Luther: Wegbereiter für Gewalt

Thema: Religion, Rezension |

Robert Kaufmann:
Rezension des Buches “Schluss mit Luther: Von den Irrwegen eines Radikalen” von Peter Henkel. Tectum Verlag, ISBN-13: 978-3828839588, Taschenbuch, 198 Seiten.

Peter Henkel ist Journalist und Buchautor. Er hat sich in diesem Buch eingehend mit Martin Luther kritisch auseinandergesetzt, hat hierzu Expertenliteratur gelesen, aber vor allem auch Luther selbst zu Wort kommen lassen, dies insoweit, als er aus Schriften des religiösen Reformators zitiert und auch aus Reden, die häufig von der anwesenden Zuhörerschaft mitgeschrieben wurden.

Hieraus gelangt der Autor auf sehr gut nachvollziehbare Weise zu folgendem Ergebnis Luther betreffend: Das allgemeine Bild von Luther ist allzu sehr beschönigt, so wie dies bei anderen wahnhaft-religiösen bedeutsamen Personen wie Jesus, Paulus, Thomas von Aquin oder Mohammed (vgl. etwa zu Jesus das lesenswerte Buch von Kubitza „Der Jesuswahn“) der Fall ist. Henkel kommt daher zu einem wohl realitätsnäheren Lutherbild als dies gerade bei den 500-Jahres-Feierlichkeiten in Erinnerung an den Reformator im Jahr 2017 der Fall sein dürfte. [Mehr]

Petra Ramsauer: „Siegen heißt, den Tag überleben – Nahaufnahmen aus Syrien“

Thema: Politik, Rezension |

© 2017, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, ISBN 978-3-218-01060-3, 207 Seiten

„Wer während des Krieges nach Syrien fährt, kommt verändert zurück….. Die Ereignisse dort führen vor Augen, zu welch bestialischen Gräueltaten Menschen fähig sind. Aber sie zeigen auch, wie viel Widerstandsfähigkeit und Durchhaltevermögen in Menschen stecken kann“ (S. 10).

Die mit dem Concordia-Preis für Menschenrechte ausgezeichnete österreichische Politikwissenschaftlerin Petra Ramsauer ist seit 20 Jahren als profunde Kennerin der Region Krisen- und Kriegsberichterstatterin im Nahen Osten. Im vorliegenden Buch analysiert sie fachkundig, tiefgründig und mit viel Empathie die Entwicklungen der letzten Jahre in Syrien und beschreibt, wie ein schonungsloser Luftkrieg ein Volk und Land brutal zerstört, wie Hunger als Waffe eingesetzt wird, wie Terrornetzwerke entstanden sind und wie ein Volk zwischen den Fronten zerrieben wird. Es geht ihr dabei weniger um die Kampfhandlungen und den Frontverlauf als um die verheerenden Folgen des Krieges und der Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung. [Mehr]

Der “Nacktheit des Kaiser” begegnen!

Thema: GBS (at), Politik, Rezension |

© 2017, Siedler Verlag München, ISBN 978-3-8275-0075-5, 336 Seiten

Susan Neiman zeigt in ihrem jüngst erschienen Buch, dass es neue politische Ideen braucht, um Populismus und konservativen Nationalismus aufzuhalten. Wenn heute den Fakten, der Vernunft und dem politischen Mitdenken nicht der Raum gegeben wird, den es braucht, werden die Lügen der “postfaktischen” Populisten Konsequenzen haben. Die Philosophin ruft dazu auf, für Wahrheit und Moral öffentlich einzutreten, Alternativen zu denken und zu leben und den bedenklichen politischen Entwicklungen in den USA und Europa so die Stirn zu bieten.

“Die Welt wird sich ändern, wenn jene Politik, die Trump zum Präsidenten machte, zur Normalität erklärt wird” (S 69). Klare Worte auf wenigen Seiten zu den Wörtern des Jahres 2016 – „post-truth“ und postfaktisch – und ihren Protagonisten, wie auch zu deren Methoden, wie z.B. „gaslighting“ (permanente Verbreitung offensichtlicher Lügen, um Gegner zu verwirren) mit vorgetäuschter Authentizität, die bei wenig informierten Menschen Glaubwürdigkeit erzeugt, obwohl die behaupteten Tatsachen frei erfunden sind. Donald Trump, dem es nach Ansicht der Autorin völlig an Schamgefühl fehlt, wird anhand seiner Aussagen und Handlungen in der Vergangenheit, wie auch Gegenwart, als ignoranter, geldgieriger, verlogener Narzisst (S. 16) charakterisiert; einige seiner Mitstreiter, wie Steve Bannon, sowie unterstützende Medien, wie Breitbart News, werden durch zahlreiche Hintergrundinformationen bloßgestellt und die sich aus dieser Konstellation ergebenden politischen, wirtschaftlichen sowie allgemeinen Gefahren für Amerika und die ganze Welt aufgezeigt. [Mehr]

Hans Hopf: „Flüchtlings-Kinder gestern und heute“ Eine Psychoanalyse

Thema: Moral / Ethik, Rezension, Wissenschaft |

Rezension von Dr. Anneliese Pongratz

Mit diesem Buch solidarisiere ich mich mit allen Flüchtlingskindern dieser Welt. Ich werde immer einer von Euch bleiben“ (S. 15).
 Wer als Kind die Vertreibung aus der Heimat mit Not und Armut am eigenen Leib erfahren sowie traumatisierte Eltern, Trennungsschmerz und den Neubeginn in fremder, zum Teil feindseliger Umgebung erlebt hat, begegnet Flüchtlingen mit einfühlsameren Augen. Das gilt in besonderem Maße für den 1942 geborenen, renommierten Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalytiker Hans Hopf, dessen persönliche Erlebnisse (Flucht und Vertreibung aus dem Sudetenland, jahrelanges Leben in Flüchtlingslagern), wie auch die Beschreibung psychischer Probleme – und ihrer möglichen Bewältigung – im Zusammenhang mit Flucht, Ausgrenzung, Fremdsein und Integration, den Hauptinhalt dieses Buches bilden.

Hans Hopfs persönliche Erfahrungen mischen sich mit den aktuellen Problemen und Erfordernissen der “Flüchtlingskrise” und erzeugen tiefe Betroffenheit in beide Richtungen. Sein Engagement für “Flüchtlinge” als Archetypen für Menschen in Not, verbindet sich mit seinem Erleben und seinem Fachwissen zu konkreten Hinweisen und Ratschlägen, die von allen Institutionen und Menschen – auf allen Hierarchieebenen -, die sich um Flüchtlinge und deren Bedürfnisse sowie um die Erfordernisse für deren erfolgreiche Integration kümmern, gewusst und beherzigt werden sollten. [Mehr]

Rezension „Die Grenzen der Toleranz“

Thema: Moral / Ethik, Religion, Rezension, Wissenschaft |

Michael Schmidt-Salomon:
DIE GREN
ZEN DER TOLERANZ: Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen.
Piper Taschenbuch 2016,
224 Seiten, € 10.-,
ISBN-10: 3492310311.

„Verhindere, was nicht zu tolerieren ist; schwäche, was nur zu tolerieren ist und stärke, was zu akzeptieren ist!“ Michael Schmidt-Salomon beschreibt – wie immer tiefgründig, knapp und klar -, worauf es im Zeitalter des „Empörialismus“, des „Sich-Verschließens“, des Neokonservativismus und Neonationalismus ankommt: Auf das Verstehen des Begriffes Toleranz in seinen verschiedenen Aspekten und auf den daraus abzuleitenden Umgang mit Konflikten in sozialen Systemen sowie auch auf die Verteidigung einer – nicht zuletzt auf Toleranz und Akzeptanz beruhenden – offenen Gesellschaft durch Rationalität hin zu Freiheit, Gleichheit, Individualität und Säkularität! [Mehr]

Samuel Schirmbeck: „Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen – Warum wir eine selbstbewusste Islamkritik brauchen“

Thema: Religion, Rezension |

„Europa ist ratlos, weil selbst die politischen Spitzen sich weigern, einen Blick auf die Probleme zu werfen, die der Islam mit sich selbst und dem Rest der Welt hat“. Diese Aussage kennzeichnet den Grundtenor des Buches, dessen Autor sich der Aufgabe stellt, einerseits die vom gegenwärtigen Islam ausgehenden Gefahren deutlich aufzuzeigen und andererseits die seiner Meinung nach diesbezüglich vorhandene Blauäugigkeit und Ignoranz mancher Institutionen und zahlreicher „linker“ Politiker in den westlichen Demokratien anzuprangern. „Islamkritik bedeutet mitnichten, Muslime anzugreifen, sondern Schutz vor seinen menschenverachtenden Auswüchsen, die sich gegen Frauen, Homosexuelle, gegen eigenständig Denkende und sogenannte Ungläubige richten – also auch gegen Millionen von Musliminnen und Muslimen“.

Samuel Schirmbeck, ein studierter Soziologe und Philosoph, der sich selbst als liberaler Linker bezeichnet, ist ein ausgewiesener Islam-Kenner; er baute 1991 das ARD-Fernsehstudio in Algerien auf und berichtete viele Jahre über den algerischen Bürgerkrieg und die Entwicklungen in Marokko und Tunesien. Im vorliegenden Buch beschreibt er – scharfzüngig, pointiert – seine Erfahrungen mit dem Islam und Islamismus, mit intoleranten, fundamentalistischen, aber auch mit liberalen und aufgeklärten Muslimen, wobei von letzteren viele zu seinen guten Freunden zählen. [Mehr]

„Im Lichte der Evolution – Darwin in Wissenschaft und Philosophie“

Thema: Rezension, Wissenschaft |

Ein Opus Magnum des renommierten Wissenschaftlers – und GBS-Beirates – Prof. Gerhard Vollmer; 613 Seiten geballtes Wissen mit tiefgreifenden Erkenntnissen und einer Vielzahl weiterführender Gedanken zu einer der wichtigsten Entdeckungen des Homo sapiens, der Evolutionstheorie!

„Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Lichte der Evolution“ konstatiert 1973 der Biologe Theodosius Dobzhansky. Mittlerweile ahnen wir, dass diese Feststellung nicht nur für die Biologie gilt, sondern für nahezu alle Bereiche der Natur- und Geistesgeschichte, der materiellen und der immateriellen Welt, ja sogar für den gesamten Kosmos. [Mehr]

Warum wir glauben!

Thema: Esoterik, Religion, Wissenschaft |

Über die evolutionären Wurzeln religiöser (und esoterischer) Gläubigkeit

Ob Religion oder Esoterik, die meisten Menschen hängen einem Glauben an, selbst Atheisten sind nicht selten von der Kraft der Homöopathie, der Macht der Astrologie oder von alternativen Heilmethoden in Form diverser „Wunderkuren“ überzeugt. Kann es sein, dass wir Menschen, wie manche Evolutionsbiologen und Erkenntnistheoretiker meinen, zum Glauben programmiert (verdammt) sind?
Woher rührt das Bedürfnis nach einem religiösen Weltbild, warum ist es so tief in der menschlichen Psyche verankert? Nach den Kriterien der evolutionären Selektion haben sich nur Eigenschaften durchgesetzt, die von Nutzen sind – was nützt Homo sapiens der Glaube an das Unbeweisbare, das oftmals völlig Absurde und warum hat die Evolution ein so kostspieliges Phänomen wie Religion überhaupt hervorgebracht und am Leben erhalten? Rätsel, die die Wissenschaft im Zusammenhang mit Glauben seit langem beschäftigen; dazu auch die Frage, ob Religiosität und bestimmte Formen von Esoterik genetisch bedingt sind, oder auf religiösen Memen (Ideen), die sich erfolgreich vermehrt haben, beruhen. [Mehr]

Antisemitismus in der Jesuitenzeitschrift “La Civiltà Cattolica”

Thema: Religion |

 Von Dr. Anneliese Pongratz

Seit 165 Jahren erscheint alle zwei Wochen – weltweit verbreitet und in viele Sprachen übersetzt – die 1850 von Jesuiten in Neapel gegründete Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ (CC), deren Hauptaufgabe darin besteht, die Ansichten der katholischen Kirche zu zeitgenössischen Themen zu verbreiten.
Das Autorenkollegium steht dabei in enger Verbindung zum Papst, bzw. dem Apostolischen Stuhl, bis Mitte des 20. Jahrhunderts musste der Inhalt der Zeitschrift vom jeweiligen Direktor dem Papst und dem Kardinalstaatssekretär persönlich vorgelegt werden.
Seit ihrer Gründung beschäftigte sich die CC immer wieder auch mit dem Thema Judentum, in der Zeitschrift meist als „Judenfrage“ bezeichnet, wobei sich der Ton antijüdischer Kampagnen und Artikel ab 1880 bis zum 2. Weltkrieg laufend verschärfte; erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 kam es diesbezüglich zu einem Kurswechsel (11, S.13). [Mehr]

Der Religions-Reflex

Thema: Religion |

religulousBundespräsident Heinz Fischer traf sich mit diversen Religionsvertretern, um vor dem Hintergrund der Anschläge auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo über gemeinsame Werte zu diskutieren. Laut einem Posting auf der Homepage Fischers gibt es „kein Anliegen der Welt, schon gar kein religiöses Anliegen, dem man mit Mord und Totschlag dienen oder nützen kann!“1 In einem Statement, welches mitunter auch sehr durchdacht gestaltet ist, findet sich zudem der Satz: „Bibel, Tora und Koran sind Bücher der Liebe, nicht des Hasses.“ [Mehr]