat – das sei alles andere als eine Absage an die Ziele des Volksbegehrens. [Mehr]

Das katholische “Geheimpapier” zum Volksbegehren

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[alm]Ein Volksbegehren, das so viele gravierende rechtliche Fehler enthält, ist bis heute noch nicht vorgelegt worden.” wird in einem Papier behauptet, das von der katholischen Kirche in ihren Teil- und Vorfeldorganisationen zur Argumentation zirkuliert wird.

Politisch zu arbeiten bedeutet natürlich auch mit gegnerischen Standpunkten konfrontiert zu werden. Das Volksbegehren gegen Kirchen-Privilegien adressiert ein Demokratie-Defizit und sieht konsequenterweise den Staat als Gegenüber. Die Religionsgemeinschaften sehen wir nicht als Gegner, aber es ist verständlich, dass sie sich angegriffen fühlen und gegen das Volksbegehren mobil machen.

Im Zuge des öffentlichen Diskurses bin ich immer wieder im persönlichen Gespräch, aber auch bei Interviews mit erstaunlich gleichgeschalteten Argumenten konfrontiert. Auch Journalisten, die sich nur bei den Experten und Expertinnen der katholischen Kirche informieren, argumentieren sehr ähnlich wie die Kirche selbst.

Woher kommt das?

Diese Frage ist leicht zu beantworten. Walter Hagel, Christine Mann und Raoul Kneucker haben ein Papier verfasst, dass Menschen aus CV, MKV, Bauernbund, ÖVP, usw. aber natürlich auch Journalisten, denen nicht viel an ausgewogener Recherche liegt als Grundlage für Diskussionen dient. “Das Dokument ist jedoch nicht dafür gedacht, medial weiter verbreitet zu werden.” heißt es im Aussand.
Es ist sicher keine Überraschung. dass die katholischen Gegenargumente sehr oft einer sachlichen Prüfung nicht standhalten. Der Grundsatz “Glaube vor Evidenz” zieht sich durch die religiöse Rechtfertigung eben durch. Natürlich wird der Versuch unternommen unsere Glaubwürdigkeit zu untergraben in dem Mängel, Fehler und Behauptungen unterstellt werden.

Wir haben das Papier aufmerksam gelesen und kommentiert.

Download: Katholische “Argumente”

Gegen Kirchenprivilegien — Was bringt uns das Volksbegehren?

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Ist Religionsfreiheit überhaupt möglich, solange bestimmte Glaubensgemeinschaften eine staatliche Anerkennung erfahren und andere nicht? Darüber und mehr spricht Sabina Grömmer mit Niko Alm und Christoph Baumgarten.

“Popstar” goes Vatikan.

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Seit gestern wird ein neuer Papst die Geschicke der katholischen Weltkirche leiten. Es handelt sich um den Argentinier Jorge Mario Bergoglio, zukünftig als Franziskus I. bekannt. Dieses “historische Ereignis” wird wohl noch einige Tage dafür sorgen, dass Journalisten ihre Seiten bequem füllen können. Von Markus Arch

Passend zu diesem Spektakel, dessen Berichterstattung an die Fußball-Europameisterschaft 2008 erinnert, erfolgt – welch Überraschung – ein medialer und politischer Kniefall vor dem Vatikan. Die Spitze der österreichischen Politik, namentlich Werner Faymann (Bundeskanzler), Michael Spindelegger (Außenminister) und Heinz Fischer (Bundespräsident), die in Österreich wohl unterbeschäftigt ist, wird am Samstag bei einer Messe des neuen Papstes zugegen sein.

Des Weiteren ist auffällig, dass über all die Skandale und Kritikpunkte an der kath. Kirche in den letzten Tagen sehr wenig berichtet wurde.Es scheint fast so, als ob ein neues Oberhaupt all die Mißbrauchsaffären, die Herabwürdigung von Frauen, die Kondomproblematik und all die anderen Dinge ungeschehen machen könnte.

Fakt ist: Die kath. Kirche, die sich unter Benedikt XVI. noch stärker rückwärts orientierte als in den Jahren vorher, muss sich endlich ihrer Verantwortung stellen. Und das Beharren auf alten Texten, die bewiesenermaßen im Laufe der Zeit ohnehin zigmal umgeschrieben wurden, ist bestimmt kein Schritt nach vorne. Trotz neuem Papst bleibt es dabei: Die katholischen Botschaften interessieren in Mitteleuropa kaum mehr jemanden, und die “Ethik” dieses Vereins verdient ihren Namen nicht. Das scheint den Medien aber wenig auszumachen. [Mehr]

Kuschelgebilde

Thema: GBS (at), Moral / Ethik | Tags: ,

Häufig wird man als unangenehmer, zweifelnder Zeitgenosse mit denselben Aussagen konfrontiert. Allesamt stimmen sie darin überein, dass niemand das Recht hat, die Lebens- und Denkweise von anderen in Frage zu stellen, oder sie mit widersprüchlichen Ansätzen zu konfrontieren. Zudem wird es in Zeiten der “Political Correctness” zunehmend schwerer, die Dinge beim Namen zu nennen. Von Markus Arch

Der Trend zur Korrektheit ist das Unkorrekteste, an dem im Moment festgehalten wird. Im Namen der Toleranz und des Versuchs, ja nirgends anzuecken (Beschneidungsdebatte…), werden die Menschen dadurch letztendlich mundtot gemacht. Ich spreche hier nicht von rechts- oder linksradikalen Wahnvorstellungen, die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen könnten, sondern über den normalen Umgang miteinander, der in der Politik, aber zunehmend auch im Alltag, angewandt wird.

Zunächst aber sollen hier zwei Aussagen genauer angeschaut werden, die wohl jeder kennt – und die als Maulkorb, als Zeichen des guten Willens und des Respekts vor anderen Meinungen gelten, letztlich aber leere Worthülsen sind.

1. Lass ihn doch, wenn er glücklich ist

Gerade wenn es um religiöse oder anderweitig dem individuellen Glauben zurechenbare Themen geht (bspw. Esoterik, Horoskope, Homöopathie udgl.), ist dies Phrase häufig anzutreffen. Damit wird impliziert, dass die Person, über die gesprochen wird, schließlich zufrieden mit ihren Vorstellungen ist – und es wäre gemein, diese Vorstellungen direkt zu kritisieren. [Mehr]