Cunctos populos: Die geistige Wende in ein “Finsteres Mittelalter”!

Thema: Religion, Rezension, Wissenschaft |

Rolf Bergmeier: „Machtkampf. Die Geburt der Staatskirche“
Alibri Verlag Aschaffenburg, 2018, ISBN 978-3-426-86569-292-4, 205 Seiten

Am 28. Februar 380 verkündete Kaiser Theodosius den Erlass „Cunctos populos“, der im römischen Reich den Katholizismus zur Staatsreligion erhob. Der Historiker Rolf Bergmann schildert diesen „Sieg des Katholizismus und die Folgen für Europa“ (Untertitel des Buches) als epochales Ereignis, das die Welt nicht nur veränderte, sondern auch bis heute prägt. Wer die Bücher des Autors (z.B. „Schatten über Europa“) kennt, weiß, was ihn erwartet: Klare, zuweilen mit Ironie gewürzte Sprache, akribische, mit umfangreichem Quellenmaterial belegte Darstellung, stringente Analysen, gute Verständlichkeit in Verbindung mit zum Teil streitschriftartiger Erzählweise.

„Cunctos populos“ eröffnete die Dominanz der katholischen Religion in allen Phasen des Daseins: “Ein ganzer Kontinent verliert seine in Jahrhunderten gewachsene Identität. Bis Bürger die antike Welt in all ihrer Schönheit wieder ans Licht holen“ (S. 8). Das Buch beschreibt, wie in einer zerstückelten Religionslandschaft eine ausgewählte Religion zur machtvollsten der Welt wird, wie diese die Menschen in allen Bereichen ihres Lebens beherrscht und wie damit die kulturellen, zivilisatorischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in Mitteleuropa – im Gegensatz zu den byzantinischen und islamischen Hochkulturen – einen Tiefstand erreichen. Ein Religions-Tsunami rollte über Europas Geschichte hinweg, „ein Geist, der Europa mehr als tausend Jahre beherrschen wird und die Welt bis heute zu normieren sucht“ (S. 9). [Mehr]

„Ist Wissenschaft auch nur eine Form von Glaube?“

Thema: Philosophie, Religion, Wissenschaft | Tags: ,

Zitat aus einem neu erschienenen kulturphilosophischen Buch eines renommierten Universitätsprofessors, Religions- und Kulturwissenschaftlers:
„… Denn es zeigt sich, dass atheistische Naturwissenschaftler auf die gesamte Weltdeutung schließen wollen… genau und kritisch besehen sind auch die Grundannahmen der Atheisten, der Naturalisten und der Materialisten nur Glaubensannahmen und Vermutungen, aber keine Ergebnisse festen Wissens…..“

Dazu, sowie zu zahlreichen ähnlichen Aussagen folgende Anmerkungen:

  1. Was bedeutet „Glaube“, bzw. „Glaubensannahme“?
    a) Eine Wahrscheinlichkeitsannahme (falsifizierbar!).
    b) Eine Erwartung/Hoffnung (falsifizierbar).
    c) Ein ideologisches, dogmatisches oder religiöses „für wahr halten“ (nicht falsifizierbar!).

Im Zusammenhang mit (Natur)Wissenschaft bedeutet „Glaube“ ausschließlich „Wahrscheinlichkeitsannahme!
Karl Popper: „..unser Nichtwissen wird durch Wahrscheinlichkeit überbrückt und ergänzt…“

Zeitgemäße Methoden und Erkenntnisse der Wissenschaft basieren im Wesentlichen auf den von Karl Popper formulierten Prinzipien des Kritischen Rationalismus (KR):

a) KR beruht auf der metaphysischen Hypothese, dass es eine reale Welt gibt (siehe 2.a). Diese empirisch nicht überprüfbare Hypothese ist für die Naturwissenschaften unverzichtbar, sie ist jedoch kritisier- und prinzipiell falsifizierbar (im Gegensatz zu unkritisierbarer, dogmatischer Metaphysik!). Prinzipiell sollen jedoch metaphysische Annahmen so wenig wie möglich in wiss. Modelle eingehen („Metaphysik Minimierungsprogramm“).

b)
KR ist fallibilistisch, erkenntnisoptimistisch, objektivistisch und intersubjektiv auf der Basis der „Evolutionären Erkenntnistheorie“ mit der Grundaussage, dass Wissen grundsätzlich fehlbar und immer vorläufig ist. [Mehr]

Bertrand Russell: „Warum ich kein Christ bin“

Thema: Religion | Tags: ,

Auswahl von Zitaten mit Hervorhebungen und Unterstreichungen durch Gerfried Pongratz

Bertrand Russell – der zu den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts zu zählen ist – hielt den Vortrag “Why I am not a Christian” am 6. März 1927 unter der Schirmherrschaft der National Secular Society. Russell geht dabei besonders auf die Gottesbeweise und auf den Charakter Christi ein. Die Zitate sind dem gleichnamigen, 1963 im Münchner Szeszny Verlag erschienenen Buch entnommen.

Was ist unter dem Wort “Christ” zu verstehen? Es wird heutzutage von sehr vielen Menschen in einer recht allgemeinen Bedeutung gebraucht. Manche verstehen darunter bloß eine Person, die sich bemüht, ein gutes Leben zu führen. Ich verstehe unter einem Christen nicht irgendeine Person, die sich entsprechend ihren geistigen Fähigkeiten bemüht, anständig zu leben. Nach meiner Ansicht muß man ein gewisses Mindestmaß an festem Glauben besitzen, bevor man das Recht hat, sich einen Christen zu nennen.

 Was ist ein Christ?

Ich finde jedoch, dass es zwei Punkte gibt, die für jeden, der sich einen Christen nennt, wesentlich sind. Der erste ist dogmatischer Natur – dass man nämlich an Gott und die Unsterblichkeit glauben muß. Wenn Sie an diese beiden Begriffe nicht glauben, so können Sie sich nicht einen Christen nennen. Darüber hinaus muß man, wie schon der Name sagt, in irgendeiner Form an Christus glauben. Ich meine, man muß wenigstens daran glauben, dass Christus, wenn schon nicht göttlich, so doch zumindest der Beste und Weiseste der Menschen war. Wenn Sie nicht einmal soviel von Christus glauben, haben Sie meiner Ansicht nach kein Recht, sich als Christen zu bezeichnen.

Die Existenz Gottes:

Die katholische Kirche hat zum Dogma erhoben, dass sich die Existenz Gottes durch die Vernunft beweisen läßt. [Mehr]

Erkenntnisse, die die Welt veränderten, gut erklärt!

Thema: Rezension, Wissenschaft | Tags: ,

Rüdiger Vaas: “EINFACH EINSTEIN – Geniale Gedanken schwerelos verständlich”

„Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen…. Man kann nicht anders, als die Geheimnisse von Ewigkeit, Leben oder die wunderbare Struktur der Wirklichkeit ehrfurchtsvoll zu bestaunen. Es genügt, wenn man versucht, an jedem Tag lediglich ein wenig von diesem Geheimnis zu erfassen…“ (Albert Einstein).

Populärwissenschaftliche Bücher über Albert Einstein besitzen immerwährende Konjunktur, allein bei Amazon sind über 1.000 Titel zu finden und jedes Jahr kommen neue hinzu – dem bekannten Wissenschaftsreporter, Astronomie- und Physik-Redakteur Rüdiger Vaas gelingt es, mit „Einfach Einstein“ dieses Genre mit einem Glanzstück zu ergänzen. Gemeinsam mit dem Illustrator Gunther Schulz legt er ein kleines, aber sehr inhaltsreiches Werk vor, das Einsteins Entdeckungen und Theorien sowie damit verbundenes physikalisches und astronomisches Grundwissen gut verständlich aufbereitet, umfassend darstellt und damit den “Spagat” bewältigt, interessierten Laien wie auch informierten Lesern interessanten Lesestoff zu bieten, ohne die einen zu überfordern und die anderen zu langweilen. [Mehr]

“Ein Jahrhundertdenker – Karl R. Popper und die offene Gesellschaft”

Thema: Philosophie, Rezension, Wissenschaft | Tags: ,

Styria Buchverlage 2018, ISBN 978-3-222-15019 -7, 239 Seiten

 Meiner Meinung nach ist Karl Popper der größte Wissenschaftstheoretiker, der je gelebt hat“, so der Biologe (Nobelpreisträger) Sir Peter Medawar. Karl Raimund Popper (1902 – 1994) ist unbestritten einer der größten Denker des 20. Jahrhunderts, seine Erkenntnisse zur Wissenschaftstheorie, Sozialphilosophie, Politischen Theorie etc. haben sich als richtungsweisend erwiesen und gesellschaftspolitische Entwicklungen und Diskussionen sowie auch moderne wissenschaftliche Methodik entscheidend geprägt. Der Grazer Philosophieprofessor Kurt Salamun, ein ausgewiesener Kenner Karl Poppers, unternimmt den Versuch, den Gelehrten in seinen vielen Aspekten und seinem bedeutenden Wirken einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen; sein Buch bietet interessierten Lesern tiefe Einsichten in das äußerst umfangreiche Werk Poppers.

Um es vorwegzunehmen: des Autors Vorhaben ist hervorragend gelungenen! In auch für philosophisch Ungeübte gut verständlicher Sprache, sehr umfassend mit zahlreichen Originalzitaten und vielen Querverweisen (auch zu Kritikern) versehen, vermittelt das Buch Poppers Gedanken und Erkenntnisse zu freiem, rationalem Denken, zu kritischer Vernunft, zur Wertschätzung einer offenen, demokratischen Gesellschaft. Der Untertitel verweist auf Poppers wichtiges Anliegen, die „offene Gesellschaft“; darüber hinausgehend beleuchten die Ausführungen auch alle anderen Gebiete von Poppers Denken, das in seiner Tiefe und Vielseitigkeit seinesgleichen sucht. Kurt Salamun liegt dabei sehr daran, zu zeigen, „dass sich Poppers Philosophie nicht auf eine positivistisch orientierte Erkenntnis- und Wissenschaftslehre reduzieren lässt“, sondern „vielmehr das Bild eines kritisch-rationalen Menschentyps, der als normative Zielvorstellung eine Vorbildfunktion haben kann“ entwirft (S. 7). [Mehr]

Felix Mitterer “Mein Lebenslauf”

Thema: Rezension | Tags: ,

Der Tiroler Autor Felix Mitterer zählt zu den Größten der österreichischen, ja der gesamten deutschsprachigen Literatur, es gibt wohl nur wenige Menschen, die mit ihm nicht das eine oder andere persönliche Fernseh-, Theater- oder Hörspielerlebnis in Verbindung bringen. Mit seinen gesellschafts- und oftmals auch sehr religionskritischen Texten war und ist er seiner Zeit weit voraus und damit auch zahlreichen Widerständen und Anfeindungen ausgesetzt. Bei z.B. “Stigma” (Thema Exorzismus) gab es Aufstände und Wallfahrten, in seiner Autobiografie „Mein Lebenslauf” schreibt er dazu (S. 121): “Während jeder Vorstellung finden Wallfahrten … und Messen statt, in denen gegen das Stück gepredigt, aber auch manchmal um mein Seelenheil gebetet wird….”. “Die Beichte” thematisiert Kindesmissbrauch durch Kleriker: “Es geht hier um krankhafte, kriminelle Pädophilie, in der Hauptsache geht es um das Zölibat, darauf beharre ich nach den vielen Recherchen” (S. 381); In “Verlorene Heimat” beschreibt er die brutale Vertreibung der Zillertaler Protestanten durch die Katholiken und in zahlreichen weiteren Theaterstücken, Hörspielen und Drehbüchern wird das Thema Religiosität kritisch – oftmals ironisch, feinsinnig humorvoll – abgehandelt, bzw. beleuchtet.

In “”Literarische” Religionskritik anhand ausgewählter Werke von Felix Mitterer“ findet man: https://www.grin.com/document/311506

3.1 Mitterers Verhältnis zur Religion
In seinen Werken greift Felix Mitterer häufig die Katholische Kirche an. Auf die Frage, wie er zur Institution Kirche stehe und ob er ein gläubiger Mensch sei, antwortete Mitterer in einem Interview Folgendes: “Ich stehe sehr kritisch zur Katholischen Kirche, ich kritisiere diese Institution, sie hat viel angerichtet. Aber es gibt keinen Hass oder Antiklerikalismus. Ob ich ein gläubiger Mensch bin, kann ich nicht beurteilen. Obwohl ich vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten bin, kann ich möglicherweise gläubiger sein als ein eingetragener Katholik.” (Mitterer & Demel 1995, S.38)
In seinem Stück “Krach im Hause Gott” greift Mitterer die Anliegen der feministischen Theologie auf, was ihm bereits vor der Ausstrahlung des Hörspiels eine Anzeige wegen Religionsverhöhnung einbrachte. Ausgangspunkt für dieses Werk war, dass Mitterer schon seit Jahren das Weibliche an der christlichen Religion vermisste. In diesem Mysterienspiel lässt er deshalb Maria der Männerrunde klarmachen, dass die Menschheit “in die Irre geht, weil Gott Vater selbst und nach seinem Vorbild die christliche Religion ‘das Weibliche’ vernachlässigt und verdrängt habe” (Mitterer & Demel 1995, S.114) und will damit sein Publikum auf unterhaltsame Weise mit theologischen Problemstellungen, überhaupt mit den Auswirkungen der monotheistischen Religion konfrontieren.
Auch in seiner Version des “Jedermann” dient bereits der rüde Ton in den Eingangspassagen – satirisch und ironisch – der Demontage von veralteten religiösen Vorstellungen. “Persiflierende Bezeichnungen der drei göttlichen Personen” (Mitterer & Demel 1995, S.109) und andere Kraftäußerungen werden bewusst als sprachliche Mittel zur Anprangerung und zum Abbau von religiösen Klischees eingesetzt.

Rezension
Felix Mitterer “MEIN LEBENSLAUF”

Felix Mitterer, ein Name, der jedem Literatur- und Theaterfreund geläufig ist und den wohl auch die meisten Film- und Fernsehfreunde kennen: Als Autor von mittlerweile 50 Theaterstücken, 30 Drehbüchern, 6 Hörspielen und mehreren Büchern; als Träger zahlreicher hoher Auszeichnungen und nicht zuletzt als beeindruckenden Schauspieler – kurzum als Darsteller und Literaten, der zu den bedeutendsten Schriftstellern des deutschsprachigen Raumes zählt. [Mehr]

Rana Ahmed: “Frauen dürfen hier nicht träumen”

Thema: Islam, Laizität, Politik, Religion, Rezension | Tags: ,

Die spannendsten Geschichten schreibt das Leben selbst“, Rana Ahmads uneingeschränkt empfehlenswertes Buch liefert den Beweis; ihre in Teilen „unter die Haut gehende“ Biografie berührt in mehrfacher Hinsicht:

Als überaus farbig, sehr gut erzählte Lebensgeschichte einer jungen, mutigen Syrerin, die in Riad in Saudi Arabien in einer streng gläubigen muslimischen Familie aufwächst und nach und nach – mit dramatischen Erlebnissen und biografischen Einbrüchen – sich von der totalen Kontrolle und Fremdbestimmtheit der patriarchalen Welt einer alles beherrschenden Religion zuerst mental, dann auch real befreit und auf einer abenteuerlichen Flucht nach Deutschland retten kann. [Mehr]

Regierungsbildung in Österreich: Bedenken zur fehlenden Trennung von Staat und Religion

Thema: Uncategorized |

Aufgrund des Ergebnisses der Nationalratswahlen vom 15. Oktober 2017 wurde in Österreich von ÖVP und FPÖ eine türkis-blaue Regierung gebildet. Es wird darauf zu achten sein, dass die in ihrer Legislaturperiode erlassenen Gesetze dem Erfordernis der strikten Trennung von Religion und Staat entsprechen.

Die von der „Giordano Bruno Stiftung Österreich“ (GBRÖ) vertretenen österreichischen Agnostiker und Atheisten möchten mit diesem Beitrag auf wichtige von ihnen im Regierungsprogramm festgestellt Defizite aufmerksam machen. Vor allem möchten sie feststellen, dass es nicht im Sinne der liberalen Verfassung Österreichs gelegen ist, religiöse und ideologische Ansichten und Wertvorstellungen in einer Weise im Regierungsprogramm festzuschreiben, die Liberaldenkende als Bevormundung oder Unterjochung empfinden.

Die österreichische Verfassung ist hinsichtlich ihrer Aussage zur Rolle der Religion im Staat eindeutig:

Artikel 1. B-VG lautet:

Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“

Artikel 7. B.VG lautet:

(1) Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen. […]

Artikel 14 StGG lautet:

Die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit ist Jedermann gewährleistet.

Der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntnisse unabhängig; doch darf den staatsbürgerlichen Pflichten durch das Religionsbekenntniß kein Abbruch geschehen.

Niemand kann zu einer kirchlichen Handlung oder zur Theilnahme an einer kirchlichen Feierlichkeit gezwungen werden, in sofern er nicht der nach dem Gesetze hiezu berechtigten Gewalt eines Anderen untersteht.“

Artikel 63 Staatsvertrag von St. Germain, lautet:

Österreich verpflichtet sich, allen Einwohnern Österreichs ohne Unterschied der Geburt, Staatsangehörigkeit, Sprache, Rasse oder Religion vollen und ganzen Schutz von Leben und Freiheit zu gewähren.

Alle Einwohner Österreichs haben das Recht, öffentlich oder privat jede Art Glauben, Religion oder Bekenntnis frei zu üben, sofern deren Übung nicht mit der öffentlichen Ordnung oder mit den guten Sitten unvereinbar ist.“

Hieraus geht hervor, dass nur eine strikte Trennung von weltanschaulichen Anschauungen und Staat verfassungskonform ist. Eine Auffassung, die die beiden neuen Regierungsparteien offenbar nicht in aller Konsequenz teilen.

Von den beiden Regierungsparteien hat nur die ÖVP auf die von der „Giordano Bruno Regionalgruppe Österreich“ GBRÖ vor der Wahl ausgesandten Wahlprüfsteine geantwortet. Auf die Frage nach der weltanschaulichen Neutralität antwortete sie:

Wir bekennen uns zum aufklärerischen Prinzip der Trennung zwischen Staat und Religion. Das staatliche Recht und unsere Verfassung sind zwar von unserem christlich-jüdischen Erbe inspiriert, dürfen aber durch keine religiösen Regeln ausgehebelt oder in Frage gestellt werden. Das heißt für uns aber auch nicht, unsere Tradition und unser kulturelles Erbe zu verstecken. Für uns ist klar: Das Kreuz im öffentlichen Raum sowie christliche Feiertage, Feste und Bräuche sollen weiter erhalten bleiben.“

Das „neue Grundverständnis“

Auch die Politik braucht ein neues Grundverständnis. Wir müssen wegkommen vom falschen Stil des Streits und der Uneinigkeit und einen neuen Stil des positiven Miteinanders leben. Statt Bevormundung von oben herab geht es darum, einen echten Dienst an den Österreicherinnen und Österreichern zu leben, der die Bürgerinnen und Bürger ernst nimmt und sie einbindet.“

So heißt es im Vorwort des Regierungsprogramms von ÖVP und FPÖ. Dieser Satz klingt schön, aber Uneinigkeit und Auseinandersetzungen gehören zum menschlichen Leben. Dabei lässt sich das Streiten oftmals nicht vermeiden. Die Taktik, dass Menschen, die andere zu dominieren beabsichtigen, ständig nur vom Gemeinsamen sprechen und Strittiges unter den Tisch kehren wollen, ist bekannt. Soweit dieser Satz ein Leitfaden für die Arbeit der Regierungsparteien ist, mag er in die richtige Richtung gehen. Es genügt aber nicht, wenn sich die beiden Regierungsparteien einig sind: Österreich besteht aus Einwohnern, von denen die meisten auch österreichische Staatsbürger sind. Um für alle ein Staat zu sein, werden viele Angelegenheiten strittig sein und bleiben. Dabei ist eine angemessene Streitkultur ehrlicher und realitätsnäher als Gleichmacherei. Denn es sind zwar

52% der Österreicher mit dem Regierungsprogramm der ÖVP/FPÖ Regierung zufrieden, 36% jedoch nicht. http://www.oe24.at/tv/news/Fellber-LIVE … /314103896

Die Frage ist, wie diese Minderheit in Politik und Gesellschaft mit einbezogen werden kann. Man kann sie und ihre Anliegen ja nicht links liegen lassen.

Die Grundprinzipien des Regierungsprogramms:

Das Regierungsprogramm führt in einem eigenen Abschnitt die ihm zugrunde liegenden Grundprinzipien an. Bereits diese lassen erkennen, wie sehr das Programm von konservativen Gedankengängen beherrscht ist. Eine Stellungnahme zu den einzelnen Punkten ist kaum möglich, weil verschiedene Gesichtspunkte in einer Fragestellung vermengt werden. Man muss schon genau lesen, um vorhandene Mehrdeutigkeiten zu erkennen. Zum Beispiel:

Heimat:

Wir wollen unsere Heimat Österreich als lebenswertes Land mit all seinen kulturellen Vorzügen bewahren. Dazu gehört auch, selbst zu entscheiden, wer als Zuwanderer bei uns leben darf und illegale Migration zu beenden.“

Der erste Satz weist auf eine konservative Erhaltung „aller Vorzüge“ hin. Was genau sind diese kulturellen Vorzüge? Sollen diese auch zu Lasten von notwendigen Veränderungen erhalten werden? Die im gleichen Atemzug genannte Zuwanderung und illegale Migration vernebeln die Aussagen des ersten Satzes.

Wie ist es mit der Familie?

Die Familie als Gemeinschaft von Frau und Mann mit gemeinsamen Kindern ist die natürliche Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesellschaft und garantiert zusammen mit der Solidarität der Generationen unsere Zukunftsfähigkeit. Für uns stehen vor allem die Kinder im Mittelpunkt – Familie soll ein Ort sein, wo sie behütet aufwachsen können und gut auf das Leben vorbereitet werden.“

Was ist mit Patchworkfamilien, Lebensgemeinschaften von Unverheirateten oder gleichgeschlechtlichen Familien und deren Kindern? Sie entsprechen zwar nicht konservativen Idealen, sind aber Wirklichkeiten, die vom Staat nicht ignoriert werden dürfen.

Nachhaltigkeit (Schöpfung):

Unser Verständnis von Verantwortung für die Schöpfung reicht über die Gegenwart hinaus. Die Politik soll den Anforderungen und Bedürfnissen der nächsten Generation entsprechen. Der nachhaltige Umgang mit der Natur und eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung sind keine Gegensätze, sie bedingen einander.”

Was soll hier das Wort „Schöpfung“?

Was bedeuten unvollständige und einseitig konservative Prinzipien, die in viele Richtungen deutbar sind? Bereits aus solchen ist ersichtlich, dass das Regierungsprogramm wenig Bindendes enthält.

Volksbegehren und Volksbefragung

Ein großer und bedeutender Wurf des Regierungsprogramms ist die stufenweise Einführung der Volksbefragung. Im ersten Schritt wird das bereits bestehende Volksbegehren weiterentwickelt. Dabei werden Erfahrungen gesammelt, die für die Einführung der Volksbefragung wichtig sind. Auf Details soll hier nicht eingegangen werden.

Ad-hoc-Gemeinschaften

Für die österreichischen Atheisten und Agnostiker sind all diese Veränderungen Chancen und Aufgabe zugleich. Jedoch nur, wenn sie lernen, politisch und nicht nur ideologisch zu agieren. Politische Bewegungen, die angenommen werden wollen, müssen immer wieder für sie gangbare Allianzen und Kompromisse schließen. Wenn wir prüfen, was vom atheistischen Standpunkt aus gesehen im Regierungsprogramm untragbar erscheint, werden wir sofort erkennen, dass auch Andersdenkende dies so sehen werden. Es geht hier nicht um eine Nivellierung von weltanschaulichen Überzeugungen, sondern um die Förderung und das Zusammenwirken von Ad-hoc-Gemeinschaften zwischen österreichischen Staatsbürgern, die über alle Grenzen hinweg, punktuell gemeinsame Ziele verfolgen. In diesen Sinn bekennt sich die GBRÖ auch öffentlich zur Solidarität mit allen jenen, die gegen den von der Regierung angestrebten Sozialabbau ankämpfen. Zu nennen sind insbesondere die einschlägigen Bemühungen der Wahlverlierer – auch wenn sie, wie die Grünen, keinen Zugang zum Parlament haben – sowie aller gesellschaftskritischen Oppositionsparteien. Wer zwischen Handeln und Motiv zum Handeln unterscheidet, wird keine Probleme damit haben, sich sogar mit weltanschaulich gebundenen Vereinigungen, wie etwa der Caritas, in einer Weise zu solidarisieren, die seine Grundüberzeugung nicht beschädigt.

Ebenfalls erscheint es wichtig, das politische Geschehen in den Bundesländern zu verfolgen. Insbesondere soll dem Landeshauptmann von Wien hier signalisiert werden, dass wir hinter seinen Bemühungen stehen, den von den Regierungsparteien beabsichtigten Sozialabbau zu mildern, und – wenn möglich – zu verhindern. Dabei geht es nicht um Parteipolitik, sondern ausschließlich um den Widerstand gegen den von der Regierung betriebenen Sozialabbau.

Sozialabbau als versteckte Besteuerung

Österreich braucht dringend ein ausgeglichenes Budget. Das sei außer Streit gestellt. Das darf jedoch nicht vorrangig durch Kürzungen im Sozialbereich erreicht werden. Der Grundsatz der Regierung, der Bevölkerung keine neuen Steuern aufzuerlegen, ist kaum erfüllbar. Der Weg, den Ärmsten der Armen die für sie notwendigen Sozialleistungen zu streichen, ist sicher der Falsche. Es ist nicht egal, ob neue Steuern eingeführt oder die armutsgefährdeten Mitbürger zur Budgetsanierung herangezogen werden. Zwar muss das Geld von irgendwo herkommen. Weil jedoch jeder nur ein einziges Leben hat, ist es Unrecht, Reiche zu schonen und Armen auch noch das letzte Bisschen zu nehmen, was sie noch haben und damit die Staatsausgaben zu decken.

Flüchtlingsfrage und politischer Islam

Die Flüchtlingsfrage und der politische Islam gehören zu den heikelsten Themen Europas. Die von beiden Regierungspartnern eingebrachten Haltungen waren für den Wahlausgang vielfach ausschlaggebend. Dass hier Ordnung geschaffen werden muss, ist klar, das Wie aber noch nicht. Es ist nur zu hoffen, dass die Bemühungen um Integration greifen, und es wird viel Wasser donauabwärts fließen, bis wirklich sachgerechte Lösungen gefunden werden. Die Bereitschaft, dabei konstruktiv mitzuwirken, ist bei den österreichischen Agnostikern und Atheisten vorhanden. Weil aber niemand zaubern kann und die Themen äußerst emotional besetzt sind, fällt das richtige Urteilen und Handeln schwer. Unabdingbar ist jedoch, dass auch Flüchtlinge und Muslime an die in unserer Verfassung festgelegten Trennung von Religion und Staat gebunden sind.

Zum Abschluss

Die neue Regierung wurde in einer freien und den Grundsätzen der Demokratie entsprechenden Wahl gewählt. Außerdem standen die für das Entstehen der Koalition Verantwortlichen in ständigem Kontakt mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Die durch die „Giordano Bruno Regionalgruppe Österreich“ GBRÖ vertretenen österreichischen Agnostiker und Atheisten respektieren die nunmehr zustande gekommene Regierung. Das hindert sie aber nicht, deren Handlung kritisch zu beobachten. Dabei geht es ihnen nicht nur um die Trennung von Weltanschauung und Staat. Sie lehnen auch den Versuch ab, Österreich wie einen Privatbetrieb gewinnbringend zu führen und dabei die Verantwortung der Regierung für das Gemeinwohl zu vergessen. Auch die, welche ohne wirksame Hilfe der Gesellschaft nicht fähig sind, ein menschenwürdiges Leben zu führen, sind Staatsbürger, die nicht zu Gunsten anderer Interessen beiseite geschoben werden dürfen. Zusammen mit den ungelösten Fragen der Integration und des politischen Islams, ist dieser Frage eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Text des Regierungsprogramms:

http://www.salzburg.com/download/2017-12/Regierungsprogramm.pdf

Plädoyer für ein erfülltes Leben ohne Gott

Thema: Religion, Rezension | Tags: ,

Philipp Möller: „GOTTLOS GLÜCKLICH – warum wir ohne Religion besser dran wären“.  Fischer Taschenbuch, 2017, ISBN 978-3-59629880-8, 320 Seiten.

Wer die vorhergehenden Bücher „”Isch geh Schulhof”, “Bin isch Freak?“ und „Isch hab Geisterblitz“ von Philipp Möller kennt, weiß, was ihn mit „Gottlos glücklich“ erwartet: Entlang persönlicher Erfahrungen und weiterführender Gedanken eine humorvolle, zuweilen auch bissige Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema – hin zu einem Plädoyer für „ein erfülltes Leben ohne Gott!“

Frömmigkeit verbindet sehr, aber Gottlosigkeit noch viel mehr“ meinte Goethe, dem Autor gelingt es auf lockere Weise, diese Aussage unter Beweis zu stellen. Akteure wie Philipp Möller und Organisationen, wie die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), tragen wesentlich dazu bei, dass es zu „gottloser Fröhlichkeit“ (Adolf Holl) kommen kann und der Begriff „gottlos glücklich“ in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden hat. Möller schildert die Hintergründe und den Ablauf säkularer Kampagnen, die von der gbs durchgeführt wurden, oder im direkten Umfeld der Stiftung entstanden sind. Beginnend mit der viel beachteten “gottlosen“ Buskampagne beschreibt er sein persönliches – von vielen Mitstreitern und der gbs unterstütztes – Bemühen, ungerechtfertigte Kirchenprivilegien und absurde Glaubensdogmen mit den daraus resultierenden Widerständen gegen eine offene Gesellschaft und einen weltanschaulich neutralen Staat aufzuzeigen, bzw. zu bekämpfen. [Mehr]

Nationalratswahl 2017: Antworten der Parteien auf unsere Wahlprüfsteine

Thema: GBS (at), Islam, Kirchenprivilegien, Konfessionsfreie, Laizität, Moral / Ethik, Politik, Religion |

An alle Parteien haben wir am 6.9.2017 unsere acht Fragen geschickt und folgende Antworten haben wir bereits bekommen:

ÖVP, DIE VOLKSPARTEI

SPÖ, SOZIALDEMOKRATISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

NEOS

WEISSEN

MÄNNERPARTEI

OBDACHLOSE IN DER POLITIK

 


ÖVP

1. Weltanschauliche Neutralität des Staates

Der Staat ist die Heimat aller Bürger und hat gleichen Abstand zu allen weltanschaulichen Bekenntnissen zu wahren. Wie stehen Sie zu expliziten Gottesbezügen in Verfassungen und Schulgesetzen? Wie stehen Sie zu religiösen Symbolen in Gerichtssälen, Amtsstuben und Schulräumen?

Wir bekennen uns zum aufklärerischen Prinzip der Trennung zwischen Staat und Religion. Das staatliche Recht und unsere Verfassung sind zwar von unserem christlich-jüdischen Erbe inspiriert, dürfen aber durch keine religiösen Regeln ausgehebelt oder in Frage gestellt werden. Das heißt für uns aber auch nicht, unsere Tradition und unser kulturelles Erbe zu verstecken. Für uns ist klar: Das Kreuz im öffentlichen Raum sowie christliche Feiertage, Feste und Bräuche sollen weiter erhalten bleiben.

2. Rechtlicher Status weltanschaulicher Organisationen

Der Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) setzt die Gewähr der Dauer voraus und bietet weitreichende Binnenautonomie im Rahmen eines historisch gewachsenen Privilegienbündels. Halten Sie den K.d.ö.R.-Status für Kirchen und Religionsgemeinschaften in der weltanschaulich pluralen, individualisierten Gesellschaft für zukunftsfähig? Welche Schritte zu einer weitergehenden Trennung von Staat und Kirche, von öffentlicher und religiöser Sphäre streben Sie an? Wie stehen Sie zu Konkordaten und zu Staatsverträgen mit religiösen, aber auch mit nichtreligiösen Gemeinschaften?

Wie zu Recht festgehalten ist Österreich ein vielfältiges, pluralistisches Land. Institutionen der in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften leisten dazu ebenso einen Beitrag wie Einrichtungen mit einem anderen, nicht religiösen Hintergrund. Gerade der Beitrag von kirchlichen Einrichtungen im Bereich des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesens ist beachtlich. Er trägt zur bestehenden Qualität und der Vielfalt des entsprechenden Angebots bei. Dieses System sollte beibehalten werden.

Was den Bereich des Islam betrifft hat Österreich mit dem Beschluss eines neuen Islamgesetzes die gesetzliche Grundlage für die Entwicklung eines Islams europäischer Prägung gelegt. Wir haben dabei auch gegen massive Widerstände den Vorrang des staatlichen Rechts vor religiösen Vorschriften klar definiert. Auf Basis dieses Gesetzes hat die öffentliche Hand nun die Möglichkeit gegen etwaige Fehlentwicklungen vorzugehen.

3. Weltanschauliche Trägervielfalt

Kinderbetreuungs- und Sozialeinrichtungen, Senioren- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser werden im Sinne des Subsidiaritätsprinzips oft in freier Trägerschaft betrieben. Viele dieser Einrichtungen sind kirchlich geprägt, werden aber weit überwiegend öffentlich finanziert. Sehen Sie die Notwendigkeit, in allen Teilen Österreichs nichtreligiöse Trägerschaften sicherzustellen bzw. zu fördern, die dem konfessionsfreien Anteil der Bevölkerung entsprechen? Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem ausreichenden Angebot an weltanschaulich neutraler Früherziehung und Betreuung? Wie stehen Sie zu Religionserziehung in öffentlichen Kindergärten?

Ein starkes Österreich braucht neben dem Staat auch eine aktive Bürgergesellschaft, in der Menschen Verantwortung übernehmen. Denn für uns hat der Staat die Grundversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger in allen gesellschaftlichen Bereichen sicherzustellen, er darf aber kein Monopol auf Bereiche wie Bildung, Kinderbetreuung oder Soziales haben. Wichtig ist, dass in all den besagten Bereichen die Qualität der Leistungen im Vordergrund steht. Dort, wo zivilgesellschaftliche Einrichtungen wichtige Aufgaben für die Gemeinschaft erfüllen, ist – unabhängig der Trägerschaft – auf die volle Einhaltung aller bestehenden Auflagen und Regeln zu achten.

Im Bildungswesen geht es darum, Kinder und Jugendliche auf die Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt zeitgemäß vorzubereiten. Jedwede Form der Bildungsarbeit kann nur auf Basis unserer Werte- und Gesellschaftsordnung erfolgen. Gerade bei elementarpädagogischen Einrichtungen in Wien gab es hier in den vergangenen Jahren massive Fehlentwicklungen. Die Stadt Wien hat die Entstehung von islamistischen Einrichtungen zugelassen, die Kinder im Widerspruch zu unserer allgemein gültigen Rechtsordnung erziehen wollen. Es ist unser Ziel, in der kommenden Legislaturperiode die Entstehung solcher Einrichtungen durch entsprechende gesetzliche Regelungen grundsätzlich zu verhindern bzw. zu verbieten.

4. Wertebildende Schulfächer

Die weltanschaulichen Wertefächer sind unterschiedlich und durch Schulexperimente sehr komplex geregelt. Die meisten Regelungen schreibt Religionsunterricht an öffentlichen Schulen als ordentliches Lehrfach fest. Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem integrativen Werte- oder Ethikunterricht, der die Schülerschaft nicht nach Konfessionen trennt? Wie sehen Sie die Aussichten für eine Umwandlung des konfessionellen Religionsunterrichts in einen übergreifenden Religionskundeunterricht? Wie stehen Sie zu weltanschaulichen Schulfächern in säkularer Trägerschaft, etwa Humanistische Lebenskunde oder Freireligiösen Unterricht? Sollte der Staat im Rahmen des Bildungssystems nicht viel mehr unseren Kindern bis zu Religionsmündigkeit Werkzeuge in die Hand geben um ihnen fundierte Entscheidungsgrundlage zum eigenem Weltbild zu ermöglichen sowie durch das Wissen Verständnis für Andere zu fördern anstatt ideologische Isolation zu unterstützen?

Die Auseinandersetzung mit den Grundfragen des Lebens, allgemein gültigen Werten und der Frage, an welchen Maßstäben wir unser Handeln messen, ist eine wichtige Grundlage für das restliche Leben. Damit sich alle Kinder mit diesen Grundlagen in ihrer Schulzeit auseinandersetzen können, schlagen wir vor, dass es einen verpflichtenden Ethikunterricht für all jene geben soll, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen. Der Religionsunterricht selbst sollte neben dem Fokus auf die eigene Religion auch ein Grundwissen über andere religiöse Lehren in unserer Gesellschaft vermitteln.

5. Öffentliche Trauer- und Gedenkkultur

Die Kirchen sind bewährte Partner eines kulturspezifischen Ritenangebots. Die Gesellschaft ist jedoch religiös plural und zu einem wachsenden Anteil nichtreligiös geworden. Setzen Sie sich dafür ein, dass öffentliche Trauer- und Gedenkveranstaltungen entweder weltanschauungsübergreifend (z.B. durch mehrere gleichberechtige Sprecher bzw. Gestaltungselemente) oder aber strikt weltanschauungsneutral durchgeführt werden?

Respekt und Toleranz für die unterschiedlichsten Religionen und Gemeinschaften ohne religiösen Hintergrund heißt für uns nicht, unsere Tradition und unser kulturelles Erbe zu verstecken. Bei Ereignissen wie einer Trauerveranstaltung (Beerdigung, etc.) muss die Entscheidung über das Zeremoniell vor allem bei den betroffenen Privatpersonen und deren Familien liegen. Wo der Fokus nicht auf bestimmte Personen liegt, muss ein Weg gefunden werden, der unsere kulturellen Traditionen ausreichend berücksichtigt und gleichzeitig allen Menschen offensteht und diese bestmöglich anspricht.

6. Pluralitätssensible

Medienpolitik Bei den Sendeinhalten sind kirchennahe Positionen und in den Medienräten sind kirchliche Vertreter immer noch weit stärker repräsentiert, als es der schleichenden Auflösung ihres früheren Wertemonopols entspricht. Was werden Sie unternehmen, um die Repräsentanz säkularer Positionen und säkularer Kräfte in den öffentlichen Medien zu stärken?

So wie überall im öffentlichen Bereich, muss die Politik den weltanschaulichen Pluralismus unseres Landes und die Meinungs- und Gesinnungsfreiheit natürlich auch in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien sicherstellen und fördern. Aufgabe von öffentlich-rechtlichen Medien ist es, alle Gruppen und Gemeinschaften der Bevölkerung mit ihrem Programm angemessen anzusprechen und ihnen – entsprechend der Zusammensetzung unserer Gesellschaft – ein kulturell ausgewogenes Angebot zu machen.

7. Strafrechtliche Regelungen

Trotz eines weitreichenden gesellschaftlichen Grundkonsenses über die Regeln des Zusammenlebens in der pluralen Gesellschaft sind einige Strafrechtsnormen älteren wie neueren Datums noch von weltanschaulichen Vorurteilen bzw. Vorverurteilungen geprägt. Werden Sie sich dafür einsetzen, den §188 StGB abzuschaffen, weil sein Schutzzweck durch andere bestehende Normen hinreichend erreicht wird? Werden Sie auf eine Abschaffung/Abänderung des §77 StGB hinarbeiten, der die höchst private Autonomie am Lebensende ungebührlich einschränkt und Freitodbegleitung kriminalisiert?

Für das Zusammenleben der unterschiedlichen religiösen und nicht-religiösen Gemeinschaften in unserem Land ist gegenseitiger Respekt von grundlegender Bedeutung – das gilt speziell in einer von Pluralismus sowie Meinungs- und Glaubensfreiheit geprägten Gesellschaft. Eine gewisse Sensibilität für die weltanschaulichen Überzeugungen des anderen – solange diese sich im Rahmen unserer Verfassung und Gesetze bewegen – sollte daher eine Grundregel in unserem Zusammenleben sein und sich auch in unserer Rechtsordnung niederschlagen.

Wir setzen uns als Volkspartei für den Schutz des Lebens ein. Dazu gehören Rahmenbedingungen, die ein würdevolles Leben im Alter ermöglichen. Mit der Abschaffung des Pflegeregresses wurde hier ein wichtiger Schritt gesetzt, um finanzielle Risiken von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen abzusichern. Zudem wollen wir die Hospiz- und Palliativpflege weiter ausbauen und in die Regelfinanzierung überführen.

8. Evidenzbasierte Entscheidungen

Verschiedene historisch gewachsene Positionen und Ideologien dominieren politische Entscheidungen. Wären Sie bereit auf Anfrage mit evidenzbasierenden Fakten und überprüfbaren zu erwartenden Auswirkungen zu begründen/zu erklären?

Unsere Politik muss sich stets nach Fakten und Tatsachen richten und gleichzeitig eine Antwort auf die Bedürfnisse der Menschen in unserem Land bieten. Auch wenn unsere Positionen und Meinungen – so wie in jeder Partei – Ergebnis einer politischen Interessensabwägung sind, müssen diese nach bestem Wissen und Gewissen auf Grundlage wahrheitsgetreuer Argumente begründbar sein.


SPÖ

1. Weltanschauliche Neutralität des Staates

Der Staat ist die Heimat aller Bürger und hat gleichen Abstand zu allen weltanschaulichen Bekenntnissen zu wahren. Wie stehen Sie zu expliziten Gottesbezügen in Verfassungen und Schulgesetzen? Wie stehen Sie zu religiösen Symbolen in Gerichtssälen, Amtsstuben und Schulräumen?

Die SPÖ spricht sich klar für eine weltanschauliche Neutralität des Staates aus. Daher sind wir auch entschieden dagegen, Gottesbezüge in Gesetze einzubauen.

Die SPÖ steht außerdem zu den derzeitigen Bestimmungen zur Anbringung von religiösen Symbolen.

2. Rechtlicher Status weltanschaulicher Organisationen

Der Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) setzt die Gewähr der Dauer voraus und bietet weitreichende Binnenautonomie im Rahmen eines historisch gewachsenen Privilegienbündels. Halten Sie den K.d.ö.R.-Status für Kirchen und Religionsgemeinschaften in der weltanschaulich pluralen, individualisierten Gesellschaft für zukunftsfähig? Welche Schritte zu einer weitergehenden Trennung von Staat und Kirche, von öffentlicher und religiöser Sphäre streben Sie an? Wie stehen Sie zu Konkordaten und zu Staatsverträgen mit religiösen, aber auch mit nichtreligiösen Gemeinschaften?

Die derzeitigen gesetzlichen Grundlagen zur Regelung des Verhältnisses zwischen Staat, Kirchen und Religionsgemeinschaften gelten im internationalen Vergleich als vorbildhaft und sollten daher beibehalten werden. Die SPÖ steht selbstverständlich auch zum Konkordat.  

3. Weltanschauliche Trägervielfalt

Kinderbetreuungs- und Sozialeinrichtungen, Senioren- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser werden im Sinne des Subsidiaritätsprinzips oft in freier Trägerschaft betrieben. Viele dieser Einrichtungen sind kirchlich geprägt, werden aber weit überwiegend öffentlich finanziert. Sehen Sie die Notwendigkeit, in allen Teilen Österreichs nichtreligiöse Trägerschaften sicherzustellen bzw. zu fördern, die dem konfessionsfreien Anteil der Bevölkerung entsprechen? Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem ausreichenden Angebot an weltanschaulich neutraler Früherziehung und Betreuung? Wie stehen Sie zu Religionserziehung in öffentlichen Kindergärten?

Sofern die qualitativen Anforderungen erfüllt werden und die Rahmenbedingungen stimmen, gibt es vonseiten der SPÖ keinen Grund die Ungleichbehandlung von konfessionellen und nichtkonfessionellen Privatschulen aufrechtzuerhalten.

Im Kindergarten ist religiöse Neutralität zu wahren. Feste, die zur österreichischen Tradition gehören wie z.B. das Martinsfest, das Nikolausfest, Weihnachten und Ostern sollen aber nicht aus dem Kindergarten verbannt werden. Aber auch Feste anderer Konfessionen/Religionsgemeinschaften sollten je nach Bedarf und Wunsch gefeiert werden können.

4. Wertebildende Schulfächer

Die weltanschaulichen Wertefächer sind unterschiedlich und durch Schulexperimente sehr komplex geregelt. Die meisten Regelungen schreibt Religionsunterricht an öffentlichen Schulen als ordentliches Lehrfach fest. Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem integrativen Werte- oder Ethikunterricht, der die Schülerschaft nicht nach Konfessionen trennt? Wie sehen Sie die Aussichten für eine Umwandlung des konfessionellen Religionsunterrichts in einen übergreifenden Religionskundeunterricht? Wie stehen Sie zu weltanschaulichen Schulfächern in säkularer Trägerschaft, etwa Humanistische Lebenskunde oder Freireligiösen Unterricht? Sollte der Staat im Rahmen des Bildungssystems nicht viel mehr unseren Kindern bis zu Religionsmündigkeit Werkzeuge in die Hand geben um ihnen fundierte Entscheidungsgrundlage zum eigenem Weltbild zu ermöglichen sowie durch das Wissen Verständnis für Andere zu fördern anstatt ideologische Isolation zu unterstützen?

Die SPÖ steht selbstverständlich zum konfessionellen Religionsunterricht, wie er auf Basis des Konkordats im Religionsunterrichtsgesetz (2/3-Mehrheit-Erfordernis im Nationalrat) festgelegt ist. Die Frage des Ethikunterrichts wurde zuletzt 2011 in einer Parlamentarischen Enquete beraten. Die SPÖ steht weiteren Verhandlungen über die Ausgestaltung auf parlamentarischer Ebene in der nächsten Gesetzgebungsperiode offen gegenüber.

5. Öffentliche Trauer- und Gedenkkultur

Die Kirchen sind bewährte Partner eines kulturspezifischen Ritenangebots. Die Gesellschaft ist jedoch religiös plural und zu einem wachsenden Anteil nichtreligiös geworden. Setzen Sie sich dafür ein, dass öffentliche Trauer- und Gedenkveranstaltungen entweder weltanschauungsübergreifend (z.B. durch mehrere gleichberechtige Sprecher bzw. Gestaltungselemente) oder aber strikt weltanschauungsneutral durchgeführt werden?

Öffentliche Veranstaltungen, sofern sie religiöse Riten beinhalten, werden mittlerweile über weite Strecken ökumenisch durchgeführt. Auch weltanschauungsneutrale Elemente haben natürlich ihren Platz.

6. Pluralitätssensible

Medienpolitik Bei den Sendeinhalten sind kirchennahe Positionen und in den Medienräten sind kirchliche Vertreter immer noch weit stärker repräsentiert, als es der schleichenden Auflösung ihres früheren Wertemonopols entspricht. Was werden Sie unternehmen, um die Repräsentanz säkularer Positionen und säkularer Kräfte in den öffentlichen Medien zu stärken?

Die religiöse Vielfalt ist auch in Österreich größer geworden, auch innerhalb der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Noch immer sind ca. 74 Prozent der Menschen Mitglieder einer der christlichen Kirchen (römisch-katholisch, altkatholisch, eine wachsende Zahl orthodoxe Christen, protestantisch); 8 Prozent sind muslimisch, ca. 2 Prozent sonstige (Israelitische Religionsgesellschaft – jüdische Gemeinden sowie diverse Bekenntnisgemeinschaften). Die Bevölkerungsgruppe ohne Bekenntnis beträgt ca. 16 Prozent, diese sind aber keine geschlossene und homogene Gruppe. Diese Menschen sind aus verschiedensten Gründen offiziell bei keiner Glaubensgemeinschaft. Eine Vertretung dieser Gruppe ist möglich, sofern auch andere Interessensgruppen entsprechend berücksichtigt werden.

7. Strafrechtliche Regelungen

Trotz eines weitreichenden gesellschaftlichen Grundkonsenses über die Regeln des Zusammenlebens in der pluralen Gesellschaft sind einige Strafrechtsnormen älteren wie neueren Datums noch von weltanschaulichen Vorurteilen bzw. Vorverurteilungen geprägt. Werden Sie sich dafür einsetzen, den §188 StGB abzuschaffen, weil sein Schutzzweck durch andere bestehende Normen hinreichend erreicht wird? Werden Sie auf eine Abschaffung/Abänderung des §77 StGB hinarbeiten, der die höchst private Autonomie am Lebensende ungebührlich einschränkt und Freitodbegleitung kriminalisiert?

Der Paragraf 188 ist tatsächlich nicht mehr zeitgemäß, da religiöse Gruppen und die religiösen Gefühle von Menschen durch den Verhetzungsparagraphen ausreichend geschützt sind. Der Paragraph 77 ist eine um einiges heiklere Angelegenheit. Mit der Zustimmung aller Parteien wurde beschlossen, die Palliativversorgung wesentlich zu verbessern. Innerhalb der SPÖ ist der Diskussionsprozess über den Paragraph 77 noch nicht abgeschlossen.

8. Evidenzbasierte Entscheidungen

Verschiedene historisch gewachsene Positionen und Ideologien dominieren politische Entscheidungen. Wären Sie bereit auf Anfrage mit evidenzbasierenden Fakten und überprüfbaren zu erwartenden Auswirkungen zu begründen/zu erklären?

Natürlich müssen bei politischen Entscheidungsfindungen Fakten im Vordergrund stehen. Man muss aber auch berücksichtigen, dass religiöse, historisch gewachsene Positionen für viele Menschen einen hohen Stellenwert haben. Auch deren politische Ansichten können nicht einfach ignoriert werden.


NEOS

1. Weltanschauliche Neutralität des Staates

Der Staat ist die Heimat aller Bürger und hat gleichen Abstand zu allen weltanschaulichen Bekenntnissen zu wahren. Wie stehen Sie zu expliziten Gottesbezügen in Verfassungen und Schulgesetzen? Wie stehen Sie zu religiösen Symbolen in Gerichtssälen, Amtsstuben und Schulräumen?

Die Religionsfreiheit, wie sie in der Europäischen Menschenrechtskonvention definiert ist, muss für eine weltanschauliche Neutralität der Republik gegenüber allen Glaubensrichtungen stehen. Aus dieser Überzeugung heraus stehen NEOS auf für eine Verfassung ohne Gottes- oder Religionsbezug. Eine Republik, die   Äquidistanz zu allen Religionen pflegt, soll auch keine religiösen Symbole in Amtsstuben und Gerichtssälen haben. Die Diskussion über das Kreuz in der Klasse soll direkt in den Klassengemeinschaften geführt werden. Die Politik hat hier keine Vorschriften zu erteilen. NEOS wollen, dass sich die Schüler mit dem Thema auseinandersetzen und zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen.

2. Rechtlicher Status weltanschaulicher Organisationen

Der Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) setzt die Gewähr der Dauer voraus und bietet weitreichende Binnenautonomie im Rahmen eines historisch gewachsenen Privilegienbündels. Halten Sie den K.d.ö.R.-Status für Kirchen und Religionsgemeinschaften in der weltanschaulich pluralen, individualisierten Gesellschaft für zukunftsfähig? Welche Schritte zu einer weitergehenden Trennung von Staat und Kirche, von öffentlicher und religiöser Sphäre streben Sie an? Wie stehen Sie zu Konkordaten und zu Staatsverträgen mit religiösen, aber auch mit nichtreligiösen Gemeinschaften?

Kirchen und Religionsgemeinschaften sollen weiterhin juristische Personen sein können (=Rechtspersönlichkeit haben können). Ob sie ihren Status durch einen öffentlichrechtlichen (Gesetz, Verordnung) oder durch einen privatrechtlichen Akt (wie bei Gesellschaften, Vereinen, Parteien) erhalten, ist aber zweitrangig. Was die Trennung von Staat und Kirche angeht, setzen sich NEOS für die Gleichbehandlung nicht-konfessioneller Privatschulen mit konfessionellen und das Ende der Bezahlung von Religionslehrer_innen durch den Staat ein. Zum Thema Konkordat und Staatsverträge sieht das Völkerrecht vor, dass Österreich nur mit Völkerrechtssubjekten Staatsverträge abschließen kann, neben den Staaten der Erde sind das nur der Heilige Stuhl, der Malteserorden und das Rote Kreuz. Das aktuelle Konkordat mit dem Heiligen Stuhl ist in Teilen überholt und sollte adaptiert werden. Eine einseitige Auflösung ist juristisch ja nicht möglich.

3. Weltanschauliche Trägervielfalt

Kinderbetreuungs- und Sozialeinrichtungen, Senioren- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser werden im Sinne des Subsidiaritätsprinzips oft in freier Trägerschaft betrieben. Viele dieser Einrichtungen sind kirchlich geprägt, werden aber weit überwiegend öffentlich finanziert. Sehen Sie die Notwendigkeit, in allen Teilen Österreichs nichtreligiöse Trägerschaften sicherzustellen bzw. zu fördern, die dem konfessionsfreien Anteil der Bevölkerung entsprechen? Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem ausreichenden Angebot an weltanschaulich neutraler Früherziehung und Betreuung? Wie stehen Sie zu Religionserziehung in öffentlichen Kindergärten?

Die Förderung von Trägervereinen im Sinne des Subsidiaritätsprinzips ist im Sinne der Bevölkerung und des Staates. Die Entscheidung über die Förderung soll in erster Linie aufgrund der Qualität des Angebots gefällt werden. Das ist auch bei Früherziehung und Betreuung von Kindern der Fall. Religionserziehung in öffentlichen Kindergärten ist fehl am Platz.

4. Wertebildende Schulfächer

Die weltanschaulichen Wertefächer sind unterschiedlich und durch Schulexperimente sehr komplex geregelt. Die meisten Regelungen schreibt Religionsunterricht an öffentlichen Schulen als ordentliches Lehrfach fest. Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem integrativen Werte- oder Ethikunterricht, der die Schülerschaft nicht nach Konfessionen trennt? Wie sehen Sie die Aussichten für eine Umwandlung des konfessionellen Religionsunterrichts in einen übergreifenden Religionskundeunterricht? Wie stehen Sie zu weltanschaulichen Schulfächern in säkularer Trägerschaft, etwa Humanistische Lebenskunde oder Freireligiösen Unterricht? Sollte der Staat im Rahmen des Bildungssystems nicht viel mehr unseren Kindern bis zu Religionsmündigkeit Werkzeuge in die Hand geben um ihnen fundierte Entscheidungsgrundlage zum eigenem Weltbild zu ermöglichen sowie durch das Wissen Verständnis für Andere zu fördern anstatt ideologische Isolation zu unterstützen?

Das Wissen über Religionen gehört zur Allgemeinbildung. Deshalb soll es ein verpflichtendes Unterrichtsfach Ethik und Religionen anstatt des konfessionellen Religionsunterrichts geben bei dem die Schüler_innen nicht nach ihrem Glauben aufgeteilt werden. Damit soll auch die Lücke gefüllt werden, die sich aus dem derzeit fehlenden Angebot einer verbindlichen Wertevermittlung an den Schulen ergibt. Ein gemeinsamer Unterricht der die Grundlagen der Religionen sowie Ethik vermittelt, kann auch ein Beitrag zur Integration von Flüchtlingen sowie zu mehr Verständnis und Toleranz gegenüber Andersglaubenden führen.

5. Öffentliche Trauer- und Gedenkkultur

Die Kirchen sind bewährte Partner eines kulturspezifischen Ritenangebots. Die Gesellschaft ist jedoch religiös plural und zu einem wachsenden Anteil nichtreligiös geworden. Setzen Sie sich dafür ein, dass öffentliche Trauer- und Gedenkveranstaltungen entweder weltanschauungsübergreifend (z.B. durch mehrere gleichberechtige Sprecher bzw. Gestaltungselemente) oder aber strikt weltanschauungsneutral durchgeführt werden?

Ein pluralistischer Staat der im Sinne der Religionsfreiheit weltanschaulich neutral ist, soll bei öffentlichen Veranstaltungen wie Gedenkfeiern eben diese Neutralität auch widerspiegeln. Vertreter_innen der anerkannten Religion können bei solchen Veranstaltungen Teil nehmen, doch darf das nicht nur für eine Religionsgruppe gelten. Bei Trauerfeiern oder Staatsbegräbnissen muss zusätzlich den Wünschen des oder der Verstorbenen entsprochen werden, neben dem staatspolitischen Aspekt gibt es hier nämlich auch noch den ganz persönlichen Glauben der Person zu berücksichtigen.

6. Pluralitätssensible

Medienpolitik Bei den Sendeinhalten sind kirchennahe Positionen und in den Medienräten sind kirchliche Vertreter immer noch weit stärker repräsentiert, als es der schleichenden Auflösung ihres früheren Wertemonopols entspricht. Was werden Sie unternehmen, um die Repräsentanz säkularer Positionen und säkularer Kräfte in den öffentlichen Medien zu stärken?

Der öffentliche Rundfunk soll eine Gesellschaft in ihrer gesamten Breite widerspiegeln. Das bedeutet auch, dass es eine entsprechend breite Berichterstattung geben soll. Eine weltanschaulich neutrale Berichterstattung würde in einem ORF nach NEOS-Vorstellung auch durch ein unabhängig besetztes Leitungsgremium abgesichert werden, der momentan von den Parteien und anderen Gruppen bestellte Stiftungsrat muss dazu weiterentwickelt werden.

7. Strafrechtliche Regelungen

Trotz eines weitreichenden gesellschaftlichen Grundkonsenses über die Regeln des Zusammenlebens in der pluralen Gesellschaft sind einige Strafrechtsnormen älteren wie neueren Datums noch von weltanschaulichen Vorurteilen bzw. Vorverurteilungen geprägt. Werden Sie sich dafür einsetzen, den §188 StGB abzuschaffen, weil sein Schutzzweck durch andere bestehende Normen hinreichend erreicht wird? Werden Sie auf eine Abschaffung/Abänderung des §77 StGB hinarbeiten, der die höchst private Autonomie am Lebensende ungebührlich einschränkt und Freitodbegleitung kriminalisiert?

Gesetze sollten ganz grundsätzlich immer wieder auf ihre Tauglichkeit in Zeiten großer wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen überprüft werden. §188 StGB ist aus der Europäischen Menschenrechtskonvention abgeleitet und nicht wirklich durch andere Normen abgedeckt, deshalb sollte er bestehen bleiben. Im Sinne des Ideals des Selbstbestimmungsrechts von Menschen auch am Lebensende sollte über eine Abschaffung des § 78 StGB, der die Mitwirkung am Freitod ahndet, debattiert werden, allerdings müssen hierbei Missbrauchsgefahren unbedingt ausgeschlossen werden. Das Verbot der Tötung auf Verlangen (§ 77 StGB) sollte belassen werden.

8. Evidenzbasierte Entscheidungen

Verschiedene historisch gewachsene Positionen und Ideologien dominieren politische Entscheidungen. Wären Sie bereit auf Anfrage mit evidenzbasierenden Fakten und überprüfbaren zu erwartenden Auswirkungen zu begründen/zu erklären?

Das ist jetzt schon das Ideal von NEOS. Wir versuchen unsere Politik, unsere Vorschläge und Konzepte an den Fakten zu orientieren und konkret zu machen, welche Auswirkungen diese Ideen hätten. Anders ist verantwortungsvolle und zukunftsgerichtete Politik schwer zu realisieren.


WEISSEN

Danke für Ihre Anfrage! Ich will Ihnen einen Überblick über die Weißen geben, die Ihre Fragen nicht klassisch beantworten können, da es bei den Weißen primär um direktdemokratische Mitbestimmung geht.

Es bedarf dringend einer grundlegenden politischen Veränderung hin zu einer echten, ehrlichen Demokratie!

 Was wollen die Weißen?

Demokratie kann nur solange existieren, solange genug Menschen glauben, dass sie  ihre Interessen vertritt.  Es fehlt das Vertrauen vieler Menschen in die Demokratie. Und es fehlt das Zutrauen vieler Politiker, dass die Menschen von ihrer Entscheidungsmöglichkeit richtig Gebrauch machen. 

Bei dieser Wahl treten so viele Parteien, Listen und Gruppierungen an wie schon lange nicht mehr. Das ist ein Zeichen. Ein Zeichen, dass  WIR ALLE unzufrieden sind. Wir leben in einem Staat von Parteien für Parteien. Wir wollen uns aber nicht mehr ausgeschlossen, ohnmächtig, manipuliert oder benachteiligt fühlen. Wir misstrauen all den Spin-Doktoren und Polit-Beratern. Wir wollen nicht immer wieder leere Versprechungen hören. Wir wünschen uns einen neuen Zugang und Umgang in der Politik. Wir stimmen immer wieder für ein Parteisystem ab, an das wir alle gar nicht mehr richtig glauben. Das kleinste Übel zu wählen – das ist doch kein Lebenskonzept! 

Und ganz besonders fällt uns auf: Die Menschen wollen wieder mehr Ehrlichkeit und Fairness spüren! Das genau ist unsere Hauptmotivation:  Wir wollen die Unfairness und auch Unehrlichkeit beseitigen, die im jetzigen System steckt. 

In den letzten 15-20 Jahren hat unsere repräsentative Demokratie (manche sprechen sogar von einer“ Schein-Demokratie“) eine Fülle von großen, schwerwiegenden und weitreichenden Fehlern gemacht, und wir sind diesen Fehlern im bestehenden „scheindemokratischen System“ hilflos ausgeliefert. 

Diesen Irrtum dürfen wir endlich erkennen und den Evolutionssprung zum gemeinschaftlichen gemeinsamen Entscheiden unternehmen. Es wird Zeit, dass WIR ALLE nun gemeinsam an einen Tisch treten, ehrlich und offen an- und aussprechen, und dann gemeinsame Lösungen zu finden. Eine Fortführung der bisherigen Parteien-Politik ist für alle sichtbar keine Option mehr für Österreich.

Und diese Rolle haben nun die Weißen übernommen. Die Weißen sind keine Partei im herkömmlichen Sinne, sondern ganz normale Bürger, eben eine Volksbewegung: Wir alle bewegen uns gemeinsam. Wir wollen vereinen und befreien. Wir sind die Stimme Aller, denn wir sind kein »Pars« [lat.: Teil] sondern wir sind WIR ALLE

Die Weißen haben aber ganz klare Haltungen. Diese spiegeln sich auch in unserem Wertekatalog, den „ACHT Sätzen“, wider:

  1. Die Macht geht vom Volk aus. Das Volk entscheidet. Eine ehrliche Demokratie, keine Scheindemokratie. Echte und wahrhaftige Vertretung des Staatsvolkes.
  2. Gesetze sind einzuhalten. Recht ist einzuhalten. Recht ist durchzusetzen.
  3. Achtsamer Umgang mit Steuergeldern und Ressourcen. Keine Misswirtschaft und Korruption.
  4. Sicherheit und Ordnung sind vom Staat zu garantieren. Der Staat hat hierfür die Ressourcen bereitzustellen.
  5. Vom Untertanen zum mündigen Staatsangehörigen. Bildung statt Brot und Spiele.
  6. Staatsführung durch die Besten. Dem Staatsvolk dienend. Demut vor den staatlichen Aufgaben. Sachliche, uneigennützige Entscheidungen.
  7. Der Staat darf sich nicht weiter verschulden.  Unternehmen (je kleiner desto mehr – v.a. KMUs) sind steuerlich und regulatorisch deutlich zu entlasten. Die Einkommenssituation der Bevölkerung ist durch spürbare Abgaben- und Steuerreduktionen deutlich und gerecht zu verbessern.
  8. Nachhaltiges Wohl der staatlichen Gemeinschaft. Schaffung der Rahmenbedingungen für ein gesundes Leben durch den Staat. Achtsamer Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt.

Diese ACHT Sätze sind Leitgedanken (“Maximen”), die allgemein gültig sind, jeder in seinem Herzen versteht und die weit über jedes Parteiprogramm hinausgehen.

Dabei geht es um ganz grundsätzliche simple Forderungen: um Achtsamkeit, um ein System, das lebenswert, gerecht, fair und nachhaltig ist. Das alles basierend auf Selbstbestimmung und Mitbestimmung.  Diese Werte sind auch nicht auf ein einzelnes Land bezogen, sondern nach unserer Einschätzung allgemeingültig. 

Die Weißen wollen darüber hinaus bewusst keine Positionen zu detaillierten Fragestellungen einnehmen. Obwohl jeder Einzelne von uns persönlich eine ganz klare Meinung hat.

Die Weißen distanzieren sich davon, Positionen zu einzelnen Themengebieten einzunehmen, welche die herkömmlichen Parteien vorgeben – das spaltet nur die Menschen. Es geht uns ums Ganze. Um das Ändern der Spielregeln, die derzeit einfach nur unfair sind. 

Wir Weißen sind eben WIR ALLE und wollen folglich, dass WIR ALLE gemeinsam bestimmen

Um das zu ermöglichen, wollen wir ÖSTERREICH NEU BAUEN, indem wir gemeinsam die österreichische Bundesverfassung ausbauen. Basierend auf Art 1 B-VG: Das Recht geht vom Volk aus

Wir wollen, dass WIR ALLE in den wesentlichen Fragen demokratisch mitentscheiden können. Die Stimme des Volkes soll direkt Gehör finden. Das Parlament ist dabei aber immer eingebunden. 

Dazu brauchen wir neue Regeln:

  1. Wir müssen die unsere Bundes-Verfassung (B-VG) ausbauen, und zwar mit direkt-demokratischen Elementen wie insbesondere der Volksabstimmung, die sodann auch vom Volk selbst initiiert werden kann. Was das Volk dann über die Volksabstimmung entscheidet, ist Gesetz.
  2. Wir müssen die Qualität der Volksabstimmung sichern. Und zwar dadurch, dass der Staat (Bund) in der neuen Bundesverfassung verpflichtet ist, uns über den Gegenstand der Volksabstimmung in objektiver, sachlicher, neutraler und insbesondere einfacher schriftlicher Form zu informieren. Das Volk soll dadurch in die Lage gesetzt sein, sich ein klares Bild über den Abstimmungsgegenstand  zu machen. Diese Informationsverpflichtung ist durch ein weisungsfreies Amt zu gewährleisten.
  3. Politische Amtsträger müssen unter den Voraussetzungen des Amtshaftungsrechtes mit ihrem gesamten privaten Vermögen haften, wenn sie sich etwas zuschulden kommen lassen;
  4. Wenn die Bundes-Verfassung (B-VG) verletzt wird, muss es spürbare Strafsanktionen

Das Volk kann damit künftig Gesetze selbst initiieren („Gaspedal“), hat aber auch ein Veto-Recht gegen Gesetze („Bremse“). Kein Gesetz soll gegen den Willen des Volkes möglich sein.

Bei beiden Varianten ist unser Parlament aber immer eingebunden! Denn wir haben eine repräsentative Demokratie in Österreich. 

Die Weißen wollen aber auch eine ständige Brücke für das Volk ins Parlament sein. Dabei setzen wir eine Applikation (arg.: “App“) ein, mit der das Volk mit uns und umgekehrt wir mit dem Volk kommunizieren. Das Volk soll dadurch in der Lage sein, uns über aktuelle Nöte, Sorgen und Ängste zu informieren, wir informieren umgekehrt das Volk ausgewogen, neutral, sachlich und verständlich über geplante Gesetzesvorhaben. Vorbild für diese Informationen ist das „Abstimmungsbüchlein“ in der Schweiz. Für unsere registrierten Anwender (arg.: “User“) stellen wir zudem einen verifizierten Zugang mit einer Mehrzahl an direktdemokratischen Möglichkeiten (von der klassischen Abstimmung bis zur Konsensierung uvm.) zur Verfügung. Diese App steht als Grundgerüst und ist ein ständiger Entwicklungsprozess. Es sollen dafür jeweils  modernsten Technologien verwendet werden, wobei die rechtsstaatlichen Prinzipien wie insbesondere das geheime Wahlrecht immer geschützt sein müssen.

Wir schöpfen aber auch alle anderen Möglichkeiten aus, die die heutige Technik bietet. Und: es wird zB. auch für diejenigen, die keinen Zugang zum Internet haben, »Weiße Tische« in öffentlich zugänglichen Lokalitäten (Gasthäuser, Geschäfte etc.) geben.

Wir sind der tiefen Überzeugung, dass durch die neue Bundes-Verfassung mit diesen zusätzlichen Bauelementen alle aktuellen und zukünftigen Nöte, Sorgen und Ängste des Volkes im Sinne der Interessenslage des Volkes gelöst werden

Denn mit diesem neuen System entscheidet das Volk endlich direkt darüber, was es bewegt. Zum Beispiel über: 

  • Sicherheit, Heimat, Migration
  • Faire Bedingungen für Unternehmer und Arbeitnehmer
  • Steuergerechtigkeit
  • Klare, einfache Gesetze
  • Ernährungssouveränität und Gesundheit
  • Familie, Wohnen und Soziales
  • Demokratisierung der EU
  • Erhaltung des Bargeldes

Die Weißen bieten uns Menschen die Möglichkeit, umfassend direktdemokratisch mitzubestimmen! 

In diesem Sinne ergeht die Einladung auch an Sie: bewegen wir uns gemeinsam, informieren wir über neue politische Wege und begeistern wir für die direktdemokratische Mitbestimmung Aller Menschen!


MÄNNERPARTEI

1. Weltanschauliche Neutralität des Staates

Der Staat ist die Heimat aller Bürger und hat gleichen Abstand zu allen weltanschaulichen Bekenntnissen zu wahren. Wie stehen Sie zu expliziten Gottesbezügen in Verfassungen und Schulgesetzen? Wie stehen Sie zu religiösen Symbolen in Gerichtssälen, Amtsstuben und Schulräumen?

Gottesbezüge sind nicht notwendig, Religiöse Symbole sind dort akzeptiert, wo sie zur kulturellen Tradition gehören. In traditionell christlichen Regionen ist daher das Kreuz zu akzeptieren.

2. Rechtlicher Status weltanschaulicher Organisationen

Der Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) setzt die Gewähr der Dauer voraus und bietet weitreichende Binnenautonomie im Rahmen eines historisch gewachsenen Privilegienbündels. Halten Sie den K.d.ö.R.-Status für Kirchen und Religionsgemeinschaften in der weltanschaulich pluralen, individualisierten Gesellschaft für zukunftsfähig? Welche Schritte zu einer weitergehenden Trennung von Staat und Kirche, von öffentlicher und religiöser Sphäre streben Sie an? Wie stehen Sie zu Konkordaten und zu Staatsverträgen mit religiösen, aber auch mit nichtreligiösen Gemeinschaften?

Ja, dieser Status ist zukunftsfähig, Warum nicht? Die Trennung zwischen Kirche und Staat ist ausreichend vollzogen. Bestehende Verträge sind aufrecht zu erhalten. 

3. Weltanschauliche Trägervielfalt

Kinderbetreuungs- und Sozialeinrichtungen, Senioren- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser werden im Sinne des Subsidiaritätsprinzips oft in freier Trägerschaft betrieben. Viele dieser Einrichtungen sind kirchlich geprägt, werden aber weit überwiegend öffentlich finanziert. Sehen Sie die Notwendigkeit, in allen Teilen Österreichs nichtreligiöse Trägerschaften sicherzustellen bzw. zu fördern, die dem konfessionsfreien Anteil der Bevölkerung entsprechen? Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem ausreichenden Angebot an weltanschaulich neutraler Früherziehung und Betreuung? Wie stehen Sie zu Religionserziehung in öffentlichen Kindergärten?

Wenn wir Betreuungs- und Sozialeinrichtungen  von der Kirche losgelöst betreiben wollen, verzichten wir auf viele Leistungen von Kirchenleuten, welche diese sehr günstig und kostenlos erbringen. Lassen Sie und weiter die Gemeinsamkeit mit den kirchlichen Organisationen aufrecht erhalten, zum Wohle aller.

Weltanschaulich neutrale Früherziehung wäre wirklich schön, doch was haben wir augenblicklich? Krude Ideologien wie der Anti-Männer-Feminismus bläuen ihre Inhalte in die Kinder ein, oder sehen Sie sich nur die für viele Kinder schon abstoßende Sexualerziehung, welche sich schon gar nicht mehr auf Biologie und die Sache bezieht, sondern Sexualität zur Ideologiefrage macht, an!
Da ist mir Religionserziehung noch lieber als diese seltsamen, sicher weltfremderen Ideologien, welche jetzt in der Erziehung zu herrschen beginnen.

Warum wendet sich die Giordano-Bruno-Stiftung nicht gegen diese Ideologien, wenn sie ihrem Gründer Ehre machen will?

4. Wertebildende Schulfächer

Die weltanschaulichen Wertefächer sind unterschiedlich und durch Schulexperimente sehr komplex geregelt. Die meisten Regelungen schreibt Religionsunterricht an öffentlichen Schulen als ordentliches Lehrfach fest. Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem integrativen Werte- oder Ethikunterricht, der die Schülerschaft nicht nach Konfessionen trennt? Wie sehen Sie die Aussichten für eine Umwandlung des konfessionellen Religionsunterrichts in einen übergreifenden Religionskundeunterricht? Wie stehen Sie zu weltanschaulichen Schulfächern in säkularer Trägerschaft, etwa Humanistische Lebenskunde oder Freireligiösen Unterricht? Sollte der Staat im Rahmen des Bildungssystems nicht viel mehr unseren Kindern bis zu Religionsmündigkeit Werkzeuge in die Hand geben um ihnen fundierte Entscheidungsgrundlage zum eigenem Weltbild zu ermöglichen sowie durch das Wissen Verständnis für Andere zu fördern anstatt ideologische Isolation zu unterstützen?

Ethikunterrricht ist in Ordnung, als Ersatz für Religionsunterricht für Konfessionslose. Was stört Sie am Religionsunterricht?

Übergreifenden Religionskundeunterricht will ich den Kinder wahrlich nicht antun. Da werden zum Schluss bloß Religionskonflikte in die Klassenzimmer getragen.

Humanistische Lebenskunde kenne ich nicht als identifizierbare Richtung, jeder redet von Humanismus und die Meisten scheinen gar nicht zu wissen, was das ist. Für mich ist der Humanismus eine wichtige Bewegung der Renaissance und ich wünsche mir, dass die Menschen dessen Inhalte besser verinnerlicht hätten. Eine Humanistische Lebenskunde unter diesen Bedingungen würde ein zielloses Durcheinander. Freireligiös sehe ich ebenso, da können sich mehr die Lehrer entfalten als die Schüler.

Die Werkzeuge für die freie Entscheidung würde ich lieber den Eltern lassen. Doch eine Hälfte der Eltern haben wir durch die Entrechtung der Väter ja praktisch abgeschafft. Wir brauchen Menschenrechte für Väter, um Kindern in Stärke Entscheidungsfreiheit und -horizonte zu geben. Warum schweigt die Giordano-Bruno-Stiftung dazu?

5. Öffentliche Trauer- und Gedenkkultur

Die Kirchen sind bewährte Partner eines kulturspezifischen Ritenangebots. Die Gesellschaft ist jedoch religiös plural und zu einem wachsenden Anteil nichtreligiös geworden. Setzen Sie sich dafür ein, dass öffentliche Trauer- und Gedenkveranstaltungen entweder weltanschauungsübergreifend (z.B. durch mehrere gleichberechtige Sprecher bzw. Gestaltungselemente) oder aber strikt weltanschauungsneutral durchgeführt werden?

Wer keine Riten will, soll eben nicht kirchlich heiraten, und eine konfessionslose Bestattung geht direkt im Krematorium. Was soll die Politik da hineinpfuschen, wir wollen doch schließlich eine Trennung von Kirche und Staat, oder jetzt doch wieder nicht?

6. Pluralitätssensible

Medienpolitik Bei den Sendeinhalten sind kirchennahe Positionen und in den Medienräten sind kirchliche Vertreter immer noch weit stärker repräsentiert, als es der schleichenden Auflösung ihres früheren Wertemonopols entspricht. Was werden Sie unternehmen, um die Repräsentanz säkularer Positionen und säkularer Kräfte in den öffentlichen Medien zu stärken?

Meinen Sie wirklich? Sehen Sie, ich bin wahrlich kein praktizierend religiöser Mensch, doch auch kein Atheist, sondern einfach ein Agnostiker. Ihre Fragestellungen deuten klar auf einen überzeugten Atheisten, der andere ebenfalls überzeugen will, hin. Sie nehmen überall dort kirchliches Übergewicht wahr, wo andere, religiöse Menschen das Gegenteil, Kirchenfeindlichkeit, sehen. Ich sehe keinen Handlungsbedarf, weder in die eine, noch in die andere Richtung.

7. Strafrechtliche Regelungen

Trotz eines weitreichenden gesellschaftlichen Grundkonsenses über die Regeln des Zusammenlebens in der pluralen Gesellschaft sind einige Strafrechtsnormen älteren wie neueren Datums noch von weltanschaulichen Vorurteilen bzw. Vorverurteilungen geprägt. Werden Sie sich dafür einsetzen, den §188 StGB abzuschaffen, weil sein Schutzzweck durch andere bestehende Normen hinreichend erreicht wird? Werden Sie auf eine Abschaffung/Abänderung des §77 StGB hinarbeiten, der die höchst private Autonomie am Lebensende ungebührlich einschränkt und Freitodbegleitung kriminalisiert?

Das Verbot der Herabwürdigung religiöser Lehren ist tatsächlich kaum mehr geahndet, umso weniger besteht ein Grund zur Abschaffung. ich denke, es ist jedem Menschen zumutbar, den Anderen ihren Glauben zu lassen, Kritik an Religionen darf ja auf sachlicher Basis geübt werden.

Tötung auf Verlangen nicht mehr strafbar zu machen, wird zu den nächsten Graubereichen führen, von denen mir schaudert. Wer sind die Menschen, welche Tötung auf Verlangen anbieten würden, als Geschäftsmodell oder als Hobby?

8. Evidenzbasierte Entscheidungen

Verschiedene historisch gewachsene Positionen und Ideologien dominieren politische Entscheidungen. Wären Sie bereit auf Anfrage mit evidenzbasierenden Fakten und überprüfbaren zu erwartenden Auswirkungen zu begründen/zu erklären?

Eine Entscheidung kann ich immer gut begründen. Für alles im Leben wird nie Fakten geben, nur immer wieder intolerante Menschen, welche glauben,  sie alleine seien im Besitz der Wahrheit und könnten aus subjektiven Sichtweisen Fakten konstruieren. Diese Anmaßung liegt mir fern, doch gute Gründe für jede Entscheidung werde ich immer bieten können.


 

OBDACHLOSE IN DER POLITIK

1. Weltanschauliche Neutralität des Staates

Der Staat ist die Heimat aller Bürger und hat gleichen Abstand zu allen weltanschaulichen Bekenntnissen zu wahren. Wie stehen Sie zu expliziten Gottesbezügen in Verfassungen und Schulgesetzen? Wie stehen Sie zu religiösen Symbolen in Gerichtssälen, Amtsstuben und Schulräumen?

Da die allgemeine Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1948 in Artikel 18 einem jeden Menschen an einem jeden Ort und zu einer jeden Zeit das Recht auf freie Religionsausübung zusichert, können unsere Meinung nach Menschenrechtsverletzende Entscheidungen nicht getätigt werden. Artikel 18 (Gedanken-, Gewissens-, Religionsfreiheit) Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen. So gibt es zum Beispiel vom europäischen Menschenrechtsgerichtshof vom 18.3.2011 ein Grundsatzurteil, dass die Kreuze zu bleiben haben.

2. Rechtlicher Status weltanschaulicher Organisationen

Der Status der Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) setzt die Gewähr der Dauer voraus und bietet weitreichende Binnenautonomie im Rahmen eines historisch gewachsenen Privilegienbündels. Halten Sie den K.d.ö.R.-Status für Kirchen und Religionsgemeinschaften in der weltanschaulich pluralen, individualisierten Gesellschaft für zukunftsfähig? Welche Schritte zu einer weitergehenden Trennung von Staat und Kirche, von öffentlicher und religiöser Sphäre streben Sie an? Wie stehen Sie zu Konkordaten und zu Staatsverträgen mit religiösen, aber auch mit nichtreligiösen Gemeinschaften?

Die Trennung von Staat und Kirche besagt, dass ein amtierende Pfarrer, Priester, etc. nicht gleichzeitig auch ein politisches Amt inne haben kann. Es bedeutet aber nicht, dass man christliche Werte nicht in der Politik vertreten könnte. Das wir wiederum Staatsverträge mit den Kirchen brauchen, liegt daran, dass es sich bei Kirchen um Botschaften eines anderen Staates, des Vatikans, handelt. Botschaften, die wir genauso behandeln werden wie die amerikanische, russische oder deutsche Botschaft auch.

3. Weltanschauliche Trägervielfalt

Kinderbetreuungs- und Sozialeinrichtungen, Senioren- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser werden im Sinne des Subsidiaritätsprinzips oft in freier Trägerschaft betrieben. Viele dieser Einrichtungen sind kirchlich geprägt, werden aber weit überwiegend öffentlich finanziert. Sehen Sie die Notwendigkeit, in allen Teilen Österreichs nichtreligiöse Trägerschaften sicherzustellen bzw. zu fördern, die dem konfessionsfreien Anteil der Bevölkerung entsprechen? Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem ausreichenden Angebot an weltanschaulich neutraler Früherziehung und Betreuung? Wie stehen Sie zu Religionserziehung in öffentlichen Kindergärten?

Grundsätzlich wird es vom Eigentümer bzw. Betreiber eines Unternehmens, auch eines Kindergartens, eines Senioren- oder Pflegeheims abhängen, welche religiöse Einstellung dort gelebt wird. Das sichert die allgemeine Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1948. Ich würde aber keinen Grund sehen, warum nicht auch religionsferne Bereiche solche Einrichtungen einrichten sollten. Und was den Religionserziehung in Kindergärten betrifft: In welchen Kindergarten Kinder gehen entscheiden im Normalfall die Eltern. Niemand wird die Eltern dazu verpflichten ihre Kinder in christliche oder muslime Kindergärten zu geben.

4. Wertebildende Schulfächer

Die weltanschaulichen Wertefächer sind unterschiedlich und durch Schulexperimente sehr komplex geregelt. Die meisten Regelungen schreibt Religionsunterricht an öffentlichen Schulen als ordentliches Lehrfach fest. Wie begegnen Sie dem Wunsch nach einem integrativen Werte- oder Ethikunterricht, der die Schülerschaft nicht nach Konfessionen trennt? Wie sehen Sie die Aussichten für eine Umwandlung des konfessionellen Religionsunterrichts in einen übergreifenden Religionskundeunterricht? Wie stehen Sie zu weltanschaulichen Schulfächern in säkularer Trägerschaft, etwa Humanistische Lebenskunde oder Freireligiösen Unterricht? Sollte der Staat im Rahmen des Bildungssystems nicht viel mehr unseren Kindern bis zu Religionsmündigkeit Werkzeuge in die Hand geben um ihnen fundierte Entscheidungsgrundlage zum eigenem Weltbild zu ermöglichen sowie durch das Wissen Verständnis für Andere zu fördern anstatt ideologische Isolation zu unterstützen?

Auch wenn ich ihnen ungerne widersprechen möchte, so möchte ich darauf hinweisen, dass der Religionsunterricht heute zu Tage in den meisten Schultypen ein Freifach ist. Sprich: Sich der Schüler selbst entscheiden kann, ob er ihn besucht oder nicht. Was allerdings den Ethikunterricht betrifft, so wäre ich tatsächlich dafür diesen zum Pflichtfach zu machen um die Faschismen die heute zweifelsfrei zum Polarisieren zwischen den Religionen aufgebaut werden abzubauen.

5. Öffentliche Trauer- und Gedenkkultur

Die Kirchen sind bewährte Partner eines kulturspezifischen Ritenangebots. Die Gesellschaft ist jedoch religiös plural und zu einem wachsenden Anteil nichtreligiös geworden. Setzen Sie sich dafür ein, dass öffentliche Trauer- und Gedenkveranstaltungen entweder weltanschauungsübergreifend (z.B. durch mehrere gleichberechtige Sprecher bzw. Gestaltungselemente) oder aber strikt weltanschauungsneutral durchgeführt werden?

Auch wenn heute immer noch 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung christlich geprägt sind, zwingt niemand jemand dazu zu einer Hochzeit oder Trauerfeier einen Priester, Pfarrer, Pastor, etc. zu zu ziehen. Eine jede dieser Handlungen können heute zu Tage auch ohne Beiziehung von Kirche oder Moschee über die Bühne gehen.

6. Pluralitätssensible

Medienpolitik Bei den Sendeinhalten sind kirchennahe Positionen und in den Medienräten sind kirchliche Vertreter immer noch weit stärker repräsentiert, als es der schleichenden Auflösung ihres früheren Wertemonopols entspricht. Was werden Sie unternehmen, um die Repräsentanz säkularer Positionen und säkularer Kräfte in den öffentlichen Medien zu stärken?

Das könnte daran liegen, dass zum derzeitigen Zeitpunkt sich noch gut 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung zu irgendwelchen christlichen oder muslimen Gruppen bekennen. Daher erscheint es uns auch sinnvoll, dass diese Gruppen in solchen Bereichen des öffentlichen Dienstes vertreten sind. Immerhin sollten die Medien ja ein Querschnitt der Gesellschaft sein.

7. Strafrechtliche Regelungen

Trotz eines weitreichenden gesellschaftlichen Grundkonsenses über die Regeln des Zusammenlebens in der pluralen Gesellschaft sind einige Strafrechtsnormen älteren wie neueren Datums noch von weltanschaulichen Vorurteilen bzw. Vorverurteilungen geprägt. Werden Sie sich dafür einsetzen, den §188 StGB abzuschaffen, weil sein Schutzzweck durch andere bestehende Normen hinreichend erreicht wird? Werden Sie auf eine Abschaffung/Abänderung des §77 StGB hinarbeiten, der die höchst private Autonomie am Lebensende ungebührlich einschränkt und Freitodbegleitung kriminalisiert?

Da diese alten Werte wie „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht falsch Zeugnis sprechen wieder Deines Nächsten“ an die Stelle von Kanibalismus und Gewalt getreten ist, erscheint uns das Bewahren solcher Werte als durchaus wichtig. Immerhin muss man heute aus Gründen der Misshandlung der Menschen untereinander in Sozialen Medien bereits Anti-Mobbing Gesetze einführen.

8. Evidenzbasierte Entscheidungen

Verschiedene historisch gewachsene Positionen und Ideologien dominieren politische Entscheidungen. Wären Sie bereit auf Anfrage mit evidenzbasierenden Fakten und überprüfbaren zu erwartenden Auswirkungen zu begründen/zu erklären?