Steuerflüchtlinge. Ein schlechter Neujahrsscherz

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Markus Arch

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Das Jahr 2012 ist gerade mal vier Tage alt, da wird schon die erste fragwürdige Forderung in Bezug auf die katholische Kirche gestellt. Max Hiegelsberger, Landesobmann des oberösterreichischen Bauernbundes, will “Kirchensteuer- Flüchtlinge” dazu bringen, sich mittels eines Kultusbeitrags weiter an der Finanzierung sakraler Bauten beteiligen zu müssen. Von Markus Arch

Heinz Oberhummer von der Initiative “Religion ist Privatsache” hält diesen Vorstoß für undemokratisch und wittert dabei eine verwassungswidrige Zwangsfinanzierung, vor allem der katholischen Kirche.

Ich frage mich vor allem, was der Begriff “Steuerflüchtling” in dieser Debatte verloren hat. Die katholische Kirche ist ein religiöser Verein, dessen Grundideen und Dogmen man zustimmen kann- aber bestimmt nicht muss. Wenn man also aus dieser Vereinigung austritt, so muss man logischerweise keine gesonderte Kirchensteuer zur Finanzierung dieses Vereins mehr zahlen. Die Bevölkerung dennoch weiter dazu zu zwingen ist in höchstem Maße undemokratisch- vor allem, da es sowieso passiert, egal ob Kultusbeitrag oder nicht. [Mehr]

Grünes Licht für Laizität in Tirol

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Haiming, Tirol 26.11.2011. Bei der 35. Landesversammlung der Tiroler Grünen wurde das über 19 Monate erarbeitete erste Tiroler Parteiprogramm gestern einstimming beschlossen. Vergangenen September wurde bereits beim Bundeskongress der österreichischen Grünen das Thema “Trennung Staat und Religion” in Grundsatz- Beschlüssen verankert. Religion wurde auch bei der gestrigen Tiroler Landesversammlung heiss diskutiert. 

Das Stichwort “Abschaffung des Konkordats” fiel mehrmals. Mehrere Mitglieder bezeichneten sich selbst öffentlich als Agnostiker/-innen. Zweifler fanden die Thematik noch zu neu, Lösungsansätze rechtlich viel zu unausgereift. Erfreulicherweise wurden dennoch, in Hinblick auf anzustrebende Laizität, zwei Änderungsanträge mit mehrheitlicher Zustimmung im Parteiprogramm ergänzt:

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Wie der Staat die Kirchen finanziert

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Wie viel Steuergeld steckt in der Kirche?

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Wie viel Steuergeld steckt in der Kirche?

Menschenrechte und evolutionärer Humanismus

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Markus Arch

Markus Arch

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie auf die freie Ausübung seiner Religion. Des Weiteren hat jeder Mensch natürlich das Recht auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben. Das ist – zusammengefasst – der Inhalt der Menschenrechtserklärung.

Die freie Ausübung der Religion setzt natürlich eine gewisse Achtung vor den religiösen Überzeugungen einer Person voraus. Aus diesem Grund halte ich den Ansatz allzu eifriger Atheisten, dass ohne Religion alles besser wäre, für bedenklich. Schon alleine deswegen, weil die Begriffe “Kirche”, “Religion” und “Glauben” nicht diffenziert betrachtet werden. Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung viel zu einem besseren gesellschaftlichen Zusammenleben beitragen. Dies ist zu respektieren, auch wenn man deren Glaubensinhalte ganz gewiss nicht teilt. Des Weiteren setzt diese Denkweise voraus, dass man als Atheist automatisch ein besserer, intelligenterer oder humanerer Mensch ist – was so gesehen ein Irrtum ist.

Atheismus sagt aus, dass man nicht an bestimmte menschliche Vorstellungen von Gott, einer jenseitigen Welt oder einer transzendentalen Macht glaubt. Nicht mehr und nicht weniger. Wofür man einsteht und was man meint, denkt und sagt, darüber gibt dieser Begriff keinen Aufschluss.

Evolutionärer (naturalistischer) Humanismus

Mit dem Begriff des Atheismus taucht oft auch der Begriff des (naturalistischen) Humanismus auf. Dieser gibt schon bessere Einsichten in die Denkweise eines Individuums. Aber für Humanisten sollte gelten, dass sie prinzipiell Achtung vor jedem Menschen haben – auch vor den Religiösen. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass der Mensch nicht aufgrund seines Glaubens klassifiziert werden sollte – sehr wohl aber wegen seiner Aktionen. [Mehr]

Grüner Coup überrascht Österreichs Säkulare

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Die Grünen

Die Grünen

INNSBRUCK. (hpd) Österreichs Grüne haben die säkulare Szene Österreichs überrascht. Und das unerwarteterweise positiv. Am Wochenende beschlossen sie eine Resolution zur Trennung von Staat und Kirche. hpd-Korrespondent Christoph Baumgarten hat recherchiert.

„Der Text ist ein Wahnsinn. Das ist ja alles, was wir fordern“, erzählt Philippe Lorre am Telefon. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien. Die Stimmung, in der er sich Montagmittag befand, kann man am besten als freudige Überraschung beschreiben. Auch er hatte erst von Erwin Peterseils atheisten-info.at von der Resolution des Grünen Bundeskongresses erfahren. Der Linzer Pensionist und langjährige Aktivist der atheistischen Szene hatte das Papier von parteiinternen Quellen zugespielt bekommen und die Story exklusiv gebracht. Der Begriff exklusiv erscheint kaum untertrieben. Die Resolution „Wir trennen Staat und Religion“ macht die Grünen zur einzigen Partei Österreichs, die sich aktuell zu einem laizistischen Staat bekennt. Das hat es lange nicht gegeben.

In der säkularen Szene dürfte niemand im Vorfeld von dem Antrag informiert gewesen sein. Selbst Erich Eder von AG-ATHE wusste nichts. Die AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich sind eine grünennahe Organisation, Gründer Eder hatte vor zwei Jahren einen ähnlichen Antrag bei den Wiener Grünen durchgebracht. Gegenüber dem hpd reagiert er freudig überrascht.  „Cool. Gefällt mir extrem gut.“ Wichtig aus seiner Sicht ist, dass die Resolution „von vielen wichtigen Leuten aus zentralen Bereichen der Partei kommt.“ Das sind neben Verfassungssprecherin Daniela Musiol die Menschenrechtssprecherin Alev Korun, Bildungssprecher Harald Walser (alle im Nationalrat) und der Wiener Gemeinderat Marco Schreuder. Philippe Lorre wusste ebenfalls nichts. Er betrieb in den vergangenen Monaten Lobbying für die Anliegen der etwa zwei Millionen Konfessionsfreien in Österreich und stand mit den Grünen in intensiver Korrespondenz. [Mehr]

Michael Schmidt-Salomon: Anleitung zum Seligsein (Rezension)

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Michael Schmidt-Salomon: Anleitung zum Seligsein

Michael Schmidt-Salomon: Anleitung zum Seligsein

Michael Schmidt-Salomon, nach eigenem Bekunden „Atheist unter agnostischem Vorbehalt“, beleuchtet – nach einem interessanten persönlichen Rückblick über zwei Jahrzehnte Religionskritik – das Thema Religion und Aufklärung in vielen Facetten. Religionskritische Texte in gebündelter, amüsanter Form; klar in den Aussagen, stringent in den Argumentationen, tiefgründig ohne großen philosophisch–theoretischen Ballast.

Das Buch gliedert sich in 3 Teile: Der erste Teil beinhaltet – „mit der subversiven Kraft des Humors“ – die „Lust am Lästern“, wobei auf die grandiosen Lächerlichkeiten in nahezu jedem Glaubensbekenntnis hingewiesen wird. Das einzige Mittel gegen Wahn ist die Konfrontation mit der Wirklichkeit in Form von Kritik und Aufklärung. Religiöse Überzeugungen stehen meist unter „Denk–mal–schutz“; tradierte Denkblockaden sind nur durch Aufklärung zu sprengen, wobei es nach Auffassung des Autors legitim ist, religiöse Gefühle zu verletzen, wenn dies zur Durchsetzung einer aufgeklärten und humaneren Sicht- und Lebensweise erforderlich wird.

Der zweite Teil “Interventionen” widmet sich u.a. der religiösen Blindheit deutscher Politiker (Rede des Bundespräsidenten Wulff und “gedankliche Entgleisungen” Ursula von der Leyens) mit einem sehr bedenkens- und beherzigenswerten “Plädoyer für eine zeitgemäße Bildungs- und Erziehungsoffensive” sowie den Fragen “Religion und Gewalt” und den Lehren aus der Schweizer Volksabstimmung zum Minarettverbot.

Auch der sogenannte „neue Atheismus“ wird als „Streitkultur der Aufklärung“ einer Analyse unterzogen, wobei der Begriff Atheismus als sehr unpräzise empfunden wird, da der Begriff „Gott“ nicht klar definierbar ist. Gegen den „unvorstellbaren Gott der Mystiker“ (Meister Eckart, Giordano Bruno, Spinoza, Einstein usw.) gibt es auch von atheistischer Seite keinen Einwand, Richard Dawkins z.B. bezeichnet sich selbst als „religiös wie Einstein“. Schmidt–Salomon schlägt statt „neuer Atheismus“ die Bezeichnung „naturalistischer Humanismus“, der nicht in Opposition, sondern als Alternative zur Religion steht, vor. [Mehr]

Unwissenheit aus Unglauben

Thema: GBS (at), Religion, Wissenschaft | Tags:
Markus Arch

Markus Arch

Bei der Diskussion um den Sinn des Lebens kommt man für gewöhnlich nicht um die Frage nach dem Ursprung des Lebens herum. Wie entstand das Universum, wie entstanden die ersten Lebewesen, und vor allem: Warum ist es so auf der Welt, wie es nunmal ist? Und nicht anders?

Die Wissenschaften versuchen, Antworten darauf zu finden. Bis jetzt gibt es Theorien, wobei die Urknalltheorie wohl die bekannteste und nach weitläufiger Meinung die wahrscheinlichste Variante ist. Stephen Hawking beschrieb in seinem letzten Buch die M- Theorie und die Wahrscheinlichkeit der Existenz unterschiedlicher Universen. Laut dieser ominösen M- Theorie braucht es keinen Schöpfer, um die Entstehung von Allem zu erklären.

Jedenfalls gibt es nur wenig so geniale Köpfe wie Hawking, die einem das physikalische Konstrukt dahinter vollkommen nachvollziehbar erklären könnten. Ich komme trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zu dem Schluss: Wir wissen nicht, wie das Universum entstanden ist. Genau so wenig, wie das Leben an sich auf unserem Planenten begann.

Wir wissen von der Evolutionstheorie, die ab den ersten Einzellern zu wirken begann. Woher kommen diese Einzeller? Darauf gibt es Antworten, aber es ist wie bei der M- Theorie: Man kann es nachlesen, aber hundertprozentig verstehen wird man es als Laie wohl nie so wirklich.

Dies führt in Diskussionen religiösen Charakters zu einem interessanten Schluss: Durch die (momentane) Unmöglichkeit der vollständigen Erklärung dieser Phänomene wird für religiöse Menschen die eigene These eines wie auch immer gearteten metaphysischen Wesens gestärkt. Wieso muss man eigentlich anscheinend Experte auf den Gebieten der Physik, Chemie, Biologie, Soziologie usw. sein, um Argumente gegen den Glauben aufbieten zu können, fragt man sich da manchmal. [Mehr]

Sinn und Unsinn

Thema: GBS (at), Philosophie, Religion | Tags:
Markus Arch

Markus Arch

Der Sinn des Lebens ist und wird wohl immer eine Frage bleiben, die jeder Mensch letztendlich für sich selbst entscheiden muß. ( Obwohl manche jetzt mit “42″ antworten würden…)

Religionen und/ oder Esoterik, welche sich ja schon lange nicht mehr gegenseitig ausschließen, können einem Individuum zweifelsohne  Halt und eine Antwort auf diese Frage geben. Zumindest auf den ersten Blick. Weitergedacht sieht die Sache etwas anders aus, wie ich meine.

In Gott und dem Bemühen, diesem zu gefallen, kann man sich selbstverständlich eine “Grundlage der eigenen Existenz” einrichten. Bei der Frage nach dem Sinn, die mit Gott sowei seinen Offenbarungen und Gesetzen beantwortet wird, werden aber wiederum Fragen aufgeworfen:

  • Wer erschuf Gott?
  • Wenn Gott schon immer da war, wieso sendete er uns seinen Sohn erst vor 2.000 Jahren, beziehungsweise erschuf uns als seine “Ebenbilder” erst vor etwa 200.000 Jahren?
  • Warum wählte er einen so unglaublich verwinkelten Weg zu unserer Erschaffung?
  • Was tat er eigentlich die 198.000 Jahre dazwischen, wenn er uns doch so sehr liebt? [Mehr]

Entweltlichung! An alle Katholiken: Papst empfiehlt Unterschrift

Thema: Kirchenprivilegien, Laizität, Religion | Tags: , , , ,

Niko Alm

Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI kann auch positiv überraschen. Er hat zur „Entweltlichtung“ der römisch-katholischen Kirche aufgerufen. Dem Mann kann geholfen werden! Nirgends können das die Katholiken so rasch und effektiv umsetzen wie in Österreich.

Österreichs Katholiken sind nach der Freiburger Rede des Papstes de facto verpflichtet, das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien zu unterstützen.

„Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben. Die missionarische Pflicht, die über der christlichen Anbetung liegt und die ihre Struktur bestimmen sollte, wird deutlicher sichtbar.“ - Joseph Ratzinger.

Na dann, auf zur Unterschrift, liebe Katholiken. Nehmt euren Chef beim Wort.

Wir helfen indessdabei diesen päpstlichen Auftrag umzusetzen. Wir fordern, dass die Kirche von der materiellen Last ungerechtfertigter staatlicher Zuschüsse in Milliardenhöhe befreit wird. Wir fordern die Befreiung von der politischen (wie auch materiellen) Last, den schwindenden Einfluss in den öffentlichen Schulen sichern zu wollen. Sei es durch den konfessionellen Religionsunterricht, sei es durch dessen Light-Variante, den Ethikunterricht, für den die katholische Kirche gerade so eifrig politischen und medialen Druck aufbaut.

Natürlich ist unser Engagement prinzipiell anders, nämlich weltlich, motiviert. Es entspricht unserem Verständnis eines modernen, liberalen und demokratischen Rechtsstaats auf internationalem Niveau. Aber wenn eine andere Perspektive, die missionarisch-geistliche, zum gleichen Ergebnis führt, werden wir nicht darüber streiten. Der Papst selbst darf als Ausländer leider nicht unterschreiben, aber er hat ja hier geschätzte fünfeinhalb Millionen Anhänger, funktionale Agnostiker vulgo Taufscheinkatholiken eingerechnet. Die können das jetzt mit gutem Gewissen für ihn übernehmen und damit eindeutig demonstrieren, dass sie ihn ernst nehmen.

Von der offiziellen katholischen Kirche in Österreich und ihren politischen Anhängern ist das leider nicht zu erwarten. Sie haben bisher alles getan, um Initiativen für eine klare Trennung von Staat und Kirche zu blockieren.

Vielleicht stößt sich die katholische Kirche daran, dass wir nicht nur sie, sondern alle Religionsgemeinschaften in Österreich, „entweltlichen“ wollen. Dann wäre der missionarische Wettbewerbsvorteil weg, wenn diese sich auch finanziellen und politischen Ballasts entledigen müssten. Dann sind sie alle gleich vor den Menschen. Oder vielleicht weiß die offizielle katholische Kirche, dass der Ruf nach „Entweltlichung“ bestenfalls ein abstrakter Gedankengang ist und nur eines nicht ist: Die Forderung, kirchliche Privilegien aus Feudalzeiten abzuschaffen. In dem Fall könnte man den sprachlich eindeutigen Papst-Aufruf als zumindest doppelbödig bezeichnen. Als Signal, über Bescheidenheit zu schwafeln und Laizität weiter zu blockieren. Und die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche schwindet weiter. Ganz ohne wundern.

siehe auch ZDF-Blog ; Quelle: blog.alm.at